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Energie die bewegt


Smart electric drive Cabrio (v2)


Posted on 19.09.2012 , by Oliver Zechlin in Test . No Comments

Smart electric drive Cabrio (v2)

Von Siemens Schweiz in Zürich bekam ich über das Wochenende deren Smart electric drive (ed) Cabrio geliehen. Meine erste Begegnung mit einem Smart ed war ebenfalls in Zürich. Vor zwei Jahren bin ich den Kleinen für eine halbe Stunde im Rahmen der Smart Urban Stage Promo-Tour probegefahren. Da die damalige Testfahrt innerstädtisch über eine vorgegebene Navigationssystem-Route erfolgte, war auch die Geschwindigkeit eine Terrain angepasste. Beide gefahrene electric drive Smarts gehörten der zweiten Generation (v2) an. Von einem netten Kontakt bei Daimler bekam ich im Vorfeld noch mit auf den Weg, dass es sich beim electric drive v2 um ein Versuchsfahrzeug, dass nicht in Serie produziert wurde, handelt. Die aktuell bestellbare dritte Generation liesse sich in Leistung und Fahrverhalten nicht vergleichen.

Bevor ich meine Fahrt in das Wochenende beginnen konnte, musste ich den stromzuzelten Smart zunächst von der Siemens Ladesäule abnabeln. Dazu galt es den Anweisungen auf dem Display der Ladesäule zu folgen. Den Abnabelungsprozess startete ich mit Auflegen der RFID-Karte auf das Display. Die Ladesäulenklappe entriegelte sich, und ich konnte nach Aufklappen den Ladestecker ziehen. Dito am Smart. Alles ganz einfach, aber für das erste Mal doch auch irgendwie aufregend.

Mein Leih-Smart hatte zwei verschiedene Ladekabel an Bord. Einmal das an der Ladesäule verwendete Mennekes-auf-Mennekesstecker-Kabel (Typ 2), als auch eines für Campingdosenanschluss (blauer Stecker, CEE 16A) welches sich in der Heckklappenabdeckung befand. Das Ladesäulenkabel musste ich in den Kofferraum legen, wo es fehlplatziert im Weg war. Zu Hause packte ich das Kabel dann auch in eine Stofftasche, welche dann hinter dem Sitz verstaut werden konnte. Damit war der Kofferraum frei für Toni den Testhund.

Da meine Testintention nicht der Fahrdynamik, sondern dem Erlebnis und der Toni-Tauglichkeit galt, nur ein paar wenige Wort zum Fahren. Innerstädtisch sehr angenehm flott. Ausserstädtisch wird es ab 80 km/h zäh, bis bei um die 100 km/h Schluss ist. Auf Schweizer Strassen kein wirkliches Problem. Die Strassenlage war durch den tiefen Schwerpunkt, und das zusätzliche Gewicht der Batterien bedingt, sehr angenehm. Weitaus weniger hoppelig als die mir bekannten Verbrenner-Smarts.

Ungewohnt auch das Anlassen. Diverse Anzeigen im Cockpit erwachen zum Leben, aber es kommt kein gewohntes gefühltes und akustisches Motorenfeedback.

Die ersten Kilometer führen mich durch Zürich, wo ich schon die ersten Anflüge von „range anxiety“ habe. Will heissen, es geht nicht so recht voran durch die Stadt, und das Unsicherheitsgefühl ob ich denn mein Zwischen- und Endziel mit der Akkuladung erreiche stellt sich ein. Sicherheitshalber lasse ich das Licht und Lüftung aus. Noch habe ich kein Gefühl für die Ladestandsanzeige in Prozent, und eine Restkilometeranzeige finde ich nirgends.

Dafür fühlt sich die stufenlose Eingangautomatik prächtig an, die vom Smart gewohnten Schaltrucke bleiben aus.

Beim Erreichen meines Zwischenzieles, der Firma NIKON in Egg, suche ich am Parkplatz nach einer eventuellen Lademöglichkeit. Zum Nachladen besteht noch keinerlei Notwendigkeit, und so war das Fehlen der Stromtankstelle auch nicht tragisch. Jedoch, der suchende Blick begleitet mich fortan.

Hinterher geht es hinab zum Zürichsee, und ich beobachte gespannt die Rekuperationsanzeige. Tatsächlich, die längere Abfahrt bringt etwas mehr an Restreichweite. Am See angekommen nahmen wir die Fähre über den See. Leider gab es weder einen Autowinzlingrabatt noch einen Ökobonus – der volle PKW-Tarif war aufgerufen. Was passiert eigentlich wenn ein Elektrofahrzeug in den See stürzt – ist dies für Fisch und Mensch der Elektronik wegen gefährlich?

Zuhause angekommen pfiff ich dann Toni heran. Sitz- und Einsteigprobe für den Vierbeiner. Smart 450 CDI und 451 MHD kennt er schon. Nun also 451 ed. Auch beim Smart ed bleibt die Kofferraumladekante sehr hoch. Ein dreiviertel Meter will erklommen sein. Einmal in luftiger Höhe angekommen, ist jedoch auch für den grossen Hund Platz in der kleinen Hütte. Selbst mit Kofferraumabdeckung.

