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Energie die bewegt


Tesla Model S – S85 – Testbericht (1/3)


Posted on 03.09.2016 , by Oliver Zechlin in Test . 2 comments

Tesla Model S – S85 – Testbericht (1/3)

1 Einführung
2 Kaufentscheidung
3 Unser Model S
4 Design
5 Innenraum & Cockpit
6 Infotainment
7 Kofferraum
8 Hundetauglichkeit

1 Einführung
Schweiz ist Tesla-Land. Im Zeitraum Januar bis Juli 2016 wurden mehr Model S zugelassen als in Deutschland: 841 zu 838 Model S. Zum Vergleich die Zulassungszahlen einiger Mitbewerber (CH/DE): Audi A7: 108 / 2206, BMW 6er: 137 / 990, Maserati Ghibli: 263 / 543, Mercedes CLS: 154 / 2047, Porsche Panamera: 79 / 564. Besonders die deutschsprachige Zentralschweiz ist ein Tesla-Zugpferd.

In Deutschland sehen dennoch 42 Prozent der deutschen Autokäufer Tesla als führende Marke für Elektroautos. Damit verweisen die Kalifornier BMW (35 Prozent), Mercedes Benz (19 Prozent) und Toyota (17 Prozent) beim Zukunftsthema Elektromobilität auf die Plätze. Das zeigt eine Studie der Nürnberger Marktforschung Puls, für die 1.000 Autokäufer zu ihrer Wahrnehmung der Marke Tesla und den Einfluss der Elektroauto-Kaufprämie befragt wurden.

Mein Verhältnis zur Firma Tesla Motors (gegründet 2003, über 13.000 Mitarbeiter) – seit ihrer Umbenennung kürzlich nur noch Tesla – ist gespalten. Ich freue mich für den Erfolg von Elon Musk. Ohne ihn, ohne den Verkaufserfolg des Model S, würden die großen Dinosaurier der Automobilindustrie keinen Blutdruck spüren tiefgreifende Änderungen in deren Portfolio und Strategie – hin zur umweltfreundlicheren Elektromobilität – durchzuführen. Elon Musk schaffte Tatsachen, er zeigte das Elektromobilität und die dazugehörige Schnellladeinfrastruktur funktionieren, und attraktiv sind. Er zeigte, dass sich Elektromobilität verkauft, gut verkauft: so man denn das richtige Produkt hat und die damit einhergehende Ladeinfrastruktur. Dabei ist es nicht einmal das große Ziel von Elon Musk Autos zu verkaufen. Sie sind Mittel zum Zweck für den Umbruch des Systems. Vor ein paar Jahren, auf dem Pressetag des Autosalon in Genf, konnte ich kurz mit Elon Musk plaudern – und war beeindruckt von der Zugänglichkeit des visionären Milliardärs. Weniger begeistert bin ich von oftmals wechselnden Mitarbeitern – dies ist oft überdurchschnittlichen Arbeitszeiten bei unterdurchschnittlicher Bezahlung geschuldet. Es macht sich gut im Lebenslauf einmal bei Tesla gearbeitet zu haben.

Ich versuchte über Jahre hinweg auf offiziellem Wege ein Pressetestfahrzeug zu erhalten. Im Regelfall ist es kein Problem von den Presseabteilungen der Hersteller ein Probeexemplar gestellt zu bekommen. Nicht so bei Tesla. Kaum sah ich mich auf der Zielgeraden verließ die zuständige Marketing-Mitarbeiterin die Firma. Irgendwann war ich es leid hinterherzulaufen und wie ein Schulbub behandelt zu werden. Mir war es auch nicht möglich für ein Wochenende ein Fahrzeug über den Vertrieb, über einen Tesla Store, zu erhalten. Nur mit Reservierungs-Anzahlung von 3‘000 CHF hätte ich einen Wagen zum Alltagstest zur Verfügung gestellt bekommen. Nein danke. Ein solches Gebaren stört mich gewaltig. So blieb es bei 08/15 Probefahrten von ein paar Minuten Dauer während der offiziellen Test-Events. Dabei konnte ich zumindest schon die Kompatibilität mit der heimischen Garage testen. Im sehr empfehlenswerten Tesla-Fahrer und -Freunde Forum wird vor Probefahrten mit dem Model S gewarnt: das haben-will-Gefühl sei danach zu stark um einer Bestellung widerstehen zu können. Ehrlich gesagt, ich habe dies nicht gespürt. Den Beschleunigungskick und die Lautlosigkeit kannte ich bereits von den vielen Elektrofahrzeugen die ich bereits fuhr. Jetzt dann eben in der oberen Fahrzeugklasse, mit dazugehörigem Ambiente. Eigentlich wollte ich mit der Firma Tesla Motors nichts mehr zu tun haben.

Dann kam Sigmar Gabriel und hat mir ein Tesla Model S verkauft.

2 Kaufentscheidung
Ich schaltete am 24.09.2015 während der Mittagspause kurz auf den Livestream des vom deutschen Bundesministerium für Wirtschaft initiierten Gesprächs zwischen Sigmar Gabriel und Elon Musk. Dabei erwischte ich just jenen Moment, welcher später für die abrufbare Videoaufzeichnung herausgeschnitten wurde: Der arrogant und ignorant auftretende deutsche Vizekanzler sagte sinngemäß, dass es ihm egal sei, ob da etwas mehr Dreck aus dem Auspuff kommt und die Meeresspiegel um zwei Zentimeter steigen. Für ihn sind Arbeitsplätze wichtig. Das waren mal klare Worte eines Politikers. Hört man selten. Allerdings keine Worte mit denen ich d’accord gehe.

Eigentlich plante ich bis zur Vorstellung des kleineren Tesla Model 3 mit einer Elektroauto-Kaufentscheidung zu warten. Bis dahin sollte der sparsame, damals knapp über 200’000 km gelaufene Audi A2 mit seinen 75 Saug-PS aus 1.4 Liter Hubraum noch durchhalten. Dieser war zuvor beim Kundendienst und verlangte nach dem ersten Satz neuer vorderer Bremsscheiben, einem Abgas-AGR-Ventil und dem zweiten Satz Zündkerzen. Plus Kundendienst. Läppert sich, so dass das Fahrzeug wohl doppelt so viel wert war wie vor dem Kundendienst – obwohl der A2 äußerlich noch wie neu aussieht. Alu eben. Wie die Hülle des Model S. Meine einzige Kritik war das im Alter lauter gewordene Innengeräusch des Wagens – nicht sonderlich angenehm auf Autobahnetappen. Und: der A2 riecht mittlerweile nach alter Maschine.

Gedanklich hatte ich mich als Audi A2 Nachfolge mit zwei neuen Fahrzeugen angefreundet: einem Elektrofahrzeug (z.B. BMW i3) für die überschaubaren Entfernungen, plus einem Hybrid-Benziner für die Langstrecken (vorwiegend Zentralschweiz <> Nürnberg & Hamburg). Nach dem VW Abgasskandel und den Aussagen von Sigmar Gabriel war mein persönliches Fass übergelaufen. Flagge zeigen, walk the walk, statt nur talk the talk. Auf der Straße ein Zeichen setzen, statt nur geschrieben im Web.

Das Tesla Model S schafft etwas, was sonst kaum ein Fahrzeug schafft: gleich den Sirenen aus der griechischen Mythologie lockt es Landfahrer über mehrere Fahrzeugklassen zur Oberklasse. So auch uns. Nie im Leben hätte ich soviel Geld für ein konventionelles Auto aus Bayern oder Baden-Württemberg ausgegeben. Aber der Gesang des elektromotorischen Antriebs des Model S lockte mich vom einst als Jahreswagen gekauften Kleinwagen Audi A2 in höhere automobile Sphären. Und nicht nur mich. Schaut man sich in Elektroautoforen die Benutzervorstellungen neuer Model S Fahrer an, erkennt man eine Häufung von Klassenüberspringern wie mich. Viele der Aufsteiger wechseln von Audi A2, Toyota Prius oder einem elektrischen Kleinwagen wie z.B. Renault ZOE oder gar Mitsubishi i-MiEV.

Ich suchte auf den einschlägigen Schweizer Gebrauchtwagenseiten und wurde alsbald fündig. Optik, Ausstattung, und Preis stimmten. Das im Nachbarort inserierte Model S hatte die mir wichtige Autopilot-Sensorik. Dann ging es ganz schnell. Samstag erster eMail-Kontakt. Montag kurzes Treffen um das Fahrzeug anzusehen. Als der Verkäufer zum Vorführtreffpunkt kam, wusste ich: DAS Fahrzeug möchte ich haben. Am Abend überwies ich den Kaufpreis. Gekauft wie gesehen (und dabei ein paar kleine optische Mängel übersehen). Sogar auf eine Probefahrt verzichtete ich. Ich wusste was mich erwartet. Und das Fahrzeug hatte noch viele Jahre Garantie, sollte doch etwas sein. Dienstag parkte der Tesla bereits in unserer Garage. Mittwoch wurde er zugelassen. Einen 11kW-Anschluss habe ich bereits vor langer Zeit von unserem Vermieter zum Laden meiner Elektrotestfahrzeuge installiert bekommen. Unser neues Autozeitalter konnte beginnen.


