AQQU

Energie die bewegt


RENAULT ZOE Testbericht


Posted on 10.05.2014 , by Oliver Zechlin in Test . No Comments

RENAULT ZOE Testbericht

Die Erwartungen vor Vorstellung der Renault ZOE waren gross. Sollte die gefällige modern-gezeichnete ZOE endlich DAS Elektroauto sein? Das Elektroauto welches die elektrifizierte Revolution auslöst? Zum ersten Mal wurde ein Grossserien-Elektroauto zum ähnlichen Preis eines Stadtfahrzeuges mit Dieselmotor angeboten. In der Schweiz wurde die ZOE im Juni 2013 für 22’800 CHF lanciert. Dazu kommt noch die obligatorische Batteriemiete. Diese beträgt 95 Franken monatlich bei einer Fahrleistung von 12’500 Kilometern pro Jahr und einer Laufzeit von 36 Monaten. Kürzlich wurde für Wenigstfahrer eine neue Batteriemietvariante angeboten: bei einer Laufzeit von 36 Monaten und 5’000 Kilometer im Jahr kostet die monatliche Miete 60 CHF. Eine Kaufbatterie wird nur in Norwegen angeboten.

Technische Daten

Gewicht: 1503 + 440 kg
Leistung kW (PS): 65 (88)
Drehmoment (Nm): 220
Batterie (- kapazität, kWh): LiMN2O2 (22)
Verbrauch (kWh/100 km): 14,6
Höchstgeschwindigkeit: 135 km/h
Reichweite nach NEFZ: 210 km
Ladeleistung: 3,7 kW bis 43 kW
Kofferraumvolumen nach VDA: 338 bis 1225 Liter

Renault Z.E.

Renault bietet hervorragendes umfangreiches Marketingmaterial für die Z.E. (Zero Emission) Fahrzeugpalette. Fernseh- und Printwerbung zeigen dass man die ZOE kaufen kann. Ein echtes Auto. Renault stellt auch ausführliche Produktinformationen, wie z.B. Kofferraumladehöhe und andere technische Daten bereit. Kataloge machen Lust auf mehr. Das Interesse wecken und halten gehört auch dazu. Ein Autokauf erfolgt meistens nach langer Vorarbeit und Planung – dazu gehört auch das Katalogschmökern abends im Bett. Renault kann liefern.

In der Schweiz kooperiert Renault mit dem MOVE-Ladeverbund des Westschweizer Energieversorgers Groupe E – Renault Suisse SA stellt 36 in den Garagen und Verkaufsstellen von Renault installierte Ladesäulen zum öffentlichen Laden (auch Fremdmarken) bereit. Damit bietet das MOVE-Netz 58 Ladestationen und deckt zwölf Kantone ab – und ist somit der grösste Ladeverbund in der Schweiz. Ein MOVE-Jahresbasisabonnement kostet 2014 96 CHF und beeinhaltet den Energiebezug (“flat”).

Interieur

Die ZOE Intens kommt mit schwarzen Sitzen eingerahmt von grau-beigem Hartplastik. Hartplastik ist per se nichts Negatives, da tendenziell robust und langlebig – halbwegs kratzresistent wie bei der ZOE sollte er allerdings sein. In der Wertigkeitsprüfung gewinnt man mit Hartplastik allerdings keine Punkte. Ich konnte keinerlei Knarzgeräusche vernehmen, leider gibt es an einigen Stellen scharfkantiges Plastik. Skoda verbaut ebenfalls günstiges Plastik, schafft es dabei allerdings hochwertiger zu wirken.

