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Energie die bewegt


Tesla Model X 100D


Posted on 30.11.2017 , by Oliver Zechlin in Test . 1 Comment

Tesla Model X 100D

1 Allgemeines
2 Türen
3 Innenraum
4 Infotainment / Connectivity / Cockpit
5 Fahren
6 Parken
7 Kofferraum
8 Laden
9 Verbrauch / Effizienz
10 Hundetauglichkeit
11 Toskana-Tour
12 Sonstiges
13 Fazit

1 Allgemeines
Schwarz auf silbernen 20” Rädern, Innenraum mit sechs perlweissen Einzelsitzen – so steht das Model X vor mir, oder eigentlich ich vor diesem. Mann, ist der dick Mann. Das Dickschiff ist aber ganz harmlos, mit seiner unaufgeregten Formgebung und ohne kinderfressenden Kühlergrill anderer SUVs. Vorne ist das Model X designstark, hinten überwiegt die biedere Note. Schwarz steht dem Model X gut, speziell wegen der schwarzen Plastikradläufe die bei helleren Lackierungen eine gewisse ‘Cross’-Anmutung verleihen. Schwarz kaschiert auch gut eventuelle Spaltmassunzulänglichkeiten – so denn welche vorhanden sind: Ich war mit der Verarbeitungsqualität des Testwagens zufrieden. Der 80er-Jahre schwarz-weiss-Kontrast (Aussenfarbe zu Innenraum) ist sehr stark, und war für mich erst einmal gewöhnungsbedürftig. Wie auch beim Model S facelift: das Model X hat ein sehr schönes, elegantes Tagfahrlicht. Die Design-Alleinstellungsmerkmale des Tesla SUVs sind insbesondere seine ‘Falcon Wing’ Flügeltüren, sowie seine grandiose Panoramawindschutzscheibe. Eine solche gibt es auch bei anderen Marken – aber keine erweitert den Horizont in einer solchen Dimension. Als wäre dies noch nicht genug: Das Model X ist das SUV mit dem besten cW-Wert, der besten Crash-Test-Sicherheitseinstufung seiner Klasse, und in der Performance-Version der schnellsten Beschleunigung.


Die Proportionen sind beim Model X deutlich gelungener als bei BMW X6 und anderen derzeit angesagten SUV-Coupés. Während ich letztere am liebsten zum Mond schiessen würde, ob ihrer protzigen Sinnlosigkeit, punktet der Mars Rover aus Fremont, Kalifornien mit Effizienz und sehr gutem Innenraum-Nutzwert. Neben dem sehr hohen Nutzwert, punktet das Model X auch mit seinen Elektroantriebs-Tugenden: Anfahrschwäche, Turboloch und Gangwechsel-Gedenksekunden sind ihm als Stromer systembedingt fremd. Weder belästigt er seine direkte Umgebung mit Lärm, noch mit horrenden Schadstoffen. Und Tesla weiss seine Insassen vor Luftverschmutzung zu schützen: Inspiriert von den in der Raumfahrt verwendeten Luftfilter-Systemen entwickelte Tesla ein HEPA Filtersystem welches die Aussenluft von Pollen, Bakterien und Verschmutzung befreit – bevor diese in den Innenraum des Autos gelangen können. Zudem wird die Innenluft der Kabine fortlaufend weiter gereinigt.

Das Model X nimmt seine Insassen schützend unter seine Flügel. Wie auch bei der Model S Plattform ist beim Model X die Batterie in der Bodengruppe integriert. Der daraus resultierende sehr niedrige Schwerpunkt verheisst eine gute Strassenlage, aber noch wichtiger: der flache ‘Batterie-Kiel’ verringert das Risiko eines bei SUVs nicht untypischen Überschlages. Weiterhin wirkt der Frontkofferaum (‘frunk’) wie eine grosse Knautschzone. In den USA erreichte das Model X fünf Sterne im NHTSA Crashtest, und gilt als das sicherste SUV auf dem Markt. Als erstes SUV erhielt der Tesla in allen Kategorien die Bestnote und lässt seine Insassen mit 93 prozentiger Wahrscheinlichkeit bei einem schweren Unfalls ohne schwere Verletzungen davonlaufen.

Model X Model S
Länge (mm) 5052 4979
Breite (mm) 2272 2187
Breite mit angeklappten Aussenspiegeln (mm) 2017 1964
Höhe (mm) 1684 1435
Radstand (mm) 2965 2960
Spurbreite Vorne (mm) 1711 1662
Spurbreite Hinten (mm) 1723 1700
Leergewicht (kg), 90D 2389 2148
Leergewicht (kg), 100D 2459 2220
Bodenfreiheit (mm) 137-211 116,8-160
Wendekreis (m) 12,8 12,4
Luftwiderstandsbeiwert (cW) 0,24 0,24
Drehmoment (nM) 660 660
Beschleunigung 0-100 km/h (s) 4.9 4.3
Anhängelast mit 20” Rädern (kg) 2250
Sterne im US-NCAP-Crashtest 5 5

Das Premium-SUV ist in einer breiten Preisspanne erhältlich. Je mehr kW und kWh desto teurer. Während das MX 75 bereits ab CHF 84’550 erhältlich ist, sind für das leistungsstärkste Model X, den P100D, CHF 148’600 aufgerufen.

Das freundlicherweise von Tesla Schweiz zur Verfügung gestellte Model X 100D kam in folgender Konfiguration, welche einem Kaufpreis von CHF 123’000 entspricht: Premium-Upgradepaket (HEPA-Innenraumluftfilter, automatische Vordertüren, Premium-Audiosystem, Sitzheizungen auf allen Plätzen und beheiztes Lenkrad), Sechssitzer-Innenraum, Lackierung in Obsidian Black Metallic, weisser Innenraum mit Sitzen aus ‘veganem Leder’ (vulgo: synthetisches Leder), Carbonfaser-Dekor. Der erweiterte Autopilot war beim Testwagen nicht aktiviert.

Meine Wunschkonfiguration käme auf CHF 114’300. Diese beinhaltet den 100D (103’450), das Premium-Upgradepaket (6’200), den Siebensitzer-Innenraum mit verbesserter Klimaanlage für die dritte Reihe und den Kofferraum (3’100), Midnight Silver Metallic Lackierung (1’050), die Standardfelgen in 20″, sowie die Standardtextilsitze. Nachträglich, dann allerdings teurer, könnte ich noch immer die verbesserte Autopilot-Funktionalität für CHF 5’200 freischalten lassen. Der dankbar übersichtliche Fahrzeugkonfigurator lehrt uns: Ein gleichwertig ausgestattetes Model S ist nur etwas günstiger als das Model X.