3 Unser Model S
Mein Tesla Model S
Die Konfiguration (und damalige Neupreise in CHF, Stand Januar 2015):

Model S 85 kWh  81’700
EXTERIOR
Lackierung Graumetallic 750
Panorama-Schiebedach aus Glas 2’500
INTERIOR
Beige Standard-Ledersitze 1’500
Dekor Abachi matt 650
Passender Yacht Floor inklusive
CHARGING
Doppellader 1’500
Für Supercharger ausgestattet inklusive
OPTIONS
Tech-Paket mit Autopilot 4’300
Kofferraumabdeckung inklusive
ACCESSORIES
Roter Ladeadapter inklusive
Ziel- und Behördengebühr 500
FAHRZEUGPREIS (Stand 01/2015) 93’400

Die Ersteinlösung des Wagens erfolgte in der Schweiz im Januar 2015 (damit ist es ein 2014er Modell mit Autopilot-Hardware). Seine ersten Schritte machte der S85 als Verführ- und Vorführwagen bei Tesla, bevor er an Privat verkauft wurde. Kein Allrad, kein Soundsystem, kein Luftfahrwerk, kein ‘P’, quasi das damalige ‘Kassenmodell’. Das Fahrzeug hatte zu meinem Kaufzeitpunkt 16’000 Kilometer auf der Uhr – und damit noch 7 1/4 Jahre Garantie auf den Antrieb und 3 1/4 Jahre, oder noch 64’000 Kilometer (was zuerst eintritt), Garantie auf das Fahrzeug selbst. Im Heimatmarkt USA – und leider nur dort – bietet Tesla eine Garantieverlängerung an.

Hätte ich damals neu bestellt, wäre es wohl ein 90D geworden, mit Autopilot, Luftfahrwerk, Panorama-Dach (wegen des Dachträgers da es in Europa noch immer keine AHK-Veloheckträgerlösung gibt – ein Trauerspiel!), Kaltwetterpaket wegen des beheizten Lenkrades, Stoffsitzen und Premium-Interieur wegen der praktischen elektrischen Heckklappe.

Mittlerweile, nach meinen Erfahrungen auf unseren Stammstrecken mit dem S85, würde ein S60D genügen. Ein paar Mal auf den Langstrecken mehr/länger laden, aber viel Geld gespart. Da der S60D derzeit ein softwarelimitierter grösserer Akku ist – dessen Mehrkapazität gegen Aufpreis freigeschalten werden kann – kann man den S60D jederzeit auf 100% (d.h. voll) laden, ohne dem Akku zu schaden. Bei den 70/75/85/90er Akkugrössen wird es ab 80% deutlich langsamer. Sollte der kleinste Akku dann doch nicht reichen: er kann gegen Aufpreis auf S75 freigeschalten werden. Wäre es finanziell drin, dann definitiv ein S100D. Dieser garantiert maximale Reichweite und schnellste Ladegeschwindigkeit. Ein S60 würde auf Grund des gestiegenen Dollar-Kurses bei vergleichbarer Ausstattung aktuell ähnlich viel kosten wie der S85 Anfang 2015. Allerdings käme der S60D facelift auch mit Allrad, LED-Scheinwerfer und optionalem Bioweapon-Luftfilter. Ein Allrad müsste es für mich nicht unbedingt sein, würde ihn aber wohl trotzdem wählen. Selbst der heckgetriebene S60 – und nur dieses Modell S ist aktuell noch als reiner Hecktriebler bestellbar – hat leider nur noch den kleinen vorderen Kofferraum (der sog. ‘Frunk’ = front trunk) der Allradmodelle. Diese Platzreduktion ist vor allem dem im Premium-Paket enthaltenen HEPA-Luftfilter geschuldet. Dieser filtert u.a. die von Diesel-Fahrzeugen durch scheunentorweit offene thermische Fenster entfleuchenden Schadstoffe, als auch den Feinstaub der Benzin-Direkteinspritzer. Der vordere kleine Motor des Allradlers ist für den Tick extra Reichweite verantwortlich. Allerdings: Der Motor sitzt nahe an Fahrers Ohr, und singt sein sirrendes Lied zum Säuseln des Fahrtwindes.

Unser Audi A2 bekommt seit dem Kauf des Model S im September 2015 sein Gnadenbrot und bleibt auch erst einmal angemeldet – obwohl sich in der Schweiz ein Wechselkontrollschild anbieten würde. Ein typisches Verhalten von Umsteigern auf das Model S: der alte Verbrenner wird ‘sicherheitshalber’ behalten, um dann doch irgendwann verkauft zu werden, da ja keiner mehr damit fährt und fahren mag. Ab und zu sind bei uns beide Fahrzeuge zeitgleich im Einsatz. Die jährlichen Kosten dafür liegen ähnlich wie Mobility Car-Sharing. Im vergangenen Winter vollrichtete der alte A2 oftmals auf seinen schmalen Schneeflockenpneus Winterdienste. Das Model S hatte nur Ganzjahrespneus, welche mittlerweile abgefahren und gegen Sommerreifen ersetzt wurden. Im ersten Winter mit dem Model S vermisste ich das beheizte Lenkrad des Nissan Leaf oder Kia Soul EV.

Wir waren anfangs skeptisch ob der ausladenden Größe des Model S, speziell der Breite, und waren gespannt wie lange die Adaptionsphase dauern würde.

Technische Daten, gemäss Fahrzeugschein:

Länge 4970 mm
Breite 1964 mm (ohne Spiegel)
Höhe 1445 mm
Spur, vorn 1662 mm
Spur, hinten 1700 mm
Leergewicht 2175 kg
Gesamtgewicht 2590 kg
Dachlast 50 kg
Leistung 285 kW
Höchstgeschwindigkeit 201 km/h
Reifendimension 245/45 R19 V
Tragfähigkeitsindex 98 / 1500
Felgen 8 x 19 ET 40 LM

Die von Tesla im Unterboden des S85 verbauten Lithium-Ionen-Zellen (über 8000 Stück!) entsprechen von der Grösse den in Notebooks eingesetzten Akkus des Typs ‘18650’. Damit hören die Gemeinsamkeiten auf: Tesla nutzt eine andere Zellchemie – es sind keine Notebookakkus.

4 Design
Franz von Holzhausen, gebürtiger US-Amerikaner mit deutschem Namen, zeichnete sich federführend für das unaufgeregte Design des Model S. Es polarisiert nicht. Die Form wirkt auf mich zeitlos elegant und unaufdringlich sportlich. Das Model S erinnert an eine geschmacklich gelungene Melange aus Mazda, Maserati und Jaguar.

Freudig begrüßt einen das Model S mit seinen automatisch ausfahrenden Türgriffen. Diese sind im Fahrbetrieb aus aerodynamischen Gründen versenkt. Mittlerweile wirken die Türgriffe anderer Fahrzeuge auf mich wie eine Design-Unreinheit, deplatziert. Die in Chrome gehaltenen soliden Türgriffe liegen wertig und solide in der Hand – haben jedoch auch einen Nachteil: steht das Fahrzeug längere Zeit an einem heißen Tag in der Sonne heizen sich die Griffe unangenehm auf. Dies kommt in unseren Breitengraden nicht allzu oft vor. Model S Eigner aus sonnenverwöhnten Gefilden kleben sich zur Abhilfe einen dünnen Filzstreifen auf die Innenseite des Türgriffes, dort wo die Hand greift um die Türe aufzuziehen.

