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Energie die bewegt


Renault ZOE 40 – Fahrbericht


Posted on 09.12.2016 , by Oliver Zechlin in Test . No Comments

Renault ZOE 40 – Fahrbericht

Renault bietet eine breite Palette an elektrisch-angetriebenen Fahrzeugen. Aktuell sind dies Twizy, Kangoo und ZOE. Das Stufenheckfahrzeug Fluence wird hiesig nicht mehr angeboten, erlebt aber seinen zweiten Frühling in Korea als Renault Samsung Motors SM5. Die seit 2013 in der Schweiz erhältliche ZOE ist das hiesig meistverkaufteste EV in der Kompaktklasse, weit vor dem zweitplatzierten BMW i3. Sowohl Privat- als auch Flottenkunden finden Gefallen an der kleinen Französin, bei einem Verhältnis von 57% zu 43%.

Nach drei erfolgreichen Jahren wird ZOE reichweitentechnisch erwachsen: Renault erhöhte die Batteriekapazität um 19 kWh auf stolze 41 kWh. Trotz der gestiegenen Kapazität findet die Z.E. 40 Lithium-Ionen Batterie im gleichen Gehäuse Platz wie die weiterhin angebotene Standardbatterie und bringt lediglich 22 kg Mehrgewicht auf die Waage. In den insgesamt 192 Zellen finden die elektrochemischen Reaktionen für das Speichern und Abgeben der Energie statt. Jedes Modul verfügt über eine Spannung von 33,3 Volt. Daraus ergibt sich die Gesamtspannung von 400 Volt. Beide Batterietypen sind luftgekühlt. Zusätzlich verbessert die Lamellenstruktur der Batterie die Kühleigenschaften.

Mit nun 41 kWh grosser Batterie wird die im Januar 2017 lieferbare ZOE nur noch vom Klassen-, Grössen- und Kostengoliath, Tesla Model S und X, übertroffen. In den Kategorien „Stadttauglich“ und „Bezahlbar“ ist Renault nun leader of the pack. Wann der Opel Ampera-e mit 60 kWh Batterie lieferbar sein wird, steht noch in den Sternen. Man munkelt Herbst 2017 für die Schweiz. Auch dessen Listenpreis wurde noch nicht kommuniziert.

Während auf dem deutschen Markt nur der von Renault entwickelte Motor R90 mit maximal 22 kW Ladeleistung und 68 kW / 92 PS offeriert wird, dürfen Schweizer Kunden gegen Aufpreis auch das Modell mit Conti-Motor Q90 wählen. Dieser leistet 65 kW / 88 PS und ermöglicht Wechselstrom-Schnellladung mit 43 kW Leistung. Von 0 auf 50 km/h beschleunigt die ZOE in 4,1 Sekunden. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h erfolgt in 13,2 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 135 km/h elektronisch abgeriegelt.

Der Listenpreis des im Innenraum überarbeiteten ZOE Intens mit R90 Motor und Mietakku beträgt CHF 26’200,-. Für ZOE Intens mit Q90 Motor beträgt der Listenpreis CHF 27’900,-, in der Ausführung ZOE Swiss Edition mit Ledersitzen und BOSE Soundanlage liegt der Listenpreis bei CHF 29’300,- für den R90 und CHF 31’000,- für den Q90 Motor/Lader. ZOE Käufer erhalten in der Schweiz zusätzlich ein Jahresabonnement für das MOVE-Ladenetzwerks sowie dem car-sharing Anbieter Mobility. Als zeitlich befristete Aktion für Frühbesteller des ZOE 40 spendiert Renault Schweiz eine 22kW KEBA Wallbox im Wert von CHF 950,-.

Erstmalig verkauft Renault auf dem Schweizer Markt die ZOE auch mit Kaufbatterie. Der Aufpreis auf das Fahrzeug mit Mietakku beträgt CHF 10’000,-. Renault Schweiz erwartet auch weiterhin dass das Gros der Kunden zum Mietakku greifen wird. Die Kaufbatterie wird vorwiegend von Kunden mit zeitlich limitierten Budgets wie z.B. Gemeinden gekauft. Diese Kundengruppe bevorzugt Einmal-Ausgaben gegenüber wiederkehrenden Buchungen. Im Kaufpreis enthalten sind eine Garantie von 8 Jahren oder 160ʼ000 Kilometern, wie auch die Leistungsfähigkeit von mindestens 66 Prozent der beim Kauf vorhandenen Ladekapazität. Mietakkukunden bekommen hingegen sogar 75 Prozent Kapazität über die Laufzeit garantiert.