Neuwagenbesteller sollten bei ihrem Kauf einen Weiterempfehlungscode verwenden. Nur dann gewährt Tesla gratis Supercharging. Ansonsten fallen beim Laden an Superchargern pro Kilowattstunde in der Schweiz aktuell 25 Rappen an. In Deutschland variiert der Preis abhängig vom Ladezustand der Batterie, und beträgt zwischen 17 und 34 Cent.

Tesla gewährt grosszügige Garantiezeiträume: es gelten 8 Jahre Garantie mit unbegrenzter Laufleistung auf Batterie und Antriebseinheit sowie 4 Jahre oder 80.000 km begrenzte Garantie auf das Fahrzeug.

2 Türen
Das Model X kam verspätet auf den Markt. Hauptgrund waren Probleme mit den komplexen ‘Falcon Wing’ Türen. Diese sind keine normalen Flügeltüren, sondern haben ein Doppelgelenk. Waren Elon Musks’ Design-Sperenzien (selbst er kritisierte sich im Nachhinein für das Festhalten an den Türen) die Produktionsverzögerungen und Kinderkrankheiten wert? Ja und nein. Die Türen sind definitiv DER Hingucker und das optische Alleinstellungsmerkmal, welche das X in den Augen vieler zu dem machen, was es ist. Andererseits würden sich X-Interessenten bestimmt auch über konventionelle (Schiebe-)Türen freuen, wenn durch die geringere Komplexität der Kaufpreis etwas reduziert und durch die dann konventionelle Dachauslegung auch ein Dachträger für Ski etc. möglich wäre.

Die Falcon Wing Türen zeichnen sich durch einige Vorteile aus. Die platzsparend nach oben öffnenden Türen erlauben einen bequemen Aus- und Einstieg auch in engen Parklücken – speziell fällt auch der Einstieg in die dritte Sitzreihe sehr leicht. In unserer Garage konnte ich das X seitlich beladen, was mit unserem Model S und seinen konventionellen Türen nicht möglich ist – dieses muss ich dazu aus der Garage fahren.

Wie auch elektrische Heckklappen, bestrafen die Falcon Wing Türen Vergesslichkeit: mal eben schnell die Türe (oder Kofferraum) öffnen, und ‘wieder zuhauen’ um etwas Vergessenes herauszuholen, ist nicht. Für die Falcon Wings ist der Weg das Ziel. Komfort hat seinen Preis, hier in Form von Zeit. Konventionelle Türen lassen sich bio-mechanisch schneller öffnen und schliessen. Knöpfchen drücken ist jedoch angenehmer, und letztendlich entschleunigend.

Des Winters sollte Schnee vor dem Öffnen der Türen um den Öffnungsbereich weggekehrt werden, sonst droht eine weisse Dachlawine ins Innere zu stürzen – so ist es in Tesla-Foren zu lesen (zum Testzeitraum konnte ich dies mangels Schnee nicht überprüfen). Dafür bieten die Türen im offenen Zustand, darunter im Freien stehend, einen guten Schutz vor Niederschlag und zu viel Sonne.

Was mich noch mehr als die Falcon Wings begeistert und was ich nach Rückgabe des Model X bei meinem Model S sehr vermisse, sind die im Premium-Paket enthaltenen elektrisch öffnenden und schliessenden (Vorder-)Türen. Ich fand es bemerkenswert, wie mich dieses ‘Gimmick’ im Alltag überzeugte. Speziell die auf Kommando schliessenden Türen sind eine Erleichterung für Fahrer und Beifahrer, speziell wenn deren Beweglichkeit eingeschränkt ist. Mein Vater hatte grosse Problem, die sich weit öffnende Coupé-ähnliche Türe des Model S vom Sitz aus zu greifen und zuzuziehen. Jugendliche Leser mögen sich amüsieren – aber einmal dumm vom Mountainbike gefallen und man ist für den Luxus sich nicht verdrehen zu müssen dankbar. Ein Freund hätte sich mit den Türen des Model X den Rippenbruch erspart, den er sich zuzog als er sich vom Fahrersitz zur Beifahrertüre streckte, um diese zu öffnen. Auf Knopfdruck öffnende und schliessende Türen bieten auch Kavaliere der alten Schule Gelegenheit in speziellen Situationen behilflich und vorkommend zu sein.

3 Innenraum
Den Einstieg fand ich für mich optimal. Andere SUVs bauen sehr hoch, und man muss den Fahrersitz LKW-artig erklimmen. Dafür haben diese auch Haltegriffe an den Türen. Die Sitzhöhe von ca. 76 cm ist angenehm erhaben. Der Testwagen hatte bequemes Gestühl mit gutem Seitenhalt. Den sehr weissen Sitzbezug aus ‘veganem Leder’ empfanden wir bei sommerlichen Temperaturen kühler als die unsrigen Model S Sitze aus echtem aber (was normal ist) lackiertem Leder. Andererseits fühlte sich die Sitzheizung etwas weniger homogen an. Auch auf den ‘billigen Sitzen’ in der zweiten und dritte Reihe bietet der mit Winterpaket ausgestattete Model X ebenfalls Sitzheizung, und für den Fahrer ein beheiztes Lenkrad. Das Lenkrad liegt sehr gut in der Hand und fühlt sich auch bei den Details wie den scroll wheels wertiger an als in unserem Model S.

Ich habe mir dreimal überlegt, ob ich es wagen kann, bei weissen Sitzen und bei einem 50 km jungen Fahrzeug, dunkelblaue Jeans zu tragen. Damit die Sitze ihre farbliche Unschuld behielten, wählte ich sicherheitshalber helle Beinkleider. Nettes Detail: auch die Gurtschnallen sind weiss eingefärbt. Viel besser als bei unserem vor-facelift Model S ist der Zugang zu den ISOFIX-Befestigungsführungen gelöst. Statt mit den Metallschienen des Kindersitzes suchend zu stochern, kann man beim Model X das kleine Verbindungspolsterstück zwischen Sitzfläche und Rückenlehne anheben, um den Zugang zu den ISOFIXen freizulegen. Die Sitze der dritten Reihe können nach Drücken eines Entriegelungsknopfes am Sitz umgeklappt werden. Die Kopfstützen können separat umgelegt werden – und so auch im Fahrbetrieb bei aufrechten Sitz belassen werden – der besseren Sicht nach hinten wegen.