Ein gerne wiederkehrendes Thema: als Tesla Fahrer wird man – speziell mit einem Model S der frühen Jahre – auf dessen Spaltmaße angesprochen. Dies scheint Automobilisten aus D-A-CH sehr sehr wichtig zu sein, wirkt aber wie der verkrampfte Versuch etwas Schlechtes über den Tesla auf den Tisch bringen zu müssen. Was bei diesen Zeitgenossen noch nicht ankam: ‘It is in the software, stupid’. Spaltmaße als Qualitätskritierium herzunehmen ist so vergangenes Jahrtausend. Ja, das Model S wird in Fremont, Kalifornien gebaut. In den USA. Weiß man doch: Ami-Autos taugen nix! Auch wenn die Fahrzeuge vorwiegend von KUKA Robotern in einer der modernsten Produktionsstätten zusammengedengelt werden. Die in Ingenieursdeutschland produzierten Premiumfahrzeuge haben (zum Teil) weltmeisterliche Spaltmaße, aber auch das Model S braucht sich mittlerweile nicht mehr zu verstecken. Je jünger das Produktionsdatum, desto reifer und ‘deutscher’ die Qualität. Mittlerweile spielt auch das Model S in der Qualitätsoberliga mit. Unser Model S mit Baujahr Q4/2014 hat am vorderen Kofferraumdeckel eine sichtbare Zahnlücke. Bei neueren Fahrzeugen tritt dies nicht auf, der Produktionsprozess wird bei Tesla laufend optimiert. Es wäre schöner wenn der Spalt bei unserem Fahrzeug kleiner wäre – aber ehrlich gesagt: es ist mir egal. Ich genieße lieber das Fahren mit dem Model S statt mit dem Messschieber in der Hand Bauteilabstände zu ermitteln.

Das Model S hat den hervorragenden cW-Wert von 0,24. Ein Baustein der Windschnittigkeit: der glatte Unterboden. Bedingt durch die Breite des Fahrzeuges und der damit einhergehenden Stirnfläche (2,34) erreicht das Model S den guten cW*A-Wert von 0,561. Zum Vergleich: Der Porsche Panamera Hybrid fällt deutlich ab, was Porsche-Fahrern aber wohl egal sein dürfte – diese legen im Normalfall keinen Wert auf Effizienz und geringen Verbrauch: 0,29 / 2,33 / 0,675.


5 Innenraum & Cockpit
Das Model S hat echtes keyless-go. Den Komfortzugang der anderen Fahrzeughersteller steckt er in die Tasche. Bei diesen reicht es ebenfalls den Schlüssel bei sich zu haben, damit das Auto erkennt, dass man näher kommt. Möchte man die Türen öffnen, schließen diese von alleine auf. Wenn man sich entfernt, verriegelt der Wagen wieder. Das Model S begrüßt einen zunächst durch Ausfahren der Türgriffe. Der Wagen entriegelt sich (beim Model X öffnet sich sogar aktiv die Fahrertüre!). Soweit so ähnlich. Bei anderen Fahrzeugen muss ich nun jedoch entweder den Schlüssel in die Zündung stecken (auch deren Elektrofahrzeuge verlangen den ‘Zündfunken’), oder Luxus: den Startknopf drücken, um den Wagen zu starten. Tesla ist hier konsequenter. Alsbald ich im Wagen sitze und kurz das Bremspedal antippe, starten die relevanten Systeme, und der Wagen ist fahrbereit. Die Systemhochfahrgeräusche vermitteln mir das Gefühl in einem Passagier-Jet auf dem Rollfeld zu sitzen, kurz vor der Startphase. Sehr cool :-). Andersherum: nach Ende der Fahrt reicht es am Schaltstock in ‘P’ (‘park’) zu schalten, das Fahrzeug zu verlassen und die Türe zu schließen: der Tesla ist zu und aus. Hinkommen, reinsetzen, losfahren. Ankommen, aussteigen, fertig. Einfach so. So einfach. Aus eigener Erfahrung: es ist nach einiger Zeit dieser Prozessverschlankung schwer wieder mit einem konventionellen Fahrzeug klar zu kommen. Man wundert sich das der Motor nicht läuft, obwohl der Schlüssel doch auf dem Beifahrersitz liegt, oder man wundert sich das der Motor noch läuft, obwohl man das Fahrzeug bereits verlassen hat. Wie eingangs erwähnt: der Tesla hat echtes keyless-go. Im wahrsten Sinne des Wortes. Dazu dann mehr im dritten Teil über mein Model S.

Die letzten Jahre ein Fahrzeug mit hoher Sitzposition gewohnt, fällt mir der der Einstieg in den tiefen Tesla leichter als erwartet. Ich muss mich nicht verrenken oder den Kopf einziehen. Der breite Seitenschweller über welchen der Fuß gehoben werden muss, machte älteren ungelenken Semestern etwas zu schaffen. Das Model S ist eben ein Sport Coupé und keine Mercedes A-Klasse.

Die großen Türen haben drei Raststufen. Die Haltekräfte pro Raststufe dürften grösser ausfallen. Zum Aufziehen der rahmenlosen Türen besser Türgriff- und kante greifen, statt am Fenster – dies sollte die Fenstermechanik auf Dauer danken. Für kleine Fahrer ist eine komplett geöffnete Türe vom Sitz aus nur mit sehr langem Arm zu fassen. Süddeutsche Türen fallen satter ins Schloss. Den Ein- und Ausstieg erleichtern bei unserem S85 die Standardsitze ohne ausgeprägte Seitenwülste. Dafür bieten sie deutlich weniger Seitenhalt als die sportlichen Next Generation Sitze vom Zulieferer Recaro. Da wir meist gemütlich cruisen als wild durch Kurven zu zirkeln, reicht uns auch das Standardgestühl. Unsere Vordersitze weisen für die Laufleistung des Fahrzeuges schon einige Falten, speziell in den Sitzwangen auf. Das beige Leder ist – Natur der Sache – anfällig für blau gefärbte Jeans und schwarz gefärbte Gürtel. Hier kommt man um regelmäßige Lederpflege nicht umhin. Der Sitzkomfort und die Einstellmöglichkeiten gehen für Fahrer und Beifahrer in Ordnung. Man sitzt flach und tief. Richtig lange Strecken am Stück, Stunde um Stunde um Stunde wie dies angeblich deutsche Dieselfahrer mit oktoberfesttrainierter Blase tun, fährt man mit dem Tesla systembedingt nicht: Nach dem Supercharger ist vor dem Supercharger.

Die Kopfstützen sind integraler Bestandteil der Vordersitze und lassen sich nicht verstellen. Völlig unverständlich ist mir, dass die Sicherheitsgurte im Tesla nicht höhenverstellbar sind. Wir haben das Glück durchschnittlicher Größe zu sein und kommen mit Kopfstützen, Sicherheitsgurt und Kopffreiheit gut zurecht.

Sitz- und Lenkradeinstellung lassen sich im Fahrerprofil ablegen und speichern. Mehrere auf dem Touchscreen auswählbare Profile sind möglich. So könnte man sich auch ein ‘Ausstieg‘-Profil definieren in dem das Lenkrad ganz ein, und der Fahrersitz ganz zurück fährt. Leider lassen sich zu den beiden zum Fahrzeug gehörenden Schlüsseln keine Profile hinterlegen. Diese sind fahrerneutral. Das passende Fahrerprofil muss jeweils auf dem Touchscreen ausgewählt werden.

Die Mitfahrer der zweiten Reihe steigen insbesondere wegen der abfallenden Dachlinie nicht so kommod ein. Auch der Sitzkomfort kann mit der ersten Reihe nicht mithalten, u.a. wegen dem geringen Abstand Boden zu Sitzfläche. Große Mitfahrer dürften sich auch an den zu tiefen Kopfstützen stören, wie auch an der eingeschränkten Kopffreiheit.

Ich würde ein Tesla Model S jederzeit ohne Testfahrt kaufen, das Fahrvergnügen steht außer Frage – aber eine Sitzprobe ist für Interessenten mit Körpergröße links- und rechts der Gaussschen Verteilungskurvenmitte ein Muss.

Der Ausstieg wird für etwas weniger gelenkige Passagiere durch fehlende Haltegriffe erschwert. Anzugträger monieren das Fehlen von Sakkohaken. Weibliche Beifahrer beschweren sich über das Fehlen eines beleuchteten Spieglein-Spieglein in der Sonnenblende. Zur Erinnerung: es geht hier um ein preislich in der Oberklasse angesiedeltes Fahrzeug. An Ablagen wurde bewusst gespart, der schlanken Design-Linie wegen. Uns gehen sie nicht ab. Dadurch bleibt es im Wageninneren ordentlich und aufgeräumt. Wer nicht auf eine konventionelle Mittelkonsole verzichten mag: der Zubehörmarkt hilft. Hier genießt insbesondere die Firma GS-Design aus Bayern einen guten Ruf. Bei Neufahrzeugen gab Tesla klein bei und liefert nun serienmäßig eine Mittelkonsole aus. Wir sind froh nur den Yacht Floor im mitteltunnelfreien Bereich zwischen den Vordersitzen zu haben. Was uns weniger gefällt ist die Armablage mit den Becherhaltern. Zum Einen ist die Armablage ein Stück zu weit hinten angebracht, zum Anderen ist es entweder Armablage oder Becherhalter: Letzterer kommt erst zum Vorschein wenn die Armablage nach hinten geschoben ist und nicht mehr für den Arm genutzt werden kann.