Die Sitze sind bequem und fühlen sich gut an, haben allerdings keine Lordosenverstellung. Der Seitenhalt könnte etwas besser sein, aber die ZOE ist keine designierte Kurvenräuberin. Die Kopfstützen sind integraler Bestandteil der vorderen Sitze. Während die Sitze angenehm hoch sind, dürfte die Befestigung auf den Konsolen noch ein bisschen höher sein: Auf der Rücksitzbank sitzend muss ich meine Schuhe geradezu unter den Vordersitz drücken, da der Abstand Boden-Unterkante Vordersitz ein paar Zentimeter zu gering ist. Für hinten mitfahrende Kinderfüssler ist dies allerdings kein Problem. Die Rücksitze haben traditionelle Kopfstützen mit Metallschienen. Je nach Länderausführung kommt die ZOE hinten mit zwei (Frankreich) oder drei (Deutschland) Kopfstützen. Der Testwagen von Renault Suisse war mit zwei Kopfstützen ausgestattet. Die Rücksitzbank ist nicht getrennt umklappbar, sondern nur als Ganzes. Angeblich ergab eine Fokusgruppenbefragung das man (der Fahrzeughersteller) die geteilt umklappbare Rücksitzbank einsparen kann, da diese nie genutzt wird. Der Renault-Controller mag sich am nicht ausgegebenen Euro freuen, ich habe die geteilt klappbare Rückbank bereits in den kurzen zwei Testwochen vermisst als ich Hund und Waren transportieren wollte.

Eine Mittelarmlehne fehlte im Testwagen, ist aber als offizielles Zubehör erhältlich. Es gibt ausreichend Ablagen welche jedoch optimaler dimensioniert sein dürften. Den Beifahrer erfreut ein Haltegriff.

Meine Standardklage: warum schwarzes Hochglanzplastik? Auch in der ZOE ziert dieser Fingerabdruck- und Mikrokratzermagnet den Innenraum, hier in Form einer Infotainmentsystem- und Klimabedienpanelblende. Der spiegelnde Billigkunststoff mag vielleicht noch frisch aus dem Showroom kommend für eine Stunde Autoneubesitz adäquat aussehen, aber dann geht es bergab. Merde!

Infotainment & Cockpitanzeige

Die Cockpitanzeige fand ich zurückhaltend, modern und gelungen. Mittels eines rechts vom Cockpitdisplay angebrachten Taster, kann man die linksseitige Rekuperationdarstellung umschalten. Die Auswahl ist allerdings mau. Ich habe die Standardeinstellung beibehalten, diese gefiel mir gut. Die ebenfalls auf der linken Displayseite dargestellte Restreichweitenanzeige der ZOE ist weniger volatil als in den anderen bisher getesteten Fahrzeugen. Der nicht sprunghafte stabilere Wert vermittelt Sicherheit. Nach Auswahl des ECO-Modus ist ebenfalls kein sofortiger Reichweitensprung zu erkennen. Was ich nicht herausgefunden habe: kann ich mir SOC (State-Of-Charge, die Batteriekapazität in Prozent) anzeigen lassen? Ich habe nichts gefunden. Der Ladezustand wird nur beim Starten des Fahrzeugs und Starten des Ladevorgangs eingeblendet. Die Geschwindigkeitsanzeige ist, ebenso wie die Informationen auf dem “Tachodisplay” gut ablesbar – das verstellbare Lenkrad verdeckt nichts. Auf der rechten Seite des Display kann man mittels des Blinkerhebeltasters verschiedene Einstellungen durchschalten, z.B. derzeitiger Verbrauch oder Distanzangaben.

In jeder ZOE-Ausstattungslinie gehört das immerhin 7” grosse R-Link Infotainment-System auf Android-Basis mit Touchscreen zur Serienausstattung. Über das R-Link wählt man die gewünschte Funktion wie z.B. Musik abspielen, Navigation, Energieinformation, oder greift auf online-Informationen zu. Das System reagiert recht flott auf Eingaben.

Mit dem Z.E. Connect kann man über Smartphone oder Computer Fahrzeuginformationen abrufen, wie z.B. Ladezustand, Restreichweite, Ladestatistiken etc. Weiterhin können Funktionen der ZOE ferngesteuert werden, z.B. Innenraum-Vorklimatisierung. Zur Funktion kann ich nichts schreiben, da ich für das Testfahrzeug keinen Account hatte. Aber: es ist lobenswert dass es eine umfangreiche Online-Anbindung gibt. Dies gehört in meinen Augen heutzutage bei einem “neumodischen” Elektrofahrzeug einfach dazu.