Der modern-reduzierte Innenraum ist aus dem Model S bekannt. Tesla revolutionierte das Interieurdesign bereits 2012 – und bewies dessen Zeitlosigkeit: es wirkt auch fünf, sechs Jahre später noch immer frisch und modern. Die mittlerweile bei Tesla serienmässige vordere Mittelkonsole ist funktional solide und beinhaltet gut fixierende Flaschenhalter. Einen ‘Yacht Floor’ welchen wir in unserem alten Model S haben, wird leider nicht mehr angeboten. Mit Yacht Floor und ohne Mittelkonsole wirkt der Wagen noch luftiger und bietet einen guten Abstellort für Tasche und Rucksack. Falls man eingeparkt wird, würde die fehlende Mittelkonsole ermöglichen, zur anderen Fahrzeugseite zu rutschen, um dort auszusteigen – oder nach hinten zu den Falcon Wing Türen zu gelangen. Leider nur im Konjunktiv.

Ob der ersten Klasse Panorama-Windschutzscheibe bin ich etwas zwiegespalten. Das grandiose Sichtfeld erlaubt freien Blick auf die vorbeiziehende Landschaft – oder hoch angebrachte Ampeln. Interessant fand ich die Wirkung auf mich: Obwohl der Testwagen Dark Vader schwarz lackiert war, wirkte der X auf mich im Fahrzeug sitzend, wie ein weisses Auto. Allerdings ist die grosse Glasfläche Garant für Wärmeeintrag und blendendes Licht. Dagegen helfen Sonnenbrille, Baseball Mütze und Klimaanlage. Schade dass es kein grosses Sonnenrollo gibt. Von den Seiten zur Windschutzscheibe schwenkende Sonnenblenden sollen helfen die Sicht nach Vorne zu wahren. Sie klacken satt in die jeweilige Halterung am Rückspiegel. Dort fixiert, lassen sie sich zweistufig aufklappen. Ein paar mehr Origami-Klappstufen wären hilfreich. Immerhin kommt die Sonnenblende mit einem beleuchteten Schminkspiegel. Ehrlich gesagt: unser Panoramaschiebedach im Model S ist mir lieber. Mit offenem Dach bei lauen Temperaturen zu cruisen: herrlich.

Ein Nachteil der grossen flachen Scheibe: in der Nacht können durch die Lichtbrechung Doppelbilder von Rücklichtern und Scheinwerfern auftreten. Im Vergleich zur riesigen Glasfläche wirkt der Rückspiegel nahezu winzig, mit entsprechend übersichtlicher Übersichtlichkeit nach hinten.

4 Infotainment / Connectivity / Cockpit
Der grosse Bildschirm sorgt noch immer für positiv-staunende Kommentare von Personen die noch nie in einem Tesla mitgefahren sind. Der mittige 17“ Bildschirm ist mehr als nur Display. Die Einheit (sog. ‘MCU’) beinhaltet auch einen Linux-basierten Computer welcher z.B. für die Klimasteuerung und sonstige das Fahrzeug betreffende Einstellungen zuständig ist. Hier gab es Neues zu entdecken, da unser S85 natürlich keine Falcon Wing Türen, kein verstellbares Fahrwerk und auch kein Winterpaket mit dessen Lenkradheizung und Sitzheizung auf allen Sitzplätzen hat.

Die Display-Darstellung im Model X wirkte auf mich schärfer als bei unserem Fahrzeug, wir haben allerdings eine Bildschirmschutzfolie aufgebracht, welche für den Eindruck verantwortlich sein mag. Definitiv gab es aber eine Verbesserung bei der Rückfahrkamera: diese löst nun feiner auf, als jene bei unserem Tesla mit Baujahr Q4/2014. Unser S85 hat weder Premium-Sound-Paket, noch DAB-Radio-Modul. Ich fragte mehrmals bei Tesla an, ob DAB bei uns nachgerüstet werden kann (die Antwort war und ist ’nein’) – muss aber nach Nutzung von DAB im Model X sagen: danke, ich vermisse es nicht und bleibe gerne bei FM und Internetradio. Die Empfangsleistung überzeugte mich bei DAB nicht, es kam zu oft zu Aussetzern. Das Soundsystem im Model X tönte deutlich besser als die Standardanlage in unserem S85. Es legte deutlich mehr Souveränität, Bass und Leichtigkeit an den Tag. Nettes Gimmick: unter einer geöffneten Falcon Wings stehend, geniesst man eine Überkopfsounddusche durch den in der Tür integrierten Lautsprecher.

Unter Gimmick kann man teilweise das Navigationssystem verbuchen. Immer wieder ‘erheiternd’: das Navi weiss mitunter nichts von gesperrten Strassen (Google Maps via Handy befragt hingegen schon), oder schlägt eine wilde Route vor. Bei einer anstehenden längeren Fahrt hole ich mir vor Fahrtantritt und während der Ladepause eine zweite Meinung auf dem Smartphone ein. Dort bekomme ich auch Routenalternativen angeboten. Andererseits, so viele Unzulänglichkeiten das Navigationssystem haben mag – und noch immer nach all den Jahren (!) hat: es geht doch nichts über die Grösse der Kartendarstellung auf dem 17” Display. Wenn man mal wieder ein ‘normales Auto’ fahren musste, mit dessen winzigem Bildschirm, weiss man wieder was man im Tesla hat: Ein intuitiv zu bedienendes Navigationssystem mit hervorragender Übersicht.