Zwei konstruktive Minimängel: 1) bei der Vordertür gibt es eine Verkleidungsecke deren Textilbespannung sich durch eventuelle Berührung beim Ein- und Aussteigen erst verschmutzen und dann durchscheuern könnte. Bei uns sind bislang keine Spuren sichtbar. 2) An der Innenseite der fahrerseitigen A-Säule gibt es eine kleine Stelle bei der die Gummidichtung die Führungsspur verlässt. Ein rein optischer Makel – welcher eigentlich auch nur von einem hinter dem Fahrer sitzenden Passagier wahrgenommen wird.

Unser Fahrzeug hat das optionale, mit Aufpreis und Mehrgewicht verbundene, Panoramadach. Es vermittelt definitiv ein luftigeres und großzügigeres Raumgefühl. Wer es gerne wohlig höhlig hat, wählt ein Model S ohne Panoramadach und mit komplett schwarzer Innenausstattung. Laut Tesla blockiert das beschichtete Glas 98% der UV- und 81% der Infrarotstrahlung. Es kann bei extremen Temperaturen schon einmal fühlbar kalt / warm herabstrahlen, aber für gewöhnlich merkt man in unseren Breitengraden davon nichts. Bei Temperaturschwankungen könnte ein durch Verspannung bedingtes Knarzen auftreten. Im Normalbetrieb blieb unser Dach bislang unauffällig. Die Dachöffnung fängt karosserieformbedingt relativ weit hinten an. Und trotzdem: Es ist eine wahre Freude mit offenem Dach bei lauen Temperaturen langsam durch die Landschaft zu gleiten, die Luft und die Lautlosigkeit der Vorwärtsbewegung genießend. Der optisch dominante Windabweiser aus Textil hält Zugluft ab und fängt Insekten ein – deswegen bedarf es sporadischer Reinigung. Die in der Schweiz auf Landstraßen erlaubten 80 km/h sind mit 75% geöffnetem Dach angenehm. Bei 100 km/h auf deutschen Landstraßen ist es mir jedoch zu laut. Bei Tunneldurchfahrten (mit geschlossenem Dach) tönt es im Vergleich zum festen Dach lauter von oben herab. Mit dem Panoramadach ist die Kopffreiheit hinten, zumindest unter dem Glasbereich, großzügiger. Möchte oder muss man eine Dachbox montieren ist das Panoramadach Pflichtausstattung: Nur mit diesem besitzt das Model S die notwendigen Montagevorrichtungen. Mit Panoramadach ist es weiterhin möglich die fehlenden Sakko-Haken im Innenraum nachzurüsten. Mittels App kann ich das Dach aus der Ferne einen Spalt lüpfen, und so die heiße Luft aus dem geparkten Fahrzeug entweichen lassen.

Im Cockpitbereich begrüßen den Fahrer bekannte Teile aus dem Mercedes-Baukasten, z.B. Blinkerhebel, Fensterhebertaster oder auch das schön der Hand liegende Lederlenkrad mit Funktionstasten. Das Lenkrad lässt sich in allen Achsen einstellen. Als erstes fasziniert aber der mittig angebrachte 17” Monitor – die Media Control Unit (MCU). Noch immer beeindruckt die Touchscreen-Bedieneinheit Neulinge, obwohl das Model S seinen Produktionsstart bereits Mitte 2012 feierte. Die Jahre merkt man der MCU mittlerweile auch an. Neu hinzugekommene Funktionen bringen die MCU an das Ressourcen-Limit, es wirkt mittlerweile träger als bei Übernahme des Wagens unter der alten Softwareversion.

Über das berührungsempfindliche Display wird das Gros der Funktionen gesteuert, aber nicht exklusiv. Die Bedienung ist gut durchdacht, an ein paar unlogische Stellen gewöhnt man sich. Blind bedienen kann man den Touchscreen nicht. Auch wenn es auf den ersten Blick so wirkt, als ob das Model S mit fast keinen mechanischen Tasten kommt, stimmt das nicht. Es gibt durchaus noch eine Handvoll konventioneller Bedienelemente. Vieles lässt sich auch direkt vom Lenkrad aus steuern. Ich kann am Lenkrad Anzeigeelemente im Tachodisplay auswählen, den Media Player, das gekoppelte Handy sowie Fahrzeugfunktionen steuern. Meist habe ich die Einstellung für die Lüftergeschwindigkeit der Klimaanlage auf das rechte Drehrad gelegt, ab und zu auch die feinfühlige Öffnungseinstellung des Panoramadachs.

Für gewöhnlich habe ich links im Tachodisplay den Powermeter und rechts den Tripmeter. Leider beißt sich genau diese Kombination bei einer aktivierten Routenführung des Navis: das linksseitige Element (bei mir der Powermeter) wird automatisch durch die Navigationsanzeige ersetzt. Ich muss dann bei jeder navigationsunterstützten Fahrt zunächst das linke Drehrad am Lenkrad aktivieren, zum Powermeter-Icon scrollen und selektieren. Erst dann habe ich mein Powermeter zurück PLUS eine fallweise Navigationseinblendung unterhalb alsbald eine Richtungsänderung bevorsteht – perfekt, aber leider nicht permanent möglich. Ich ziehe das Powermeter auf der linken Tachodisplayseite vor, da ich gerne das Terrain ausnutzend ‘segle‘, d.h. antriebslos ohne Verbrauch rolle. Ich könnte den Lenkstockhebel auf Neutral stellen, aber dies ist mir zu risikoreich, da ich bei unvorhergesehenen Ereignissen mangels ad-hoc zur Verfügung stehender Beschleunigungsleistung nicht adäquat reagieren könnte. Deswegen nutze ich den Powermeter: Dieses erlaubt mir den ‘sweet spot‘ zu finden, die Strompedalstellung welche Neutral entspricht. Im Powermeter befindet sich dann auf der rechten Seite ein viel zu dezenter, zu kleiner Strich genau in der Waagrechten. Würde ich den Powermeter rechts im Tachodisplay platzieren, wäre dieser Strich ganz am rechten Rand der Anzeige. Dieses ganz rechte Eck im Auge zu behalten fällt mir schwer und lenkt mich zu sehr vom Verkehrsgeschehen ab.

Die Tasten auf dem Lenkrad erfüllen noch einen weiteren Zweck: die des weichen Resets. Sollte sich der große 17“ Bildschirmrechner einmal aufhängen, drückt man zum Neustart gleichzeitig ein paar Sekunden die beiden Drehradtasten. Dies ist auch ohne Risiko während der Fahrt möglich. Um das Tachodisplay hinter dem Lenkrad neu zu starten, drückt man jeweils die Taste oberhalb des Drehrades, wieder links und rechts für ein paar Sekunden zur gleichen Zeit. Diese Prozedur kann man auch nach größeren Softwareupdates ausführen, getreu des alten Mottos ‘boot tut gut‘.

Mit der Heizung bzw. Klimaanlage sind wir nicht 100% zufrieden. Während am Luftströmer im Passagierraum eher ein laues Lüftchen ankommt, stürmt es vorne auch bei AUTO Einstellung gerne kalt in den Fußraum. Die Funktionsweise ändert sich mit neuen, meist automatisch im Fahrzeug ankommenden Softwareversionen. In der ursprünglichen Version (6.x) mit welcher wir das Fahrzeug übernommen haben, funktionierte die Temperierung sehr gut. Mit Wechsel auf Softwareversion 7 fing das Frieren im Winter an. Ein Armutszeugnis für Tesla! Wir hatten dann, dies kannten wir ja schon von batteriekapazitätsschwachen Elektrofahrzeugen mit dem damit oftmals einhergehenden Verzicht auf Heizungsnutzung, dünne Fleece Decken im Auto griffbereit. Im Laufe der Zeit reifte die Software, und die Heizungsfunktion wurde wieder besser, wenn auch nie wieder so gut wie vor dem Softwarewechsel von Version 6 auf Version 7.

In den Klimaanlageneinstellungen für Umluft/Frischluft gibt es eine AUTO-Option. Ich konnte keine Information darüber finden, ob im Model S ein Luftgütesensor verbaut und für diese Option genutzt wird. Eventuell liegt der Funktion nur eine Softwarelogik zu Grunde.