Mein ZOE Intens Testwagen kam mit Rückfahrkamera und rückwärtigen Parkpiepsern. Die Rückfahrkamera erinnert nicht nur wegen der mauen Auflösung an die Qualität von günstigen Handykameras. Die Rückfahrkamera schaltet langsam und tut sich mit Hell-Dunkel-Wechseln (z.B. aus der relativ dunklen Garage rückwärts ins Sonnenlicht fahrend) schwer. Gut: die übergelagerten dynamisch angepassten Fahrlinien. Optionale und in das R-Link integrierte vordere Parkpiepser werden von Renault nicht angeboten: Auch kleine Stadtflitzer ziehen sich an Betonsäulen in zu engen alten Parkhäusern Blessuren zu.

Der rechts vom R-Link angebrachte Radiolautstärkeregler bedarf eines langen Fahrerarmes. Aber dieser ist wohl eher für musikgeschmackaversive Beifahrer gedacht, da der Fahrer einen gut platzierten Radiobediensatelliten unterhalb des Lenkrads zur Verfügung hat. Bluetooth-Musik-Streaming mit meinem Samsung Galaxy S4 funktionierte einwandfrei. Die Handyanbindung ging schnell und problemlos vonstatten. Die Soundqualität der Audioanlage geht in Ordnung. Mit etwas Dämmung (speziell in den Türen) ist bestimmt noch Einiges mit wenig Aufwand herauszuholen.

Bei der ZOE wird eine R-Link basierte TomTom Navigation mitgeliefert. Die dazu notwendigen Länderdaten werden auf einer SD-Karte mitgeliefert, welche im Karten-Leser stecken muss. Musik spielt man via Bluetooth oder USB-Anschluss zu. Im normalen Cockpitdisplay werden während einer Navigation keine Informationen dargestellt – man muss seinen Blick immer nach rechts auf das R-Link Display richten, um einen Überblick zu erhalten. Die TomTom Anwendung zeigt in der Default-Einstellung Tankstellen-POIs auf der Karte an, unnötig und macht die Sache unübersichtlicher. Die Zieleingabe geht recht ordentlich, hat aber auch noch Verbesserungspotential bei Kleinigkeiten, wie z.B. einer automatischen Umschaltung zu kontextuell sinnvoller Tastaturbelegung (sprich, wenn ich eine Postleitzahl eingeben soll, sollen auch Zifferntasten angeboten werden; wenn ich einen Ortsnamen eingeben soll, entsprechend nur Buchstaben). Ich habe nicht herausgefunden wie ich ein einmal gesetztes Fahrtziel während einer ablaufenden Navigation wieder löschen kann. Bei berechneten Routen, welche eine vignettenpflichtige Schweizer Autobahn im Navigationskorridor haben, wird man sehr unschön im Kasernenton mit einem “MAUT” angebellt. Die Heftigkeit ändert sich mit der Wahl der Ausgabestimme, “Yannick” tönte angenehmer. Unschön bleibt es immer. Auch bei einem Wechsel zwischen verschiedenen Schweizer Autobahnen wird man wieder auf die Gebührenpflichtigkeit hingewiesen. Wie auch beim letzten Testfahrzeug (hochpreisiger Volvo V60 Diesel Plug-In Hybrid) spricht das Navigationssystem mit zwei Zungen. Standardansagen tönen anders als Text-to-Speech Ansagen – und werden auch innerhalb einer Ansage gemischt. Gut gefallen hat mir die TomTom-Fahrspurwechselanzeige, z.B. an Autobahnkreuzen.

Bedienung

Die ZOE in der Intens Ausführung kommt mit dem typischen “Scheckkarten” Renault Keyless Zugang. Der Schalthebel ist konventioneller Automatik-Machart und liegt gut in der Hand, er ist schlank und nicht zu gross. Neben dem Wahlhebel gibt es eine Schaltstufen-Anzeige. Leider ist diese unbeleuchtet, und somit überflüssig da nicht ohne sehr genaues Hinsehen ablesbar. Die Schaltstufe wird allerdings auch im Digitalcockpit angezeigt, insofern ist dies kein Manko. Und nach einiger Zeit mit der ZOE hat man gelernt, welche Rasterung welche Schaltstufe bedeutet.

Der Blinkerhebel ist gut positioniert, schön schwer, und lässt sich dadurch gut stellen. Der Tempomat-/Limiterschalter befindet sich nicht am Lenkrad, sondern links der mechanischen Handbremse zwischen den Vordersitzen. Der Tempomat kann nur in 2 km/h Schritten geregelt werden.