5 Fahren
Das Model X, obwohl riesig, fährt sich leicht – fast wie ein kompaktes Fahrzeug. Im Vergleich zu meinem S85, welcher nur etwas kleiner ist, kommt die SUVs zugesprochene Übersichtlichkeit positiv zum Tragen. Der Frontmotor des allradgetriebenen X100D ist auf dem Fahrersitz leicht summend zu vernehmen. Ein Geräusch, welches ich im heckangetriebenen S85 nicht habe, mich aber nicht störte. Vor Kurzem führte Tesla ein neues Feature per gratis Over-the-Air update ein: den Chill-Mode. Bei diesem wird die Pedalkennlinie weicher ausgelegt, für sanfteres Beschleunigen. Quasi der Eco-Mode anderer Hersteller mit coolerem Namen. Zu dieser Einstellung würde dem Fahrzeug auch ein bisschen mehr Lounge-Dämmung gut stehen, speziell an den Radkästen. Auf ein paar wenige Kilo Mehrgewicht kommt es bei der Masse des X wirklich nicht an, und auch die eventuell dadurch 0,1 Sekunden langsamere Beschleunigung interessiert, zumindest bei den Nicht-P Modellen, doch nicht wirklich. Der schwere X100D zieht linear-kraftvoll von der Startlinie weg, ohne den ’P’unch der Performance-Version speziell oben hinaus zu haben. Die blitzschnell zur Verfügung stehende Leistung erlaubt dem Dickschiff – wie aus Sicherheitsgründen von Motorradfahrern praktiziert – jederzeit die Flucht nach Vorne, anstatt bei kritischen Situationen eine riskante Vollbremsung auszuführen. Während die Bremsen des Model X sehr gut zu packen, reicht die Qualität der Lenkung nicht an die Sportwagen aus Zuffenhausen.

Bei Tempo 120-130 fühlte ich mich besonders wohl, dies ist für mich die ideale cruising Reisegeschwindigkeit – gepaart mit schnelleren Überholvorgängen. Nicht umsonst ist dieser Bereich das in den meisten Ländern erlaubte Autobahngeschwindigkeitsfenster: ein guter Kompromiss aus Verkehrsfluss (damit Reisezeit), Innenraumruhe, Verbrauch und Sicherheit. Das (nun nicht mehr taufrische) Stahlfeder-Fahrwerk unseres S85 fühlte sich etwas komfortabler an als die serienmässige und verstellbare Smart Air Luftfederung des X100D. Die fünf Stufen beeinflussen die Höhe des Wagens, nicht jedoch den Komfort-Faktor wie es eine AIRMATIC von Mercedes-Benz erlaubt. Die hohe Sitzposition im Model X ist ein Sicherheitsvorteil wenn man im Regen auf der Autobahn unterwegs ist: oben thronend surft man über aufstiebende Gischt, statt im halben Blindflug hindurch zu tauchen. Die im Model X verbauten neuen Voll-LED-Scheinwerfer mögen die Nacht nicht zum Tag machen – deren Ausleuchtung und das Farbbild gefallen meinen Augen jedoch besser, als die nur 25 Watt starken Xenon-Leuchten in meinem Model S.

6 Parken
Ich hatte anfangs Sorge, ob das Model X denn überhaupt in unsere Garage passt. Nicht wegen der Breite, sondern wegen der Neigung der Zufahrt – und dem Abstand Garagentor zu Tesla-Dach. Aber kein Problem, selbst mit auf Standard eingestelltem Fahrwerk ging es sich gut aus. Zur Not hätte ich noch zwei Stufen absenken können. Der Tesla merkt sich, wenn gewünscht, die Fahrwerkseinstellung an verschiedenen Positionen anhand der verknüpften GPS-Daten. In unserer in die Jahre gekommenen Doppelgarage passte das Model X gut neben den Audi A2, liess diesem jedoch kaum Luft zu atmen – geschweige denn uns zum Einsteigen und Herausfahren des kleinen Ingolstädters. Einer der Drillinge (Mitsubishi i-MiEV, Peugeot iON, Citroen C-Zero) bietet sich als Garagenpartner an, viel schmäler geht es kaum. Ich würde prophylaktisch Seitenwandtürschutz (z.B. aus Moosgummi) auch an die entsprechenden Stellen der Decke kleben –  eben dort wo die Falcon Wing Türen sowie die Kofferraumheckklappe nach oben hin aufgehen. Man weiss ja nie, auf welche Ideen Mitfahrer kommen, welche mit dem Fahrzeug nicht so vertraut sind.

Die Grösse des Model X lässt sich nicht wegdiskutieren. 2,28 Meter mit Spiegeln sind breit. Zu breit für enge Altes-Europa-Innenstädte und zu breit für so manchen Parkplatz. Für sporadische Stadtfahrten ok, bei regelmässigen Cityfahrten würde ich auf einen kleinen Zweitwagen zurückgreifen und den teuren Tesla (kleine Rempler können gross ins Geld gehen) in der heimische Garage stehen lassen. In mir unbekannte Parkhäuser würde ich mit dem MX sowieso nicht fahren. Da laufe ich lieber ein gutes Stück, bevor ich mir den Stress in engen, hektischen Parkgaragen antue. Auf Parkplätzen im Aussenbereich hat der hochbeinige MX sogar einen Vorteil gegenüber der Flunder Model S: seine Frontschürze ist selbst in Fahrwerksstandardeinstellung höher, so dass Bordsteinkontakt beim Parkieren weniger wahrscheinlich ist.

7 Kofferraum
Der Sechssitzer bietet bei umgeklappter dritter Sitzreihe 2’180 Liter Stauraum. Im vorderen Kofferraum kommen noch 187 Liter hinzu. Wahrlich Space X. Die Rücksitze werden nach Aktuatorauslösung manuell umgeklappt. Trennnetz oder anderes Ladungssicherungszubehör bietet Tesla leider nicht selbst an. Zur Gepäckraumabtrennung gibt es jedoch bereits Lösungen von findigen Drittanbietern. Das Model X ist nicht so hoch wie viele andere grosse SUVs. Ideal eigentlich für einen Dachträger, um dort Sportutensilien (der Name SUV kommt nicht von ungefähr) zu transportieren. So man könnte und dürfte: Wegen der Flügeltüren ist kein Dachgepäckträger möglich. Von daher transportiert man sperriges Sportmaterial am besten auf einem entsprechenden Träger auf der Anhängerkupplung – oder im Fahrzeuginnenraum.

8 Laden
Aktuelle Teslas können an öffentlichen Typ2-Wechselstromladesäulen nur noch mit 24 Ampere, d.h. maximal 16,5 kW Leistung geladen werden. Mein altes Model S mit optionalem Doppellader schafft hier noch die vollen 32 Ampere, d.h. 22 kW. Etwas greifbarer ausgedrückt: Nehmen wir an, ich habe einen Verbrauch von 22 kWh (= 220 Wh) auf 100 Kilometer. Für 100 Kilometer Reichweite lade ich mit meinem alten Model S eine Stunde. Lade ich nun an der gleichen Ladestation ein aktuelles Modell, lade ich nur maximal 16,5 kWh – und komme damit beim angenommenen Verbrauch von 22 kWh auf 100 Kilometer nur rund 75 Kilometer weit. Schade. Schön hingegen: das Model X kommt mit einer selbstschliessenden Ladeportklappe.

