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Energie die bewegt


eCarTec 2012 – München


Posted on 25.10.2012 , by Oliver Zechlin in Messe & Ausstellung . No Comments

eCarTec 2012 – München

Spontan besuchte ich die sechs Stunden entfernte eCarTec (1), selbsternannte internationale Leitmesse für Elektromobilität und Hybrid, in München. Von Ausstellerseite hiess es der erste Messetag war sehr schwach besucht gewesen. Ich war am zweiten Messetag anwesend, diesen empfand ich als ziemlich gut frequentiert. Des weiteren wurde bemerkt, es hätte weniger Aussteller als die Jahre vorher. Jetzt geht es ans Machen, der grosse Hype ist vorüber. Hierzu gibt es einen guten Artikel des Fraunhofer-Instituts „Elektromobilität und das Tal der Tränen“ (2).

Rein elektrisch anreisen konnte ich leider nicht. Da stellte sich die Deutsche Bahn quer, die vor einigen Jahren (so wurde mir gesagt) das Angebot der SBB ausschlug sich finanziell an der Elektrifizierung der Strecke durch das Allgäu zu beteiligen. Die DB lehnte dies aber ab. So tuckert auf der Strecke noch immer eine alte Diesellok. Hätte ich mich vor Messebesuch auf der Webseite schlau gemacht, wäre mir etwas Enttäuschung vor Ort erspart geblieben. FORD war leider ebenso wenig vertreten, wie BMW, AUDI oder VW. SMART, TOYOTA und OPEL konnte man immerhin auf dem Testparcour Probe fahren. Hybridtechnologie war so gut wie gar nicht vertreten, vom Crashtest-Prius III bei der DEKRA abgesehen.

Die DEKRA ermittelte beeindruckende Testerkenntnisse: ein Toyota Prius III wurde einem Heckaufprall mit 49 km/h, ein weiterer Prius III einem Frontaufprall mit 50 km/h unterzogen, mit folgenden Ergebnissen:
– Batteriestrom innerhalb kürzester Zeit abgeschaltet
– Spannung fällt in wenigen Sekunden von gut 200 Volt unter den Grenzwert von 60 Volt
– Nach dem Crash keine Teile mehr unter Strom
– Batterie nicht verrutscht
– Ausreichend Abstand zwischen Batterie und eindringenden Teilen

Sehr gute Gespräche hatte ich bei z.B. MITSUBISHI, CITROEN und NISSAN. Bei MITSUBISHI gefiel  es mir auch sehr, dass viele handfeste Informationen am Stand zum i-MIEV auf Postern u.ä. dargestellt wurden. Von CITROEN war zu erfahren, dass der C-ZERO nicht eingestellt, sondern nur pausiert wurde. Jetzt sollen erstmal die Lagerbestände abgebaut, bevor 2013 wieder neue Fahrzeuge produziert werden. Neben dem C-ZERO wurde von CITROEN auch noch der elektrifizierte Berlingo gezeigt. Interessant fand ich auf dem Stand auch die rollbare Wallbox – mag für die eine andere heimische Mietgaragensituation interessant sein.

NISSAN zeigte die NV200 Transporter-Studie, in meinen Augen ein optisch sehr gelungenes Fahrzeug. Und natürlich den LEAF. Dieser stand im Testbereich sogar fünfmal zur Verfügung, und wurde auch rege bewegt. Der elektrische NV200 konnte ebenfalls probegefahren werden. Allerdings nicht die Studie von NISSAN, sondern ein von der Firma e-WOLF (3) umgebautes und homologierter NV200-Transporter in VIP-Ausführung. Der Standardumbau liegt mit 24kWh bei rd. 65k€.