Fahren

Die ZOE fühlt sich übersichtlicher als der Nissan Leaf an. Das Fahrwerk ist für die Fahrzeugklasse angenehm, nicht zu weich nicht zu hart und fühlt sich auf der Strasse grösser an, als die Fahrzeuggrösse vermuten lässt. Nochmals im Vergleich zum Nissan Leaf: die ZOE ist definitiv weniger sänftig und gefühlt lauter. Dies liegt wohl auch an den 205er 17” Rädern des Testwagens. Die 17” Räder rollen hörbar ab.

Beschleunigungs- und Bremspedal sind schön dosierbar. Auch der Wechsel Beschleunigung (ehemals “Gas”) und Bremsung gefällt. Die Geschwindigkeitsanzeige geht laut GPS-Messung (Garmin Oregon) 3 km/h bei 100 km/h angezeigter Fahrgeschwindigkeit vor. Die ZOE bremst auch sehr gut. Bei einer Vollbremsung bei Tempo 70 hielt die Renault ZOE schön die Spur.

Während das Lenkrad erwachsen in der Hand liegt, überzeugt die Lenkung nicht. Sie fühlt sich gummiartig an. Dies liegt wohl an einer einfachen Radaufhängung. Die elektrische Servolenkung stellt zu schnell und zu stark zurück: in Kurven hatte ich das Gefühl des Übersteuerns.

Die Beschleunigung im ECO-Modus hat das Temperament eines 100 Meter Laufs in Birkenstock-Sandalen. Er macht seinem Namen also alle Ehre. Die grüne Seele zeigt der aktivierte ECO Modus durch eine Grünfärbung des Armaturendisplays. Für die Kurzstreckensprints empfiehlt sich der normale Modus in Blaufärbung. In diesem tritt die Rassigkeit der ZOE zu Tage. Je schneller desto kurzatmiger wird sie dann allerdings. Ich war meistens im ECO-Modus unterwegs. Dieser ist auf max. 96 km/h limitiert, von daher ideal für (Schweizer) Landstrassen. Zum Überholen eines LKWs würde ich aber definitiv kurzzeitig den ECO Modus verlassen. Erfahrenen ZOE-Piloten zufolge bringt der ECO-Modus keinen grossartigen Verbrauchsvorteil – solange nicht die Klimaanlage ins Spiel kommt.

Der Tempomat versucht auch bergab die Geschwindigkeit zu halten, ist aber nicht immer erfolgreich. Die Zielgeschwindigkeit wird mittels Druck auf die “-” reduziert. Die ZOE reagiert sowohl auf das Herunterregeln als auch auf das Ausschalten des Tempomaten ruppig statt sanft auszulaufen. Um die 120 km/h zeigte sich die ZOE recht seitenwindanfällig.

Das Halogen-Licht überzeugte mich nicht. Dieses ist auch gegen Aufpreis nicht als Xenon oder LED Variante erhältlich. Das Fernlicht war erstaunlicherweise nicht heller als das normale Abblendlicht, sondern nur anders “abgeschattet”.

Sensorisches

So sehr ich die Stille beim Fahren im Nissan Leaf geniesse – bis er in die Puschen kommt, geht er mir mit bevormundenden japanischen Warngepiepse (“die Tür-ist-offen-PIEP die-Tür-ist-offen-PIEP”) auf die Nerven. Hat man erstmal das zu luftig-blechern tönende „Klack“ der ZOE-Zentralverriegelung hinter sich gelassen, punktet die ZOE mit ihrem französischen savoir vivre und laissez-faire. Sie lässt auch mal alle Fünfe gerade sein und schweigt. Ihr Blinker tönt wie ein in den Schlaf wiegendes Uhrwerk.