Auch am SuperCharger unterscheidet sich der Model X 100D Testwagen von meinem S85, dort jedoch im Positiven: An den teslaeigenen Gleichstrom (DC) Ladestationen lädt der 100D deutlich länger schnell. Der 100D lädt bis ca. 60% SOC mit über 100 Kilowatt. Dafür fängt er unten herum, d.h. bei niedrigem Akkufüllstand, langsamer an. Anders als bei meinem S85 sollte man, wenn man die Ladegeschwindigkeit optimieren möchte, nicht zu leer anzukommen. Ein Wert von 15-20% SOC empfiehlt sich als Zielankunftskapazität am Tesla SuperCharger. Zahlen und Werte sind das Eine, das subjektive Empfinden das Andere: der 100er Akkupack begeisterte uns auf der Reise ob seiner Ladeleistung und der dadurch kürzeren Ladepausen. Meine Ladegeduldkapazität scheint über die Jahre der persönlichen Elektromobilität zu degradieren.

9 Verbrauch / Effizienz
Das Model X hat real den geringsten Verbrauch (und Emissionsausstoss) aller SUVs. Nach NEFZ verbraucht der Allradkoloss der Energie-Effizienz-Klasse A mit seinen riesigen Rädern nur 17,7 kWh auf 100 Kilometer. Das Model X kann sogar innerhalb der unsäglichen NEFZ-Norm bewegt werden – wenngleich man sich möglicherweise den Zorn der Hinterherfahrenden auf sich zieht.

Zugerseerunde (auf sparsamen Verbrauch gefahren)

Abfahrt im Dunkeln bei einer Aussentemperatur um die 14°C. Werte (laut Bordcomputer, bzw. Garmin GPS) dieser sehr sanft gefahrenen Runde mit wenigen Stopps an Ampeln und Fussgängerüberwegen, rund um den Zugersee:

SOC, Abfahrt: 83%
Fahrtstrecke (Rundkurs): 39,5 Kilometer
Fahrtzeit: 50 Minuten
Fahrtmittel: 47.6 km/h
VMax: 74,5 km/h
Schnitt (inkl. der Stopps): 46,2 km/h
SOC, Ankunft: 78%
Verbrauch, absolut: 7 kWh
Durchschnittsverbrauch:148 Wh/km

Realistisch lässt sich der X100D bei moderaten Temperaturen mit 24 kWh bis 27 kWh auf 100 Kilometer bewegen, ohne explizit auf eine effiziente Fahrweise zu achten, aber auch ohne auf der deutschen Autobahn ‘zu rasen’. Grosse Stirnfläche, die breiten schweren Räder und das hohe Gesamtgewicht, fordern ihren Effizienztribut. Schweizer Fahrdisziplin, und die in der Schweiz üblichen hohen Bussen für Geschwindigkeitsübertretungen sind ein Garant für gute Reichweite. Bei sommerlichen Verhältnissen erreicht man dann um die 400 Kilometer – so man seinen Autobahnstromfuss zügelt: Mit elektroautoerfahrenem leichten rechten Fuss und aller Zeit der Welt erzielte ich auf der Toskana-Tour einen Verbrauch von unter 22 kWh auf 100 Kilometer. Damit wären etwas mehr als 400 Kilometer drin gewesen – hätte ich die Batterie ausgereizt. Minimum 250 Kilometer sollten auch bei tieferen Temperaturen und Niederschlag – bei witterungsbedingt angepasster Fahrweise drin sein. Im Winter, und dann noch speziell Kurzstrecken, darf man sich über 30+ kWh in der Verbrauchsanzeige nicht wundern und nicht grämen. Nach 250 Kilometern Fahrt machen wir jedoch gerne eine Pause, sommers wie winters.

Praktisch: im Display angezeigte 10% SOC (Kapazität der Batterie) entsprechen lt. Bordcomputer ca. 9,7 kWh – bei sanfter gleichmässiger Fahrweise im Sommer. Dadurch kann man dann quasi 1% = 1 kWh minus Sicherheitspuffer rechnen. Ich würde sicherheitshalber von 90 nutzbaren Kilowattstunden ausgehen. Kenne ich die Restkapazität in kWh und habe meinen Verbrauch im Blick – lässt sich daraus gut die noch erreichbare Reichweite ableiten. Kann man, muss man aber nicht. In den Einstellungen kann man die SOC-Anzeige von Prozent auf Kilometer umstellen und kann sich so das Rechnen ersparen. Die Rechenmethode führt zumindest zu einem besseren Verständnis über Verhalten und Verbrauch.

10 Hundetauglichkeit
Während unser Hund, Grosspudel Toni, im Model S entweder quer in der Dogstyler-Hundebettbox liegend auf der Rücksitzbank (durch die niedrige Sitzhöhe fällt das Ein- und Ausspringen einfach), oder im Kofferraum reist, ist der Hundetransport im Model X für grosse Hunde etwas umständlicher. Kleinere Hunde haben es beim getesteten Sechssitzer einfacher: diese finden auch zwischen den hinteren Sitzen im Fussraum genügend Platz. Grössere Hunde hingegen reisen am Besten im Kofferraum, oder mit mehr Sprungaufwand auf der hinteren Sitzreihe. Da die Kofferraumkante mit 80 Zentimetern sehr hoch ist, habe ich Toni jeweils hinein- und hinausgehoben. Dies geht bei einem schlanken 25 Kilogramm Grosspudel noch gut, bei schwereren und/oder nassen und schmutzigen Vierbeinern, empfiehlt sich eine Hunderampe. Hundehalter deren Tiere fellbedingt ‘hündeln’ – sprich ausgeprägt nach Hund riechen (Pudel tun dies nicht) – werden den Bioweapon Defense Modus der Klimaanlage lieben: dieser macht der dicken Luft im Innenraum den Garaus.