Bei der neuen ZOE 40 hat sich seitens der Konstruktion nichts geändert, sie ist ganz die alte. Neben der neuen Batterie wurde der Innenraum aufgehübscht und etwas Rouge aufgetragen: die Farbpalette umfasst nun auch ein schickes Metallic-Rot.

Ich hatte die Gelegenheit die ZOE 40 (R90) in der Swiss Edition anlässlich eines Renault-Events in Portugal zu fahren. Die Fahrt führte bei 13-17° Celsius von Lissabon entlang der Küste bis in die Nähe von Casalinho und von dort am Tag drauf – und wieder vollgeladen – im Landesinneren retour in die portugiesische Hauptstadt.

Wir waren zu zweit im Fahrzeug, hatten etwas Gepäck dabei und nutzten Klimaanlage, Licht und das R-Link Infotainmentsystem. Auf der Fahrt entlang der Küste Richtung Norden war die Restreichweiteanzeige durch einen Aufkleber abgedeckt. Die dahinter liegende Aussage: mit der neuen 40er Batterie braucht man nicht mehr ständig auf die Restreichweite achten. Die Zeiten von Reichweitenangst sind passé. ZOE fahren ist so einfach und normal wie Clio fahren – jedoch luxuriöser, leiser, und umweltfreundlicher.

Auch das Fahren mit der ZOE ist eher klassisch – ein one-pedal-Fahren ist fast nicht möglich. Im Schubbetrieb (beim Loslassen des Strompedals) rekuperiert die ZOE nur schwach. Erst beim Betätigen des Bremspedals verteilt das System die Verzögerung situationsgerecht zwischen Rad- und Motorbremse, um die Wirkung der Motorbremse zum Nachladen der Batterie maximal zu nutzen.

Der Swiss Edition Innenraum gefiel mir sehr gut. Die Sitze waren auf den gefahrenen Distanzen bequem. Das Lenkrad liegt sehr gut in meinen Händen. Die Lenkung des Neuwagens fühlte sich etwas rasterartig an, vielleicht muss sich das Lenkgestänge noch etwas einlaufen. Ein Rennwagen ist die ZOE nicht, und will sie auch gar nicht sein. Die Beschleunigung und der Federungskomfort sind eher französische Komfortschule, als bajuwarisch motorsportlich.

Der BOSE Verstärker sorgt bei weniger Stromverbrauch als gängige Verstärker für mehr Musikgenuss. Allerdings leidet der Gepäckraum: der Verstärker sitzt, wie auch beim Nissan Leaf Tekna, im Kofferraum. Wir haderten etwas mit dem R-LINK Navigationssystem, welches nicht nur hinterherhinkte, sondern auch gerne fehlerhafte Tempolimite anzeigte. Dies mag dem Kartenmaterial für Portugal geschuldet sein.

Während bei Sonne die Sicht noch immer durch die leicht milchig-wirkende Windschutzscheibe getrübt ist, kämpft des Fahrer’s Auge im Stockdunkel ausserhalb Ortschaften mit der Ausleuchtung. Die Halogenlichtkegel bedingen verbrauchsschonende Fahrgeschwindigkeiten. Auch das Fernlicht hilft nur bedingt: der Lichtkegel wächst nach oben, nicht jedoch in der Breite. Tunnelblicksimulation abseits der Autobahn. Die mangelnde Lichtausbeute liegt dem Leuchtendesign geschuldet, wie ein Renault Ingenieur verriet. Function follows form.

Wie sieht es nun mit den 400 Kilometer Reichweite nach NEFZ Fahrzyklus aus? Diese werden natürlich nicht erreicht, aber: Renault ist so ehrlich und kommuniziert auch die realistischere Reichweite von 300 Kilometer.

Die 300 Kilometer waren bei uns auch drin, bei gemischter Fahrweise und ohne besonders auf den Verbrauch zu achten. Mit Autobahn und kalten Temperaturen mag man bei 200 Kilometer landen. Dazu die sehr gute Ladeleistung von 22 bzw. 43 kW – magnifique.

Ich empfehle den Bericht von ZoePionierin: Reichweitenangst ade sowie von Guy auf GoingElectric: Testbericht Renault Z.E. 40 – Die schicke Französin fährt nun doppelt so weit.

 

Offizielle Renault Fotos des Swiss Edition in Portugal

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