Aber auch die ZOE kann einem akustisch auf den Wecker gehen: das an ein Raumschiff erinnernde Fussgängerwarngeräusch ist wahrhaft kein Ohrenschmaus für die ZOE-Insassen. Ausserhalb des Fahrzeuges ist das (einstell- und deaktivierbare) Warngeräusch in meinen Ohren nicht so nervig wie im Fahrzeuginnenraum. Der Standardwarnsound scheint zu hohe Töne zu verwenden, und wird wohl von nicht allen Mitmenschen wahrgenommen. Auch nicht von allen Tieren: Auf dem Weg nach Hause musste meine Freundin durch das Seitenfenster eine Gruppe Jogger fragen, ob die (taube?) Taube noch immer vor der ZOE auf der Strasse entlangschlawenzelt. Hupen wollte sie nicht, der Jogger wegen. Was in der ZOE ebenso fehlt, wie auch in den meisten anderen Elektroautos: eine zweite fussgängerfreundliche Hupe wie sie der Opel Ampera hat. Ab 30 km/h verstummt der synthetische Fahrton. Einmal deaktiviert heisst nicht für immer abgeschalten: er macht nach jedem Neustart auf sich aufmerksam.
In Summe ist die Geräuschkulisse beim Fahren angenehm, wenn auch das Antriebspfeifen etwas zurückhaltender sein dürfte. Diese werden bei Autobahntempo durch die lauten Windgeräusche übertönt. Auch die lauten Fensterheber machen dem Antriebsgeräusch temporär den Garaus.

Ein Pluspunkt auf der Haptikseite: die runden seitlichen Lüftungsklappen vermitteln beim Einstellen Wertigkeit. Ein definitiver optischer Minuspunkt: das helle Armaturenbrett. Obwohl es angeblich schon die verbesserte Version ist (die Test-ZOE hatte Erstzulassung März 2014), spiegelt es sich noch immer in der Scheibe. Die Scheibe hat einen weissen Milchschleier – was zu kritischen Situationen führen kann. Warum gibt es keinen dunklen Armaturenbrettträger wie beim Nissan Leaf? Warum stellt sich Renault taub und spielt auf Zeit? Das jetzige “verbesserte” noch immer helle Armaturenbrett bringt keine Verbesserung. ZOE-Fahrer behelfen sich mit Polarisationsbrillen und auf das Armaturenbrett gelegten schwarzen T-Shirts. Im GoingElectric-Forum gibt es eine herunterladbare Schablone um eine passende Komplettabdeckung zurechtzuschneiden. Update September 2014: Renault hat reagiert und bietet die ZOE mit dunklerem Armaturenbrett an. Weiterhin wird in D-A-CH bei bereits verkauften Fahrzeugen, wenn vom Kunden gewünscht, das Armaturenbrett getauscht.

Die Türen

In die fünftürige ZOE steigt man einfach und komfortabel ein. Die Türöffner im Innenraum sind von guter solider Haptik. Über die zwei innenliegenden Griffmulden der Heckklappe freuen sich Links- und Rechtshänder beim Schliessen des Kofferraumes gleichermassen.
Weniger Freude haben Links- und Rechtshänder an den Türgriffe der hinteren Türen: diese haben spezielle Öffnungsgriffe, ähnlich wie sie auch schon Alfa Romeo verwendete. Linkshänder tun sich an der rechten Türe, Rechtshänder an der linken Türe leichter. Die versenkten “Griffe” mögen aerodynamisch sein, ergonomisch sind sie nicht. Der Designer der ZOE, Jean Sémériva, hinterliess übrigens seine Fingerabdrücke an den hinteren Türgriffen.

Das Türfangband hat nur eine Zwischenrasterung. Diese ist allerdings zu gering ausgelegt, ein Ein-/Aussteigen bedarf grosser Gelenkigkeit und einen laufstegtauglichen BMI: Die zweite Rasterung ist bereits die Vollöffnung. In Vollöffnung geht die Tür viel zu weit auf. Man muss die Tür bewusst führen, sonst verewigt man die ZOE in der Karosserie des Nebenanparkenden. Ich frage mich wie lange das Türscharnier der Fahrertür die Vollöffnung der Tür mitmacht. Ich hatte den Eindruck dass die Tür beim Aufschwingen das Scharnier „überdehnt“ (bevor die Tür wieder ein Stückchen zurückschwingt).
An den hinteren Türen habe ich mir zweimal den Kopf angeschlagen. Diese sind hinten oben mit einer nach innen gekippten Hakennase versehen. Wie auch die vorderen Türen glänzen die hinteren nicht durch ausreichende Türfangbandrasterungen. Beim Versuch etwas von der Rücksitzbank zu nehmen (z.B. Herausheben eines Kleinkindes, oder Herausnehmen eines abgelegten Rucksackes) fällt die Türe gerne wieder ein Stück zu – mit dem Resultat einer schmerzhaften Kopf- oder Körperberührung!