Unseren Rücksitz-Dogstyler positionierte ich in Fahrtrichtung im Kofferraum des Model X. Dazu musste die dritte Sitzreihe versenkt und ein Sitz der zweiten Reihe ein Stück nach vorne gefahren werden. Letzteres hatte zur Folge, dass bei jedem Start die Warnmeldung “Zweite Reihe ist in eine unsichere Position. Beifahrer nur sichere Sitze benutzen.” im Display erschien. Die Schalensitze der zweiten Reihe müssen sich aus Sicherheitsgründen entweder ganz vorne oder ganz hinten befinden (und scheinbar dort einrasten). Als Model X Eigentümer würde ich mir einen Dogstyler o.ä. massfertigen lassen, um den zweiten-Reihe-Sitz in der verriegelten hinteren Position belassen zu können.

Sämtliche Glasflächen im Bereich des Hecks müssten auf alle Fälle dunkler foliert werden, um Sonnenstrahlen- und Wärme abzuhalten. Durch die serienmässig relativ schwach getönten Scheiben schien ordentlich Sonne auf Toni’s Pudelmütze. Auch wenn ein Fünfsitzer für das eigene Transportprofil ausreichen würde, empfehle ich aktuell einen Sechs- oder Siebensitzer: nur diese kommen mit einer separate Klimasteuerung für das Heck und können so einen im Kofferraum mitreisenden Hund besser kühlen. Seit einem vor Kurzem aufgespielten Software-Update beherrscht der Tesla nun auch den sog. Camper-Mode. Mit diesem kann die Standklimaanlage beliebig lange kühlen oder heizen – ohne das der Tesla am Ladekabel hängt.

Seitenschweller (Falcon Wing Einstieg): 44 cm
Abstand Sitze zweite Reihe: 38 cm
Kofferraumkante: 80 cm
Kofferraumtiefe: 110 cm; umgeklappt ca. 145 cm

11 Toskana-Tour
In Vorbereitung zur Fahrt nach Italien brachte ich eine CH-Nationalitätskennzeichnung an. Manch ein italienischer Grenzbeamte versteht keinen Spass, wenn man ohne das CH-Schild über die Grenze fährt. Da ich keinen grossen weissen Aufkleber am Leih-Tesla anbringen wollte, suchte ich eine leicht ablösbare Alternative. Mein magnetisch-haftendes CH-Schild nützt beim Model X mit seiner Aluhaut nichts. Beim Schweizer Automobilclub TCS wurde ich fündig: dieser bietet in seinem Online-Shop eine adhäsiv-haftendes Schild an, welches durch einfaches Abziehen rückstandsfrei entfernt werden kann.

Die Fahrt Richtung Toskana führte uns zunächst auf der Axenstrasse zwischen Brunnen und Altdorf entlang des Urnersees in den baustellenbedingten Stau. Gebaut wird dort in nächster Nähe auch an einem neuen Tesla SuperCharger Standort, welcher in Flüelen entsteht. Durch die gigantische Panoramascheibe konnten wir die Schönheit des an einen norwegischen Fjord erinnernden Urnersees geniessen.

Der Weg ist das Ziel. Mehrere Tunnel weisen den Weg zum fast 17 Kilometer langen Gotthard-Strassentunnel. Im Innenraum des Model X blieb es dabei ruhiger als in unserem Model S mit Panoramaschiebedach. Unterirdisch zeigte sich, wieder einmal, das Tesla-Navigationssystem. Dieses verwendet scheinbar, wie sonst seit Jahrzehnten bei Autonavigationssystemen üblich, keine Radsensoren, um die Position weiterzuführen. Stattdessen sucht es auch im Tunnel vergebens nach GPS-Satelliten. Selbst ohne Radsensoren sollte man mit etwas Softwareintelligenz hinbekommen, dass man im Tunnel dargestellt wird, wenn man in diesen eingefahren ist, statt auf einmal auf der Passstrasse hin-und herzuspringen. Dies führt zu entsprechenden nervenden Navigationsansagen. Ich stoppte die Routenführung und liess die Strecke nach Tunnelausfahrt wieder neu berechnen. Warum Tesla, warum? Mit einem solchen banalen faux-pas verspielt man Vertrauen, insbesondere wenn man sich autonomes Fahren auf die Zielfahne schreibt.

Im Tessin fuhren wir Mittags nach rund zwei Stunden Fahrt auf dem Monte Ceneri den ersten SuperCharger der Reise an. Bei nun angenehmen 18°C standen 169 Kilometer mit einem Durchschnittsverbrauch von 206 Wattstunden auf 100 km auf der Uhr. Dies entspricht einem absoluten Verbrauch von 34,8 kWh. Der SuperCharger Monte Ceneri befindet sich auf dem Parkplatz einer Tankstelle mit angeschlossenem Bistro. Mit dem bei Abfahrt auf 100% aufgeladenen Fahrzeug war dieser Stopp nicht notwendig, aber von uns gewünscht. Im Bistro gibt es einen sehr guten (und für die Schweiz sehr günstigen) Espresso, und auch sehr ordentliche frisch zubereitete Sandwiches. Am SuperCharger herrschte reger Ladebetrieb. Monte Ceneri dürfte gerne noch ein paar mehr Ladesäulen bekommen. Im Minimum waren wir zu Dritt an jedem der auf unserer Reise genutzten SuCs. Frisch gestärkt ging es zum Auto, welches bereits mit 99% vollem Akku auf uns wartete. Ich habe den schnellen Ladefortschritt während der Pause nicht mitbekommen, da ich für den Testwagen noch keine Zugangsdaten für die Handy app hatte – und somit keine Benachrichtigung und Info zum Ladung bekam. Beeindruckend, der 100er Akku lädt schnell. Zum Zeitpunkt unserer Abfahrt am Monte Ceneri waren fünf von sechs Tesla-Stromspendern belegt.