RENAULT präsentiere die bereits bekannte Z.E.-Flotte, sowohl auf ihrem Stand, als auch auf dem Testparcours. Exklusiv auf dem Stand war der ZOE zu bestaunen. Das Fahrzeug wurde rege probegesessen und begutachtet. Von mir wohl zu ausführlich. Ich wurde gefragt für wen ich arbeite, da ich doch einige sehr detaillierte Fotos gemacht habe. In der Tat, es gab da auch ein paar „Ecken und Kanten“ die ich enttäuschend fand. Der ZOE ist ein sehr schönes Auto geworden, mit einigen wirklich gut gelungenen Merkmalen. Da sind „windige“ Scharniere, oder ein herausschauender Kofferraumschlosshaken nicht zeitgemäss – dem technologisch-modernen Anspruch nicht würdig. Weiterhin negativ: die Rücksitzbank kann nicht geteilt umgeklappt werden. Würde ein Interessent vom ZOE-Kauf Abstand nehmen, würde er 50 Euro mehr kosten und dafür eine geteilt klappe Rücksitzbank erhalten? Ich glaube nicht. Da war wohl mal wieder ein übereifriger Controller am Werk. Der Verkaufsstart soll in Deutschland nun im ersten Quartal 2013 sein. 2013 wohlgemerkt, und ohne teilbar klappbare Rücksitzbank in einem Fahrzeug der 20 k€ Klasse. Dafür hat der ZOE zwischen den Vordersitzen einen Dosenhalter für schmale Energiedrinks… Der Kofferraum an sich ist sehr gross, unakademisch gemessen ca. 95-100 cm breit, ca. 55 cm tief. Die Ladekante liegt bei ca. 70 cm. Die Kopffreiheit auf der Rücksitzbank ist für einen normal grossen Erwachsenen gerade so ausreichend. Meine Haare berührten leicht den Dachhimmel – und ich bin nur 1.81 m gross. Vorne fühlt man sich sehr wohl. Die A-Säulen versperren nicht unnötig die Sicht, nach hinten ist die Übersichtlichkeit auch ok. Ein Kommentar eines anderen Probesitzers als ich hinten Platz nahm: „für Renaultverhältnisse absolut hochwertig“. Das Cockpit und die optischen Darstellung der Informationen wirken zeitgemäß modern, ohne unübersichtlich überfrachtet zu sein (Seitenblick auf Ampere/Volt). Der ZOE gewann (erwartungsgemäß) eine der eCarTec Awards. Prospekte gab es leider noch keine.

Beim Stromversorger EON trat ich ins fotografische Fettnäpfchen. Sie hatten den BMW 1er ActiveE als auch einen VW eUp am Stand stehen. Hineinsetzen durfte man sich in den eUp nicht, und auch ein Foto des Innenraums welchen ich durch das offene Fenster schoss war nicht genehm. Der Herr des betreuenden Energieversorgers sagte der eUp sei nur durch seine persönlichen Beziehungen am Stand und entspricht schon dem Serienstand. Selbstredend kommt der eUp ohne Sci-Fi-Cockpit-Instrumente, sondern im klassischen VW-Armaturendesign. Zum wann-auch-immer-Serienstart bekäme der eUp aber noch eine andere Front damit er als e-Fahrzeug erkennbar ist. Bei den anderen Stromversorgern konnte ein SMART electric drive in der schwarzen Brabusausführung und ein Volvo V60 Plug-in Hybrid bestaunt werden. Sympathischer als die klassischen Energieversorger, und deren Angebot und Lösungen für Ladeinfrastrukur, ist das Berlin Start-Up Ubitricity (4). Klein aber fein. Systemsteckdosen mit Abrechnungssystem, statt grossindustrielle Insellösungen, für den kleinen Elektronenhunger zwischendurch.

Chinesische Elektroautos gab es ebenfalls zu begutachten. Mehr als einen Blick habe ich diesen jedoch (noch) nicht gegönnt. Immer wieder für mich schön anzusehen sind elektrifizerte Oldtimer, egal ob CITROEN CV2 („Ente“) oder PORSCHE Spyder. Ebenfalls waren neuzeitlichere Umbauten zu bestaunen, ein Porsche Boxster, sowie ein VW Bus T4. Beide wurden von Fleck-Fahrzeuge elektrifiziert (5).

Zwei weitere nennenswerte Fahrzeuge: ein von SIEMENS umgebauter RODING Roadster mit Radnabenmotoren (6), und das BOmobil – ein Transporter. Zu letzterem gibt es bei Financial Times Deutschland einen guten Artikel zu lesen (7). Ich kommentierte am Stand die sehr praktikable Lösung des integrierten ausrollbaren Ladekabels, und fragte nach ob dieses Kabel denn immer komplett ausgezogen werden muss um eventuellen wärmebedingten Bränden vorzubeugen. Die Antwort lautete sie ziehen das Kabel immer nur so weit raus wie benötigt. Das Fahrzeug lädt langsam über Nacht, es fliessen keine grossen Ströme. So würde es dann ja auch in der Praxis gemacht. Mich erinnert das BOmobil etwas an die Anfänge der Elektrolastfahrzeuge (ein guter Film hierzu findet sich bei den links auf AQQU).