6 Multimedia & Infotainment
Mit einem neuen Model S ist es wie bei einem neuen Handy. Einschalten, und dann erst einmal dieses und jenes einstellen, personalisieren. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Das Kind verlangte nach einem Namen. Wir nannten unser Model S ‘AQQU‘. Durch die Namensgebung lassen sich mehrere Teslas mit einer App bedienen, so man das Glück hat einen entsprechenden Fuhrpark sein Eigen nennen zu dürfen. Auch der Fahrer soll nicht namenlos bleiben, und bekommt sein eigenes Profil angelegt. Unter diesem wird nicht nur Sitz- oder Lenkradposition gespeichert, sondern auch diverse Softwareeinstellungen. Dazu ging es ans Eingemachte: Über das Fahrzeug-Icon unten links am Kontrollbildschirm bin ich durch alle möglichen Einstellungsmenüs gegangen. Autopilot auf eigenes Risiko an oder aus? Anzeigen der restlichen Batteriekapazität in Prozent oder Restkilometer (warum geht nicht beides, die Displays sind groß genug?)? Creep Mode (losrollen beim Lösen der Bremse), ja oder nein? Etc. etc. Alles geht schnell und einfach von der Hand. Nach dem Einstellungsmarathon nicht vergessen die personalisierten Einstellungen unter dem eigenen Profil abzuspeichern. Diese Fahrerprofile, es können mehrere davon angelegt werden, kann man auch zweckentfremden und darüber spezielle Einstellungen schnell aktivieren – z.B. die schnelle Umschaltung von Prozent- auf Restkilometer-Anzeige.

In der heimischen Garage wollte ich den Wagen mit meinem WLAN verbinden. Die SSID wurde angezeigt, aber die Verbindung scheiterte. Versuch zwei mit dem Gäste-WLAN unserer Nachbarn einen Stock tiefer, und damit näher an der Souterrain-Garage: wieder Fehlanzeige. Mittlerweile nutze ich einen Powerline-WLAN Adapter, um die Internetverbindung Wohnung-Garage herzustellen. Warum das Ganze? Der Tesla bekommt Softwareupdates ‘over-the-air‘, als auch seltener Navigationskartenupdates. Diese würden auch via direkter UMTS-Verbindung zum Tesla gelangen. Ich hege allerdings die Hoffnung diese dank WLAN etwas schneller zu erhalten. Während die OS Firmwareversion angezeigt wird, bleibt man bei der Version des Offline-Navigationskartenmaterials (welches im Cockpitdisplay dargestellt wird) im Unklaren.

Als letztes stellte ich die Homelink-Funktion ein. Eine liebgewonnene Fähigkeit des Model S ist die serienmäßig mögliche Ansteuerung von kompatiblen Garagentorantrieben. Damit erspart man sich die normalerweise notwendige Funkfernbedienung. Oder mehrere davon. Ich habe zwei Garagentore einprogrammiert, das heimische Tor, als auch das Tiefgaragentor bei meiner Mutter. Auch hier: ‘less clutter‘ – weniger Zeug welches im Wageninneren herumliegt und -fliegt. Wenn gewünscht, kann der Tesla das Garagentor auch automatisch bei Näherung öffnen – dazu wird die GPS-Zone des Tores genutzt. Ich ziehe es vor das Tor manuell auf dem Touchscreen zu öffnen – für den Fall dass vor dem aufschwingenden Tor Tretroller oder Kinderfahrräder abgestellt wurden. Die Programmierung des Homelinks geschieht schrittgeführt im Einstellungsmenü des großen Displays, und führt bei dem Einen oder Anderen zu Zornesfalten da der Sender nicht erkannt wird. Bei mir klappte es auf Anhieb mit einem Tipp aus dem Tesla-Forum: Statt wie in der Schritt-für-Schritt-Führung vorgegeben den Handsender vor dem Fahrzeug stehend auf das Fahrzeug zu richten und dann den Funkbefehl zu senden, blieb ich im Fahrzeug sitzen und richtete den Funkstrahl des Garagentoröffner tief in den Fahrerfußraum.

Ich habe das Model S im September 2015 mit Softwareversion und GUI-Stand 6.x übernommen. Mit der Freischaltung der Autopilotfähigkeiten wurde Version 7.x ausgerollt. Und alles sah anders aus, ähnlich wie beim damaligen Wechsel beim iPhone von iOS 6 auf 7. Nach dem Wechsel musste ich erst einmal das Lenkrad neu einstellen (in Höhe und Tiefe), um alle neu angeordneten Symbole im Cockpitdisplay sehen zu können. Voraussichtlich noch 2016 wird Version 8.x erscheinen. Einhergehend mit neuem look & feel, als auch neuen Softwarefunktionen. Das Update wird wieder gratis sein. Eine der vielen Neuerungen seit wir das Fahrzeug besitzen: die Auto Hold Funktion. Zum Nutzen trete ich, z.B. an der Ampel wartend, fest auf die Bremse. Ein ‘H‘-Symbol (für ‘Hold‘) erscheint im Cockpit. Nun kann ich den Fuß vom Bremspedal nehmen. Das Fahrzeug bleibt im Stillstand, auch wenn wie bei uns der ‘Creep‘ Modus aktiviert ist. Dies ist letztendlich eine 08/15 Funktion vieler anderer Fahrzeuge. Der Unterschied: bei z.B. AUDI muss ich die Funktion und damit einhergehender Taste beim Fahrzeugneukauf aufpreispflichtig bestellen. Bei Tesla kam die Funktion während des Autolebens als Geschenk, einfach so. Einfach so konnte auch auf den Aufkauf des anfangs integrierten Internetradioanbieters Rdio reagiert werden. Der eingestellte Dienste wurde durch einen viel besseren Anbieter ersetzt: Tesla stellte nach einem Softwareupdate eine Spotify-Client bereit. Dieser kann mit einem evtl. vorhandenen Premium-Account login genutzt werden, als auch in einer Gratisversion (bei welcher z.B. keine eigenen Playlists gespeichert werden können). Wir nutzen die kostenfreie Version sehr gerne. Kostenfrei – noch – ist auch die genutzte Datenverbindung der Tesla-SIM-Karte. Tesla behält sich vor dafür irgendwann Geld zu verlangen. Wobei dies bei einem so vernetzten Auto wie dem Model S schwer zu implementieren ist, ohne Grundfunktionalitäten zu verlieren. Ich vermute es wird beim Model S gratis bleiben, während es beim 2018 erscheinenden kleinen Bruder Model 3 eine aufpreispflichtige Option zur Basis-Connectivity wird. Mein Model S hat ein UMTS-Datenmodem. Neufahrzeuge kommen mittlerweile mit dem Funkstandard LTE. In den USA ist bereits ein aufpreispflichtiger Hardwareupdate möglich. Dieser wird hoffentlich irgendwann auch in Europa erhältlich sein, da hiesige Netzbetreiber nur noch in den Ausbau von aktueller LTE-Infrastruktur (Funkzellen) investieren.

Mit Software-Version 8.x wird hoffentlich Apple Car Play und Android Auto unterstützt. Ursprünglich kündigte Tesla an ein eigenes Software Development Kit nebst eigenem App Store zu lancieren. Das Projekt wurde aus Ressourcengründen schon vor langer Zeit gestoppt. Damit wird eine Integration der App-Spiegel-Technologien von Apple und Android wahrscheinlicher. Da sogar Hyundai kürzlich ankündigte diverse Incar-Systeme kostenfrei nachträglich mit Apple Car Play und Android Auto Funktionalität auszustatten, sollte Tesla dies schon aus Gesichtswahrungsgründen tun. Model S Fahrer warten sehnlichst darauf.

Eine meiner ersten Fahrten mit dem eigenen Model S führte mich zum Elektro Fun Day nach Buochs am Vierwaldstättersee. Ich genoss die Fahrt und wählte das passende Lied: ‘Beautiful Day’ von U2 spielte vom USB-Stick, welcher in einem der beiden USB-ports unterhalb der Armlehne steckte. Herrlich. Dabei fiel mir auf, dass ich im leisen Model S Musik nicht mehr laut hören wollte, sondern die ruhigeren Töne bevorzugte. Das schrie nach ‘Enjoy the Silence’ von Depeche Mode. Obwohl nur die Standard-Audioanlage werkelte, war ich mit dem Gebotenen sehr zufrieden. Ich nutze die Equalizer-Einstellungen Bass +5 und Höhen +2.5.

Ich wechselte zum idealen Altherren-cruising-Album – ‘Tracker’ von Mark Knopfler – und stellte fest, dass der Media Player Probleme mit der Darstellung der ‘cover art’ – dem Bild der abgespielten CD hat. Die Grafikdatei wurde nicht angezeigt, obwohl sowohl Bestandteil der MP3 Datei, als auch separat im Ordner der CD liegend. Ich fand heraus dass dies kein fehlendes feature ist, sondern an einer schlampigen Programmierung liegt. Wähle ich im Media Player die abzuspielende Musik – oder das Hörbuch – aus der Ordner-Darstellung: kein Cover. Sortiere ich jedoch nach Album oder Interpret, und wähle dann das gewünschte Werk: voilà, das cover wird angezeigt. Dies gilt für MP3, als auch Audiodaten im FLAC Format.