Nach dem italienischen Grenzübergang ist ordentlich Maut zu entrichten. Die Schweizer Autobahnjahresvignette ist ein wirkliches Schnäppchen im Vergleich zu Fahrt auf der italienischen Autostrada. Für die Fahrt hinab nach Pisa, und retour, fielen 65 Euro an. Ein guter Freund lieh uns vor der Reise seinen ‘Telepass’-Sender. Dieser ermöglicht durch die Mautstellen ‘hindurchzurauschen’ (mit max. 30 km/h) ohne an einem Automat oder Kassenhäuschen für die zurückgelegte Teilstrecke zahlen zu müssen. Durch den Funk-Transponder wird bei Durchfahrt ein elektronischer Buchungsvorgang ausgelöst und die Schranke öffnet sich für die Weiterfahrt. Im Vorfeld ist es nötig das Kennzeichen eines berechtigten Fahrzeuges im Kundenkonto zu hinterlegen. Der Transponder wird beim Model X am besten rechts vom Rückspiegel angeklebt. Die genaue Position ist im Tesla-Handbuch  verzeichnet. Wie auch schon beim CH-Schild wollte nichts an den Testwagen kleben. Meine Beifahrerin hielt den Transponder bei jeder Mautstelle mit der Hand in den dafür vorgesehen Bereich. Dies ging besser als erwartet, da die Scheibe gut von den Sitzen zu erreichen ist. Später entdeckten wir an einem weiteren Schweizer Model X das der Transponder ebenfalls Funkkontakt hat, wenn man diesen mittig auf das Armaturenbrett legt. Der Telepass-Transponder macht die Fahrt auf der italienischen Autobahn viel angenehmer, da die nervigen Warte- und Bezahlzeiten an den Mautstellen wegfallen. Ich empfehle anfangs, bis man Vertrauen in die Funktion des Senders erlangt hat, eine Mautstellenspur zu wählen, welche Telepass sowie Kreditkartenzahlung akzeptiert. Wird der Transponder beim Einfahren in der Mautspur erkannt, piepst dieser. Ein weiteres Piepsen – und die Schranke öffnet sich.

Die am Monte Ceneri auf 99% gefüllte Batterie erlaubte ein Durchfahren bis zum SuperCharger Forte dei Marmi, kurz vor unserem eigentlichen Ziel. Der SuC befindet sich etwas eingeengt auf einem Hotelparkplatz. Wählt man gleich die erste Ladebucht: Aufpassen, es befindet sich eine Metallstange im Aufschwenkbereich der Heckklappe. Wir kamen bei 22°C mit 26% Akkufüllstand an. Für die gefahrenen 344 Kilometer verbrauchte das Model X 68,3 kWh – was einem sehr tiefen Durchschnittsverbrauch von 198 Wh auf 100 km entspricht. Zugegeben, ich war entschleunigt unterwegs und fuhr meistens nicht einmal die erlaubten 130 km/h. Was tun in Forte dei Marmi? WC ist immer ein dankbarer erster Anlaufpunkt. Dieses befindet sich im Untergeschoss des Hotels, rechts der Rezeption. Nach der langen Etappe stand uns der Sinn nach Bewegung. Wir liefen Richtung Meer und dort nach rund 25 Minuten angekommen und kurzem Blick auf das Meer gleich wieder retour. Definitiv zu weit vom SuC, plus: der Strand ist durch die parzellierten Strandbäder nicht wirklich gut zugänglich. Dann vielleicht doch lieber die Beine an der hoteleigenen Pool-Bar ausstrecken. Mit gut gefülltem Akku erreichten wir nach kurzer Fahrt unsere gemietete Ferienwohnung ‘Casale il Troncolo’ in Migliarino, bei Pisa. Dort habe ich mangels Aussensteckdose nicht geladen, und gäbe es eine solche: mehr als 1kW könnte ich dort nicht ziehen, da die gesamte Wohnung nur mit 2 kW abgesichert ist. Bereits Kochfeld und Toaster überfordern die Anschlussleistung.

Wie auch schon bei unserem Aufenthalt im Mai mit dem Model S plante ich einmal an einer der vielen 22 kW Ladesäulen in Pisa zu laden. Die passende prepaid-Ladekarte von Duferco Energia hatte noch genügend Guthaben – und hat dieses noch immer. Ich versuchte mein Glück an drei Säulen, und konnte keine zur Stromabgabe überreden. Satz mit X in Pisa. Wir schauten uns lieber die Stadt an, statt weitere Ladepunkte abzuklappern. Wohl dem, der auf das Tesla Ladenetzwerk zurückgreifen kann, statt im Urlaub Ladesäulen-Geocaching machen zu müssen.

Vor Ort besuchten wir Freunde in ihrer Villa. Mit dem Model X fuhren wir standesgemäss vor – wie in einer modernen Interpretation der (Dornröschen-)Kutsche. Hausherr Farese, 90 Lenze jung und vor vielen Jahrzehnten in der Scuderia Ferrari, bemerkte das Elon Musk sein Ziel nun wohl geschafft hat und die Elektrifizierung der Automobilantriebstechnologie unumkehrbar ist.

Die sonnigen Tage in der Toskana waren leider zu schnell vorbei, die Abfahrt nahte und deswegen musste auch der Tesla mit frischem Strom versorgt werden. Gegen 10 Uhr morgens ging es auf den Heimweg. Das Bordnavigationssystem schlug die Route über den SuperCharger in Dorno und an Genua vorbei vor, obwohl die Strecke über Mailand kürzer und schneller ist. Das Navi berücksichtigte die aktuelle (Berufsverkehr mit sehr viel Stau) und nicht die zu erwartende Verkehrslage. Unser erster Halt führte uns wieder zum dreissig Kilometer entfernten SuC Forte dei Marmi. Vorher steuerte ich jedoch noch einen nahen Supermarkt an. Meine Freundin nutzte die anstehende Ladezeit, um italienische Lebensmittel für zu Hause einzukaufen. Während des Ladevorgangs liess ich die Route neu berechnen. Mittlerweile war der Berufsverkehr durch und das Navi schickte uns nun auch Richtung Parma und weiter nach Mailand. Da das Model X dadurch wusste, wohin uns der Weg führen wird, gab das System vor, wie viel geladen werden muss. Mehr als ich erwartete und damit länger als gedacht. Nach 35 Minuten beendete ich die Ladung und war mir sicher mit ordentlich Restreichweite am nächsten Ladestopp anzukommen.

SuC Forte dei Marmi
Ladedauer: 35 Minuten
Geladene kWh: 50,5
SOC Ankunft: 26%
Reichweite Ankunft: 91 km
SOC Abfahrt: 74%
Reichweite Abfahrt: 261 km

Nach 2:15h Fahrt bei herrlichen 20°C Aussentemperatur erreichten wir den SuperCharger Capiano bei Mailand, welcher sich auf dem Parkplatz des ibis Hotels befindet. Die prognostizierte Ankunftskapazität von 16% überbot ich: mit 20% kamen wir an. Ich bin aber z.T. auch wieder gefahren wie Rentner-mit-Hut und Wackeldackel auf der Hutablage. Entspannt, und ohne Zeit- und Blutdruck. Erster Anlaufpunkt: si claro, eines der besten SuperCharger WCs, im Hotel. Zweiter Anlaufpunkt war das Restaurant auf der Rückseite des Hotels. Leider gab es dort Mittag keine Pizza, der Ofen wird erst für den Abend aufgeheizt, so dass wir uns mit einem so-la-la Business Menü stärkten.