Ein Gros der Messe machten wohl Stecker, Kabel und Ladeboxen aus. Leider konnte ich mich aus Zeitgründen nicht mit diesen Produkten beschäftigen. Dito elektrifizierte Zweiräder. Zwei Produkte möchte ich jedoch noch erwähnen: Webasto stellte kürzlich eine noch Hochvoltheizung für eCars vor (8). Was denn so besonders daran wäre, wollte ich wissen, und warum wassergeführt? Neben des neuartigen Aufbaus und dem Verzicht auf Seltene Erden ist die Heizung für Fahrzeughersteller besonders einfach in die klassische Konstruktion ohne eigene Entwicklungsarbeit zu integrieren. Die elektrische Hochvoltdirektheizung, d.h. ohne Einbindung in den Wasserkreislauf, sehen sie aus Sicherheitsgründen kritischer. Was passiert z.B. wenn ein Kind mit Wasser herumspritzt, oder in die Heizungsöffnung kippt? Daimler scheint beim Smart electric drive dafür wohl eine Lösung gefunden zu haben – dieser wird direktelektrisch beheizt. Auf die Frage nach einer Wasserpumpe als Heiz-/Kühllösung wurde mir geantwortet dass sie eine Wärmepepumpe als Ergänzung sehen. Es gibt auch noch einige Probleme auszumerzen, so z.B. die Vereisungsgefahr bei der Kombination Fahrtwind, Nebel und kühleren Temperaturen. Weiterhin bemerkenswert: Qualcomm halo (9). Basierend auf einer Entwicklung der Universität Auckland wird das berührungsfreie induktive Ladesystem derzeit in London getestet. Induktives Laden hat auf alle Fälle einen hohen WAF (Woman acceptance factor), und vermeidet schmutzige Hände.

Auf dem Testparcours gab es drei Bereiche: eKarts, Pedelecs & Skateboards, sowie Autos in jeder Grösse und Facette. Das Auto mit der längsten Warteschlange: die von Evionik umgebaute Lotus Elise. Das Einsteigen mit montiertem hardtop fällt allenfalls athletischen Naturen mit möglichst kurzen Füssen leicht. Einmal reingezwängt fühlt man sich dann wieder gut aufgehoben, und gar nicht eingedost. Die Beschleunigung war bei weitem nicht so eindrücklich wie die eines Tesla Roadster Sport. Während man den Evionik Lotus Technologieträger sogar selbst fahren durfte, wurde man im Fisker Karma gefahren. Und wie. Mal vom Öltanker-Wendekreis (Lotus Elise ist da auch kein Ruhmesblatt) abgesehen – der Vorführer des Wagens hat es auf dem Aussentestparcours gut krachen lassen. Den Fisker Karma empfinde ich etwas als Opel Ampera für Leute mit viel Geld. Sehr wertig wirkend, Yacht-ähnlich, und sogar mit Solardach. Die Intimsphäre der Insassen wird durch den massiven Batteriemitteltunnel gewahrt.

Als AUDI A2 Fahrer musste ich natürlich auch den elektrifizierten A2 testen. Dieser wurde von L.E. mobile (10) konvertiert und mit dem Ubitricity-Abrechnungssystem („Mobile Meter“) versehen. Er fährt sich auch mit Batteriestrom genauso sympathisch wie mein Original, auch der hohe Nutzwert hinsichtlich Platzangebot und Ladekapazität bleibt erhalten. Noch immer ein Fahrzeug von dem sich Konstrukteure eine Scheibe abschneiden können. Die heimlichen Stars der Testflotte waren in meinen Augen jedoch die quirlig herumwuselnden RENAULT TWIZYs.

Werde ich die eCarTec auch im kommenden Jahr besuchen? Wenn es sich zeitlich einrichten lässt, gerne. Ich empfand die Messe als unaufdringlich informativ. Ich wünschte mir jedoch eine Präsenz der diesmal ferngebliebenen Automobilhersteller.

Ein weiterer Messebericht findet sich auf dem Blog von Voltolero „Meine Reise zur E-Mobilität“: link

Quellenangaben
  1. eCarTec 2012
  2. Fraunhofer Blog: Elektromobilität und das Tal der Tränen
  3. e-WOLF: elektrifizierter NISSA NV200
  4. Ubitricity
  5. Fleck Elektroautos
  6. SIEMENS Roding Roadster mit Radnabenmotoren
  7. FTD online: BOmobil – Batteriehoffnung aus Bochum
  8. Webasto: Hochvoltheizung für Elektrofahrzeuge
  9. Qualcomm halo (en)
  10. L.E. mobile: Audi A2




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