Die Benutzeroberfläche des Media Players, der Media Browser ist nicht durchgehend intuitiv zu bedienen. Es fühlt sich mehr an wie ein Linux als macOS, und passt nicht so recht zum simplified Tesla-Konzept. Auch nicht verstehen muss man, warum soviel Displayfläche verschenkt, schlicht nicht genutzt wird. Albumnamen sind bei mir oftmals nicht auseinanderzuhalten, da die ersten Zeichen jeden Albums identisch sind (z.B. ‘Various Artists – xxx yyy‘) – im Media Browser dann aber abgeschnitten wird, statt einen Zeilenumbruch zu machen, zu scrollen oder die Zeichensatzgröße anzupassen. Dabei hat es soviel freien Platz. Die ID3 tags der Songs werden weiterhin zum Teil nicht, oder falsch, interpretiert. Externe Musikzuspieler wie iPhones können nur via Bluetooth-Anbindung genutzt werden, nicht jedoch mittels USB-Verbindung. Damit können z.B. ältere iPods mit gereifter Musiksammlung nicht angeschlossen werden. Hier empfiehlt es sich die Lieder auf einen klein-dimensionierten (damit dieser nicht zu weiter in den Raum steht, und man ihn versehentlich abreist) USB-Stick zu transferieren. Wer seine Sammlung in iTunes im Apple lossless Format verwaltet, kann ein Open Source Tool nutzen um die Alben der Wahl ins FLAC Format für einen FAT32 oder EXT2/3/4 formatierten USB Stick zu konvertieren. Neben MP3 und FLAC werden weiterhin die folgenden Musikformate unterstützt: MP4, AAC (ohne DRM), AIFF, WAV, WMA und lossless WMA. Ich nutze, damit das Einlesen relativ flott geht, einen moderaten 64GB Stick. In Foren ist auch vom erfolgreichen Einsatz von 256GB USB3 Sticks zu lesen – oder gar angeschlossenen Festplatten (idealerweise eine SSD).

Die FM-Radiofunktionalität überzeugt nicht, ist letztendlich ebenfalls eine mit wenig Herzblut programmiertes mehrere Jahre altes Modul innerhalb des Media Players. Ich vermisse Funktionen die jedes europäische Billigradio beherrscht, wie TP- und GALA. Eine schnöde Einblendung dass gerade eine wichtige Verkehrsdurchsage läuft – ohne weitere Information – ist dürftig. Speziell bei Geisterfahrermeldungen (wir hatten einen solchen bereits auf einer unserer Fahrten mit einem anderen Fahrzeug, welcher glücklicherweise eine Aus-/Auffahrt vor uns die Autobahn wieder verlassen konnte) frage ich mich wie ich rechtzeitig gewarnt werde. Die bei manchen Sendern sich dynamisch nach Interpreten-RDS-Information ändernde Speichertastenbeschriftung ist nervig aber harmlos, und kommt auch bei anderen Radios vor. Geht aber besser.

Als Alternative zum FM-Radio gibt es bei neuen Fahrzeugen serienmäßig DAB – und bei allen den TuneIn Internetradiodienst. Zum Musikhören ist Spotify der ‘Radiosender’ der Wahl. Wir nutzen den Dienst oft und gerne, speziell die bei Spotify redaktionell erstellten Playlisten. Falls Spotify einmal nicht will, dies passiert gerne nach einem Softwareupdate: in Einstellungen / Apps / Media Player den Account zurücksetzen.

Angeblich sollte der Tesla online bei einer Gracenote-Datenbank die passende Grafik zum abgespielten Lied bei FM-Sendern mit RDS holen – bei uns bleibt der Platzhalter grau. Aber vielleicht besser so, statt wie meist bei TuneIn ein unpassendes Cover zum abgespielten Lied eingeblendet zu bekommen.

Der Radioempfang wird auch gerne durch Geknatter gestört. Dies wird von im Wageninneren ungünstig platzierten Handys verursacht: die Abschirmung der Bordelektronik sollte dies eigentlich unterbinden. Ich habe mein Smartphone entweder in der Griffmulde der Türe liegen, oder nahe des Zigarettenanzünders unterhalb der Armlehnen. Beide Orte haben sich hinsichtlich Knattervermeidung bewährt.

Mittels Druck einer designierten Taste auf dem Lenkrad kann man die Sprachsteuerung aktivieren. Das Sprachkommando muss auf Englisch erfolgen. Dies funktioniert bei Auswahl von Musik – die ja oftmals in englischer Sprache ist – ganz brauchbar. Bei deutschen Namen, z.B. Straße und Ort als Bestandteil einer Navigationsanweisung kommt man mit der Sprachsteuerung nicht weit. Bei einem Sprachkommando um ein Telefonat zu starten, hat man bei deutschsprachigen Namen der Gegenstelle ebenfalls ein Problem. Neben der nicht vorhandenen Lokalisierung, gibt es hier auch eine Bedienunschönheit: nach dem Kommando den Kontakt soundso anzuwählen, muss man – so der Kontakt mehrere Rufnummern hat – die entsprechende Nummer auf dem Touchscreen auswählen um den Wählvorgang zu starten.

Nur in Ausnahmefällen nutze ich den Internetbrowser des Model S. Dieser lahmt und unterstützt wenig moderne Web-Standards. Mittlerweile gibt es eine Handvoll speziell für den Tesla-Browser entwickelte Webseiten.

Das Model S kommt mit zwei unterschiedlichen Navigations- bzw. Kartensystemen. Im Cockpitdisplay wird die offline Variante eines Navigon / Garmin Systems bereitgestellt. Diese Navigationssoftware erlaubt Zielsuche und Routenführung auch ohne aktiven Mobilfunkempfang. Auf dem 17“ Touchscreen läuft hingegen eine Version von Google Maps, welche eine Datenverbindung voraussetzt. Die Routenempfehlung scheint wiederum vom Navigon System durchgereicht zu werden. Beide Systeme sind leider nicht auf der Höhe der Zeit hinsichtlich selbst von Discounter-Navigationsgeräten vom Grabbeltisch gebotener Funktionalität. So wird z.B. nur eine Route vorgeschlagen, statt auch Alternativstrecken (wie Schnellste, Kürzeste, Schönste, ECO) mit deren prognostizierter Fahrzeit und Streckenlänge. Hier behelfe ich mir mit Aufteilung der Route. Wähle ich aus Zug (Schweiz) losfahrend Nürnberg (Deutschland) als Ziel bekomme ich immer eine Streckenführung über Zürich vorgesetzt. Ich fahre aber lieber in die andere Richtung: am Walensee entlang, dann Richtung Bregenz und weiter via A96 / A7. Dazu wähle ich zunächst den Supercharger Aichstetten als Ziel, und dann auf dieser Strecke fahrend die Adresse in Nürnberg. Zwischenziele kann ich leider keine eingeben. POIs lassen sich nicht erstellen oder importieren. Die deutschsprechende weibliche Navigationsstimme ist sehr angenehm, weitere Sprecher gibt es nicht zur Auswahl oder als Downloadoption.

Neben den vielen Schwachpunkten des Navigationssystems gibt es auch Highlights: dazu gehören die sehr gute Übersichtlichkeit der Karte inkl. Verkehrsgeschehen, sowie die genaue Verbrauchsvorausberechnung und Einbeziehung von Superchargern entlang der Route. Mehr dazu im Teil 2 des Tesla Model S Berichtes.

Leider kann man keine Routen zu Hause, z.B. in Google Maps, vorbereiten und an das Model S senden. Allenfalls singuläre Zieladressen kann man mit einem Trick übermitteln: dazu erstellt man im Smartphone einen Kalendereintrag welcher als Ort die Wunschadresse enthält. Der Kalender im Tesla kann sich via Bluetooth lokal mit dem Handy synchronisieren. Die dort dann abgelegten Adressen können als Navigationsziel genutzt werden. Auf diesem Weg kann ich meine Wunschroute mit Zwischenzielen ‘zusammenstöpseln‘, d.h. ich lege für jedes Zwischenziel einen Kalendereintrag im Handy an und fahre diese nacheinander an. Elegant und zeitgemäß ist anders.