Verbrauch und Laden

Bei Spritmonitor.de liegt die ZOE bei 18,10 kWh Durchschnittsverbrauch. Mein Durchschnittverbrauch nach 660 Kilometer Testfahrten betrug 16,6 kWh. Jahreszeitbedingt waren meine Fahrten allerdings ohne Heizung, und nur gelegentlichem moderaten Klimaanlageneinsatz.

In unserer Garage lud ich mit 11 kWh über eine CEE 16A Steckdose. An diese war eine Wallbox angeschlossen. Von dort ging es via Typ2 in die ZOE. Ladegeräusche oder Lüftergeräusche hörte ich nicht. Der Testwagen kam zusätzlich mit dem neuen Notladekabel zur Ladung an der Haushaltssteckdose. Dieses nutzte ich nicht.

Das sechseinhalb Meter lange Typ2 Standardladekabel führte ich wie gehabt in einer Tasche hinter dem Fahrersitz mit. Der Kofferraum hat keinen Zwischenboden unter welchem das Ladezubehör gelegt werden könnte.

Zwei kleine Optimierungswünsche: #1: Es ist nicht sofort erkennbar wie und wo der Ladebuchsendeckel zu öffnen ist. Eine sinnvoll angebrachte LED würde hier helfen – oder sogar nur eine hellere Beschriftung statt schwarz auf Schwarz. Einmal geöffnet weiss man wie die Abdeckung zu öffnen ist, aber: die ZOE wird auch im Carsharing (in der Schweiz durch Mobility) bewegt und geladen – da dürfte die Zugänglichkeit etwas einfacher sein. #2: eine von aussen ersichtliche Ladestatus-LED (z.B. blinkt blau = lädt, rot = Fehler) wäre ebenfalls ein grosses Plus und mit wenig Kosten verbunden. Dann müsste man nicht erst wieder an die Fahrzeugfront, oder zum Fahrerseitenfenster laufen um den Status Quo zu sehen. Auch das Handy kann in der Tasche bleiben – ein schneller Blick auf die ZOE genügt.

Laden mit 22 kWh ist ein Traum. „Supercharging“ für den kleinen Mann. Ich testete einige Ladesäule aus dem MOVE-Ladeverbund und war ob der einfachen Schnellladung begeistert.

Sonstiges

Die erstmalig in einem elektrisch angetriebenen Serienfahrzeug verbaute Wärmepumpe ermöglicht Wärmekomfort und stellt gleichzeitig die optimale Reichweite des Fahrzeuges sicher. Letzteres gilt zumindest für Temperaturen über 0° Celcius. Darunter heizt auch eine Wärmepumpe primär rein elektrisch, ohne Temperaturhebelwirkung.

Der Sitzbezug der Vordersitze in der getesteten Intens Ausführung war mit einem Reissverschluss versehen und somit scheinbar zur Generalreinigung abnehmbar. Der Beifahrersitz hat eine Einschubtasche auf der Rückseite, nicht jedoch der Fahrersitz.
Etwas aufpassen muss man im Kofferraum. Dort gibt es scharfe Metallkanten (Ausstanzungen) im unverkleideten Bereich unterhalb der Ladekante.

Im Motorraum war die Wischwasserzuleitung sehr nachlässig geführt – da ist eine Beschädigung vorprogrammert. Es mag nur ein Gummischläuchlein sein – aber es ist ein sicherheitsrelevantes Gummischläuchlein. Da sollte Renault nachbessern. Ich empfehle ZOE-Fahrern sich die Schlauchführung bei ihrem Fahrzeug anzusehen und evtl. mit einer selbstklebenden Kabelschelle (z.B. für TV-Kabel) den Schlauch in abquetschsicherer Position zu fixieren.

Hundetauglichkeit

Toni unser elektrofahrzeugtestender Grosspudel zeigte keine für ihn unangenehmen hochfrequenten Geräusche an, auch nicht als er testweise während einer Kurzladung im Fahrzeug wartete. Bei diesem Ladevorgang an einer 22 kW Wallbox traten minimale Ultraschallgeräusche im Bereich 45-55 kHz und 72/73 kHz auf.