SuC Capriano
Gefahrene Kilometer: 235
Verbrauchte kWh: 54,8
Durchschnittsverbrauch: 230 Wh / 100 km
Ladedauer: 1:03 Stunden
Geladene kWh: 76
SOC Ankunft: 20%
Reichweite Ankunft: 71 km
SOC Abfahrt: 94%
Reichweite Abfahrt: 330 km

Wir steuerten wieder Monte Ceneri im Tessin an. Zeit für einen Espresso auf der Terrasse bei noch 19°C, nach 1:15h Fahrt.

SuC Monte Ceneri
Gefahrene Kilometer: 117
Verbrauchte kWh: 28,6
Durchschnittsverbrauch: 243 Wh /100 km
Ladedauer: 23 Minuten
Geladene kWh: 25
SOC Ankunft: 63%
Reichweite Ankunft: 222 km
SOC Abfahrt: 90%
Reichweite Abfahrt: 315 km

Ankunft in Zug bei mittlerweile wieder herbstlichen 13°C

Gefahrene Kilometer: 117
Verbrauchte kWh: 36,8
Durchschnittsverbrauch: 208 Wh /100 km

Gesamt benötigte das Model X für die Tour von 1’287 Kilometer knapp 275 kWh bei einem Durchschnittsverbrauch von 213 Wh / 100 km. Nimmt man einen Energieäquivalentwert von 10 kWh pro Liter Diesel, bedeutet dies: 27,5 Liter für die Gesamtstrecke, d.h. 2,14 Liter pro 100km. Nehmen wir noch Wirkungsverluste mit in die Rechnung, sind wir noch immer unter drei Liter pro 100 km. Und dies für ein riesiges Fahrzeug mit einem Gesamtgewicht von rund 2700 Kilogramm (Fahrzeug plus Beladung).

Mangels aktiviertem Autopiloten fuhr ich die Toskana-Tour komplett selbst, ohne Assistenzfunktionen. Das einzige Helferlein war ein klassischer Tempomat aus dem letzten Jahrtausend, ohne Abstandsautomatik. Selbst den Scheibenwischer musste ich manuell betätigen. Im Vergleich zum gewohnten Fahren mit Autopilot 1 in meinem S85: für mich als Fahrer war es weniger entspannt, für die Beifahrer jedoch angenehmer. Wenn ich als Fahrer mit aktivem Autopiloten fahre, ahne ich in welchen Situation das System sich wie verhalten wird – die Beifahrer nicht, und sind entsprechend auf eventuelle Rucks nicht eingestellt. Mensch schlägt System noch immer, wenn es um vorausschauendes und ‘weiches’ Fahren geht. Als Fahrer habe ich den Autopiloten vermisst.

12 Sonstiges
Da zum Saisonwechsel gerade der Räderwechsel bei meinem Model S anstand – und bereits die 19” Rädchen meines Fahrzeuges ein ordentliches Gewicht haben: ich glaube die 20” oder 22” grossen Schuhe des Model X würde ich nicht mehr rumtragen und transportieren wollen. Wenn schon Model X, dann gerne auch den Komfort des Einlagerns bei einem Reifenfachbetrieb. Tesla hat vor kurzem verkündet, fortan keine Räderwechsel mehr in den ServiceCentern durchzuführen, um dortige Ressourcen und Lagerplatz sinnvoller nutzen zu können. Eigentlich schade, bisher hatte ich Service-Termine immer mit einem Räderwechsel verbunden.

13 Fazit
SUV, das sind die Autos die es wegen des leichteren Einstiegs auf Krankenschein gibt, oder? Die Woche mit dem Model X belehrte mich eines Besseren. Ja, ich gebe zu, die Ergonomie wertzuschätzen. Die Grösse lässt sich nicht wegdiskutieren, aber es fährt sich entspannter als mein Model S – hier hilft die die gute Übersicht. Das Model X überzeugt mit vielen weiteren Vorzügen. Es ist das sicherste SUV auf dem Markt. Seine jederzeit und von jedermann abrufbare hohe Leistung und Merkmale wie riesige Panoramafrontscheibe, HEPA-Laborluftfilter, die selbstöffnenden und -schliessenden Vordertüren – sowie natürlich die Bling-Bling Falcon Wing Flügeltüren, machen es zu einem einzigartigen Fahrzeug. Das Model X wirkt wie aus einer anderen, zukünftigen Zeit.

Preislich geben sich ein S100D und ein X100D nicht viel. Meine Wahl als derzeitiger Fahrer eines Model S wäre bei Neukauf definitiv das Model X. Weniger elegant, geringere Reichweite als das batterieäquivalente Model S – dafür mit noch höherem Nutzwert (inkl. AHK), die für mich angenehmere Sitz- und Blickposition und technischen Spielereien, die mein Herz höher schlagen lassen. Wenn X, dann als X100D. Der X100D hilft die auf Langstrecken notwendigen Pausen kurz und angenehm zu halten. Zukünftig dann gerne X120D, speziell wenn ein Hänger an den Haken soll. Zum grandiosen grossen Reiseauto käme jedoch noch ein zweites kleines Elektrofahrzeug in die Garage – für die kurzen Strecken in der Stadt, und die dortigen Parkplätze und Parkhäuser.

 

Tesla – Model X

Tesla – Model X Benutzerhandbuch

Tesla – 5 Sterne Sicherheit
NHTSA – 5 star safety rating

Tesla –  HEPA Filter und Bioweapon Defense Mode

Tesla – Supercharging

Tesla – Weiterempfehlungslink (free Supercharging)

TCS-Shop – Statisches CH Hoheitskennzeichen

Amazon – Gepäckraumabtrennung – Trunk Shield Model X

Dogstyler
Teslamotorsclub – A/C Effectiveness in 5-seat configuration

A Better Routeplanner
Going Electric Stromtankstellenverzeichnis
Ferienwohnung Casale il Troncolo
Duferco Energia

Tesla Fahrer- und Freunde

Teslamag

Swiss Tesla Owners Club

 

 

 





Ein Gedanke zu “Tesla Model X 100D

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