Die einblendbaren Verkehrsfluss-Information in Google Maps sind sehr gut und haben mich schon vor manchem Stillstand auf der Autobahn bewahrt. Fast auf den Meter bekommt man angezeigt wo der Stau beginnt und endet. Das ist beeindruckend. Allerdings scheint Google den Grund der Verzögerung nicht zu kennen. Auf alle Fälle gibt es Probleme mit langanhaltenden Störungen. In der Nähe unseres Wohnortes gibt es eine Straße welche wegen Bauarbeiten vom 4. Januar bis 10. Dezember 2016 gesperrt ist. Im erwachsenen Google Maps auf dem Computer wird dies entsprechend rot-mit-x dargestellt. Google Maps im Tesla zeigt die Strecke weiterhin als befahrbar an (screenshots vom 21. August 2016). Navigiere ich jedoch zu einer Ortschaft welche von der Streckensperrung betroffen ist, ändert sich die berechnete Route nach kürzester Zeit (abhängig von der online-Verbindung) von der Standardroute via gesperrter Strecke zu einer neuen Umleitungsroute mit Berücksichtigung der Sperrung. Schöner wäre es, wenn die Streckensperrung auch ohne laufende Navigation angezeigt würde. Und noch schöner wäre es, wenn es eine Liste von Störungsmeldungen, von der Umgebung oder auf der Route abzurufen, gäbe. Woher die Verkehrs- und Störungsmeldungen stammen, ist nicht transparent. Es ist gut möglich dass diese weder von Garmin noch von Google kommen, sondern separat von Tesla zugekauft werden.

Die Software auf der 17“ MCU bedarf dringend einer Kur und ist Schwachpunkt des Model S. Da man täglich mit dem Touchscreen und der darauf laufenden Software zu tun hat, ist dies kein gutes Aushängeschild für ein Fahrzeug welches over-the-air mit neuer Software versehen werden kann – und wird. Da fällt es selbst dem größten Tesla Fan-Boy schwer, nachvollziehbare Gründe für den z.B. zahnlosen Media Player aus dem Jahr 2012 zu finden: und nein – Schwerpunkte auf andere Themen setzen, Ressourcenknappheit sind bei einem Unternehmen mit 13’000 Mitarbeitern und dem Fokus auf ein softwaredominiertes Fahrzeug (Autopilot!) keine überzeugenden Gründe. Ich hoffe auf eine überzeugende Version 8 der Tesla-Software, und auf Integration von Apple Car Play bzw. Android Auto.


7 Kofferraum
Das Model S ist eines der wenigen Fahrzeuge die zwei Kofferräume besitzen. Den sogenannten ‘Frunk’ (front trunk) vorne unter der ‘Motorhaube’, sowie den klassischen Kofferraum im Heck.

Es ist mit einem Kofferraumvolumen von 745 – 1.645 Liter (+150 Liter vorne) der E-Klasse Kombi unter den (super-)sportlichen Familienfahrzeugen. Der norwegische Tesla-Fahrer Bjørn Nyland stellt die Transportkapazität des Model S auf seinem englischsprachigen YouTube Kanal zur Schau. In seinen Videos fährt er als Privatkurier durch die schöne norwegische Landschaft. Nicht nur er nächtigt in seinem Model S, auch andere Fahrer nutzen ihr Fahrzeug als Hotelersatz. Mit einem sog. Stufenausgleich kann der Schlafplatz optimiert werden. Und nicht nur er schimpft über die zu wenigen Befestigungsösen um die Ladung sorgfältig zu sichern. Neben dem normalen Kofferraumabteil gibt es im Heck sogar noch ein Kellerabteil. Dieser Platz wird beim optionalen siebensitzigen Model S von im Kofferraum mitfahrenden Kindern als Fußraum genutzt.

Zum Öffnen der Kofferraumklappen kann ich den Fahrzeugschlüssel nutzen (durch zweimaligen-Druck auf den Minikofferraumtaster am Schlüssel), als auch auf dem 17” Touchscreen im Fahrzeuginneren – oder sogar der App auf dem Smartphone. Zum Entriegeln der Kofferraumklappen vom Touchscreen aus muss der Wagen in ‘P’ sein, d.h. in der Parkposition. Sonst tut sich nichts. Dann tippt man zunächst links unten auf das Fahrzeug-Icon, kommt so in die Einstellungen, und tippt dort auf den Öffnungsknopf für vorderen oder hinteren Kofferraum. Während ich Bug und Heckkofferraum motorisch entriegeln kann, öffnet nur die hintere Kofferraumklappe – so man das Premiumpaket mitgebucht hat – mittels Elektromotor. Dazu kann ich ebenfalls einen Taster an der Heckklappe drücken. Der vordere Kofferraumdeckel ist immer manuell zu Öffnen und zu Schließen. Beim Schließen ist Sorgfalt angebracht, da der Frunkdeckel wie der Rest der Karosserie aus ‘wabbeligem’ Alu besteht und man sich dort bei unsachgemäßer Handhabung eine Delle einfangen kann. Bei neueren Modellen, ab ca. Mitte 2015, wurde der frontseitige Verschluss modifiziert, und ist nicht mehr so empfindlich wie z.B. bei meinem Model S. Ein Wort der Warnung an Fahrer des 2016er Facelift: dort lässt sich der vordere Kofferraum jederzeit spur- und beschädigungslos auch ohne Schlüssel notentriegeln. Sprich: wertvollere Gegenstände besser im Innenraum oder Heckkofferraum unterbringen.

Ich habe in meinem vorderen Kofferraum einen passgenauen Koffer von Tesla welcher diverse Ladekabel und Adapter enthält. Weiterhin Warnwesten und Warndreieck. Im Alltag nutzen wir den Frunk eher selten. Meist transportieren wir darin Leergut, Recyclingmüll, oder sonstige Dinge mit Eigengeruch. Bei kalten Temperaturen bleiben Waren im Frunk angenehm kühl. Auch für nasse Regenschirme und Kleidung ist der Frunk ideal – wir haben dort eine Gummimatte – da die Feuchtigkeit dort bleibt, und nicht die Scheiben im Wageninneren beschlagen lässt.

Die Aufschwinghöhe der angenehm schnell öffnenden elektrischen Heckklappe des Premiumpakets kann programmiert werden. Dies ist bei unserer Garage notwendig. Diese Einstellung ist nicht standortabhängig, man kann die Klappe jedoch bei unkritischen Parksituationen manuell komplett öffnen. Dazu gibt es für Links- und Rechthänder Eingriffsluken. Wir denken jedoch selten daran dies auch zu tun, so dass es schon einmal vorkommt, dass wir uns unnötig den Kopf anstoßen. Andererseits war ich schon bei manchen Parkplätzen froh die Öffnungslimitierung eingestellt zu haben, sonst wäre die Heckklappe dort gegen ein Deckenelement geschlagen. Ein Sensor welcher ein Hindernis im Öffnungsweg erkennen und reagieren würde, gibt es leider nicht. Die leistungsstärkeren Performance-Modelle kommen serienmäßig mit einem Carbonspoiler an der Lippe der Heckklappe. Auch dieser hilft Lackmacken bei Deckenfeindberührung zu vermeiden. Beim Schließen der motorischen Heckklappe lässt sich per Hand leicht nachdrücken sollte eine weiche Tasche oder ähnliches den Schließvorgang vereiteln.

Was es beim Model S nicht gibt: das berührungslose Öffnen der Heckklappe. Bei Fahrzeugen der Mitbewerber gibt es diese Funktion zumindest als Option. Dabei reicht eine Fußbewegung unter dem hinteren Stoßfänger worauf ein Sensor diese erkennt und das Öffnen auslöst. Kein Ruhmesblatt ist die einfach gestrickte Heckablage im Model S: diese öffnet nicht automatisch mit, sondern muss per Hand umgeklappt werden. Weiterhin zählt die Ausleuchtung der beiden Kofferräume nicht zu den Stärken des Model S. Hier gibt es Abhilfe von Drittanbietern.


8 Hundetauglichkeit
Das Model S bietet auch großen Hunden viel Platz. Unser Königspudel Toni fährt auf kürzeren Strecken sporadisch im Kofferraum, mit dann entfernter Hutablage, meist jedoch auf der Rücksitzbank. Den mit einer Gummimatte geschützten Kofferraum nutzen wir auch gerne wenn der Hund nass ist, oder noch Schneebollen seinen Pelz zieren. In den Kofferraum springt Toni mit Zwischenstopp der 66 cm hohen Ladekante. Meistens hebe ich ihn jedoch hinein und hinaus.