Die Kofferraumladekante liegt bei 73 Zentimeter, dahinter geht es dann 25 Zentimeter hinab in den Laderaum. Ein Einspringen mit Zwischenstopp Ladekante gelingt gut, ist aber wie das Herausspringen auf asphaltierten Untergrund nicht die optimale Lösung. Letzteres würde ich durch Herausheben des Hundes unterbinden.

Als Alternative bietet sich wie auch bei unserem Audi A2 die Fahrt auf der Rücksitzbank an. Die Kleinmetall-Rücksitzdecke mit Stützplatten übernahm ich vom A2 in die ZOE. Diese versteifte Schondecke wird mit Rucksackgurten um die Kopfstützen befestigt. Bei der ZOE bedarf dies etwas Bastelei, da die Kopfstützen in den Vordersitzen integriert sind – die Bänder sind zu kurz und müssen verlängert werden. Die hinteren Kopfstützen sind klassisch ausgeführt, dort bedarf die Befestigung der Gurte keiner Improvisation. Der Einsprung gelingt gut, aber wie auch beim Kofferraum: ich möchte nicht dass der Hund von dort regelmässig herausspringt. Anders als beim Kofferraum fällt das Herausheben jedoch schwer – die Hakennase der Rücksitztüre ist dafür alles andere als optimal. Durch die in den Vordersitzen integrierten Kopfstützen war es nicht möglich das Kleinmetall-Trenngitter aus dem Audi A2 zu übernehmen. Dieses wird ebenfalls an den klassischen Metallstreben der Kopfstützen befestigt – bei der ZOE ist dies nicht möglich.

In der ZOE würde ich unseren Hund im Kofferraum transportieren und ein kleines Trenngitter an den Rücksitzkopfstützen befestigen. Dank der moderaten Rekuperation der ZOE ist ein ruckfreies Fahren möglich. Eine sanfte gleitende Fahrweise trägt viel zum Wohlbefinden von Hund (und Mensch) bei.

Zubehör

Wer sein Velo mit der ZOE transportieren möchte hat seit kurzem eine interessante Zubehöroption: Die Fahrradträgerspezialisten Paulchen aus Hamburg adaptierten deren Heckträger auf die ZOE.

FAZIT

In vielen Dingen ist die Renault ZOE recht einfach gestrickt. Optimierungspotential gibt es zu Hauf (wie bei allen Fahrzeugen, auch teuren Premiumwagen). Meine Kritik am Fahrzeug gilt vor allem der Milchglaswindschutzscheibe und der diesbezüglichen Kommunikationsfunkstille seitens Renaults, sowie der Türen.

Die ZOE kauft man nicht wegen ihrer Wertigkeit. Man kauft sie, obwohl sie eigentlich gefühlte 3’000 CHF zu teuer ist. Man kauft sie, weil sie schmuck daher kommt. Man kauft sie, weil sie sich gut fährt und zumindest bei Typ2-Lademöglichkeiten noch viel besser laden lässt – und somit Reisequalität besitzt.

Die ZOE kann durch ihren serienmässigen 22+ kW Lader bei entsprechendem Ladeumfeld auch Strecken bewältigen, die mit einem langsam ladenden Elektrofahrzeug nur unter grösstem Zeitaufwand möglich wären. Die ZOE hat damit das Potential das einzige Fahrzeug im Haushalt zu sein – für alle Strecken.

Links

ADAC – Test ZOE Life (PDF)
auto motor und sport – Renault Clio TCe 90 und Renault Zoe im Vergleich – Elektroauto schlägt Benziner
GoingElectric: Renault ZOE Forum
GoingElectric: Windschutzscheibenproblematik
MOVE Ladeverbund – Übersichtskarte
MOVE Zugangskarte
Paulchen Heckträger
Renault ZOE
Renault Katalog und Preisliste (Schweiz)
Renault: ZOE Bedienungsanleitung (PDF)
Spritmonitor
YouTube: Barbara (Schöneberger) und ZOE

Das Fahrzeug wurde freundlicherweise für zwei Wochen von Renault Suisse zur Verfügung gestellt.

 





Schreibe einen Kommentar