Die Rücksitzbank sitzt mit ca. 57 cm hundeeinstiegsfreundlich tief. Noch bequemer wird der Ein-/Ausstieg wenn Hund den breiten Schweller als Tritt nutzt. Wir haben dort eine Anti-Rutschmatte, auch als Schutz vor Kratzern und Schmutz, im Einsatz. Durch die abfallende Dachlinie der Karosserie muss der Hund gezielt und mit eventuell eingezogenem Kopf einspringen. Im Fahrzeug hat Toni sitzend sehr großzügige Kopffreiheit. In unser Fahrzeug muss Toni ein paar Zentimeter höher springen, da wir auf der Rücksitzbank ein Produkt der Firma DOGSTYLER nutzen: den’DOG BACKSEAT‘. Anfangs hatten wir diesen mit den mitgelieferten Gurten befestigt, mittlerweile nutzen wir jedoch der Stabilität wegen zusätzlich die ‚ISOFIX DOG SAFETY BRIDGE‘. Ohne SAFETY BRIDGE hat das flexible Seitenteil an den Rückseiten der vorderen Sitze gescheuert – mit dem Resultat von nervig-knarzenden Geräuschen. Ich versuche das häufige Einfädeln der ISOFIX-Metallschienen in die schlecht zugänglichen Aufnahmen am Sitz zu vermeiden. Bislang mit Erfolg: die SAFETY BRIDGE ist seit Einbau fix im Wagen.

Die Heck- und hinteren Seitenscheibe habe ich dunkel tönen lassen (Folie: Llumar AT75). Für Säuglinge wurde mir eine noch dunklere Tönung (85%) empfohlen, ich bin mit den 75% zufrieden. Diese Maßnahme reduziert die Innenraumtemperatur merklich und unterstützt die bei uns nur mau arbeitende Klimaanlage im Rücksitzbereich.

Ein Manko des Model S: im Kofferraumbereich, dort wo wohlgemerkt eine optionale Sitzreihe für kleine Kinder möglich ist, gibt es keine Lüftungsdüsen. Es wird dort bei entsprechenden Temperaturen und Sonnenschein schnell warm und stickig. In den USA ist dies in den Foren ein heiß diskutiertes Thema. Auf dem Kfz-Zubehörmarkt gibt es Abhilfe in Form des Produktes ‘Noggles’: ein Schlauch, ähnlich dem Abluftschlauch des Wäschetrockners, wird am Luftauslass befestigt um die temperierte Luft mittels Schlauch dorthin zu bugsieren, wo sie benötigt wird. Ich habe keine Erfahrung mit dem Produkt.

Gerade die gescholtene Tesla Klimaanlage macht das Model S jedoch zu einem sehr guten Hundetransporter: mittels Smartphone-App kann ich den Wagen schon vor Abfahrt (und Einsteigen des Hundes) auf angenehme Temperaturen herunterkühlen. Dies funktioniert bislang zuverlässig – solange der Wagen nicht in einem Mobilfunk-Funkloch parkt, oder kein bekanntes WLAN in Reichweite ist. Auch beim kurzen Abstellen des Wagens kann dank der Standklimafunktion der Hund im Auto bleiben. Mit der App kann ich jederzeit die Innenraumtemperatur kontrollieren, und die Standkühlfunktion nach der max. Zeit von 30 Minuten wieder aktivieren, sollte es etwa doch etwas länger dauern. Auch hier sind die dunkel getönten Scheiben von Vorteil: durch diese ist nicht sofort ersichtlich dass ein Hund im Auto wartet. In den USA gab es Fälle in denen die Polizei gerufen wurde um den vermeintlich der Hitze ausgesetzten Hund aus dem Model S zu befreien. Der Stromverbrauch der kühlenden Klimaanlage ist vernachlässigbar: Ich schätze ihn auf 2 kWh pro Stunde Betrieb. Für leicht frierende oder alte Hunde ist die Klimaanlage natürlich auch in der Lage den Innenraum zu erwärmen.

Bei unserem Model S mit Baujahr Q4/2014 öffnen sich die hinteren Türen eine Tick weiter als bei den davor produzierten Fahrzeugen. Wie viel mehr, und ob dadurch der Ein- / Ausstieg etwas leichter von der Pfote geht, habe ich noch nicht herausfinden können. Bei einem Fahrzeugneukauf hätte ich wahrscheinlich die Luftfederung mitbestellt – nicht der Sportlichkeit wegen, sondern wegen der Möglichkeit die Einstiegshöhe für den Hund noch einen Tick absenken zu können (plus: Zweibeiner könnten mit dem Fahrwerk auf ‘Hoch’ gestellt etwas komfortabler einsteigen). Dies lässt sich sogar standortabhängig abspeichern: Parkt man z.B. am Hundeplatz würde dort das Fahrwerk automatisch auf Tief gehen.

Bei Model S mit aufpreispflichtigem Soundpaket wird u.a. im Kofferraum ein Subwoofer verbaut. Wir haben das Standard-Soundpaket, ohne Subwoofer – und das ist vielleicht auch besser so, sprich Wuff-Wuff-freundlicher.

Toni, unser Großpudel, fährt sehr gerne im Model S (so ich verbrauchs- und reifenverschleissfreundlich chauffiere). Störende hochfrequente Geräusche wurden von ihm noch nicht angezeigt. Im Tesla Fahrer und Freunde Forum wurde jüngst über eine ‚Elektrosmog‘ Messung berichtet: die ersten beiden Minuten nach Ladebeginn am Supercharger weisen eine deutliche Überschreitung der baubiologischen und Arbeitsplatz-Richtwerte auf. Die Ladelektronik ist unter der Rücksitzbank verbaut ist. Von daher empfiehlt es sich bei Ladung am SuC das Fahrzeug zu verlassen und einen kleinen Spaziergang zu machen, so man einen empfindlichen Vier- oder Zweibeiner an Bord hat.


Ende Teil 1

In Teil 2 und 3: Wie empfinden wir das Fahren und Parken mit dem dicken Elektronenkreuzer? Wieviel kWh Strom fließen durch seine orangefarbenen Hochvoltkabel? Wie weit kommen wir mit dem Model S, und wie planen und fahren wir eine längere Etappe? Ich werde über Werkstattaufenthalte berichten, und welches Zubehör ich für das Fahrzeug erwarb.

Rabatt bei Bestellung eines Tesla Model S und X
Das Tesla Weiterempfehlungs-Programm läuft noch bis zum 15. Juni 2017. Jeder, der in dieser Zeit ein Model S oder Model X über den AQQU Empfehlungs-Link oder mit dem Gutscheincode „oliver7046“ bestellt, erhält eine Gutschrift über CHF 1.000, bzw. 1.000 €, auf den Kaufpreis seines neuen Traumwagens.

 

Links

TFF – Tesla Fahrer und Freunde Forum
TESLA MOTORS CLUB Forum (englischsprachig)
TESLAMAG – News zu Tesla
Teslarati (englischsprachig)

Wikipedia – Tesla Motors
Wikipedia (en) – Tesla Factory
Wikipedia – Tesla Model S

Swiss Tesla Owners Club

ADAC – Tesla Model S P85 Test (PDF)
arstechnica: Review: Tesla Motors’ all-electric Model S is fast—but is it a good car? (2013)
arstechnica: Review: Tesla’s new Model S P85D—double your engines, double your fun
ZOE Pionierin – Tesla Model S – Die Messlatte

YouTube: Die Herstellung des Elektroautos Tesla Model S
TFF – Wieviel EU Zulieferer stecken im Model S
Aargauer Zeitung: Die Schweiz wird zum Tesla-Testland
Auto-Schweiz: Zulassungszahlen
Markenartikel: Tesla führende Marke beim Thema Elektromobilität

TESLA Interactive Graphic

ÖAMTC – Tesla Model S (2014) Crashtest
Tesla: Informationen für Rettungskräfte und Abschlepper

YouTube – Bjørn Nyland

TFF – Kofferraum Maße und Volumen
TFF – Schlafen im Tesla

Kofferraumwanne für Tesla

DOGSTYLER – Hundebox
DOGSTYLER – ISOFIX DOG SAFETY BRIDGE
e-Lufty für Tesla
TFF – ‚Elektrosmog‘ im Model S
Kofferraumtrenngitter (Norwegen)
Teslarati – Review: Cargo Cover for Transporting Pets in the Model S
Tesla Motors Club: Roll-up leather dog paw and luggage scratch protection for rear bumper
Tesla Motors Club: Dogs in a Model S??
Tesla Motors Club: Protective Rear Seat Cover…? (for dogs)
Tesla Motors Club: Leaving animals in Model S
Tesla Motors Club: Pet barrier ideas?
Tesla Motors Club: Cargo Area Liner Mat for Easy Cleaning
Tesla Motors Club: MS Coupe – Completely Flat Floor
Tesla Motors Club: Interested in 3rd row seat ventilation?
Tesla Motors Club: Revised approach to cooling the 3rd row seats
The Noggle – A/C Schlauch für den Kofferraum
TFF – Hundetransportbox

GS-Design

TeslaTap – USB Flash Drives for Music
TeslaTap – Undocumented
Bert’s Place – Tesla Model S: Listening to Your Own Music Library





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