Spannend wird es für mich dann bei der folgenden Fahrprobe. Wie wird sich Toni verhalten?, werden eventuelle hochfrequente Töne ihn zur Weissglut bringen? Die Runde um den Zugersee soll es zeigen. Toni bleibt ruhig, und auch das Messgerät zeigt ausser kleinen Ausreissern im 68/69 und 95/96/97 kHz Bereich nichts an. Ob diese Signale vom Fahrzeug oder von Fremdeinflüssen ausserhalb kommen, ich weiss es nicht. Der Smart ed v2 stromert tonitechnisch auf jeden Fall im grünen Bereich.

Das Aussteigen aus dem Smart ist für Menschen angenehm leicht. Für im Kofferraum mitfahrende Hunde jedoch weniger. Um hohe Sprünge auf harten Asphalt zu vermeiden hebe ich Toni lieber herunter. Nicht so optimal. Vielleicht wäre ein grosser Hund, mit entsprechendem Geschirr versehen, auf dem Beifahrersitz besser aufgehoben?

Nach der Testrunde entnehme ich der Heckklappenabdeckung das zweite Ladekabel, und schliesse es an eine Campingdose an. Diese befindet sich als Permanentstromversorgung für das Wohnmobil unseres Vermieters auf dem Hausgrundstück. Auch hier lädt der Smart, laut und vernehmlich. Alsbald springen die kühlenden Lüfter im Wagen an. Dann doch lieber weit weg von Schlafzimmerfenstern an der firmeneigenen Siemens-Ladesäule in Steinhausen. Während es technisch prima funktioniert, wie gehabt den Ausweis an die Säule halten, und nach Erkennen und Authentifizierung den Anweisungen am Display folgen, war ein Vorausmitdenken notwendig. Ich musste im Vorfeld abklären, dass der zur Säule gehörige Parkplatz auch frei sein wird. Dort parkiert im Normalfall der dortige Standort-THINK. Der Ladekühlungslärm soll bei dem nun serienmässig erhältlichen Smart ed der dritten Generation nicht mehr auftreten.

Am nächsten Tag stehen etwas mehr als 13 kWh auf der Ladeuhr. Bei einem angenommenen Geschäftskundenökostromnachttarif von 13 Rappen war ich also für den Gegenwert eines Liter Diesels über 100 km unterwegs gewesen. Die darauffolgende Nacht genehmigte sich der Smart dann 17 kWh.

Diese 17 kWh nutzte ich um offen über Landstrassen gleitend nach Rapperswil zu fahren. Wellness auf vier Rädern. Dort erwartete mich eine Probefahrt mit einem Zweirad bei Birkenstock Biycles (1). Jürg Birkenstock ist ein Laminiermeister ersten Grades und produziert u.a. das Weltmeister-Liegevelo Comet RT. Er frägt mich noch ob ich etwas Strom zapfen möchte, aber ich lehne dankend ab. Ich wollte ja nur noch bis Zürich um den Smart abzugeben. Hätte ich mal das Angebot angenommen.

Ich fahre die Goldküsten-Seestrasse Richtung Zürich. Um kurz vor Zürich in einem Stau zu stehen. Rien ne vas plus. Wegen Gleisbauarbeiten geht es zweispurig kaum bis dann gar nicht mehr vorwärts. Wenigstens habe ich das passende Fahrzeug welches wenig Hitze und vor allem auch keinen Lärm verursacht. Es wirkt auf mich falsch ringsherum Verbrenner zu haben, die völlig sinnfrei ihren Stehdienst vollrichten. Nach wohl einer dreiviertel Stunde gebe ich auf, und kehre um. Um dann kurz vor der Fähre in Meilen wieder im nix-geht-mehr-Stau zu stecken.

Diesmal sind Strassenbauarbeiten und ein völlig überfüllter Fährwartebereich nebst Zufahrtspur die Verursacher. Die nächste dreiviertel Stunde geht drauf. Mittlerweile schalte selbst ich meinen Motor, bzw. das ganze Fahrzeug, aus. Wieviel Strom verbraucht der Wagen im standby?, keine Ahnung. Eigentlich hatte ich vor wieder via Rapperswil retour zu fahren. Aber die Strecke zieht sich, und ich kann die Prozentanzeige des Batterieladestands nicht realistisch deuten. Von daher darf der Smart ed dann doch die Abkürzung mit der Fähre nehmen. Mit immerhin dann doch verbliebenen 22% Batterie rolle ich nach staubedingter viel zu langer Zeit in Steinhausen an der Ladesäule ein. Bei 20% beginnt der rote Bereich. Ich muss zugegeben an diesem Tag auch wieder „range anxiety“ verspürt zu haben, und das nicht zu wenig. Da auch noch Unwetterwarnung auf dem Zürichsee war, war ich mir nicht sicher ob die Fähren denn überhaupt noch fahren. Dann hätte ich auf Plan B zurückgreifen müssen. D.h. eine Park & Charge Station mittels Smartphone-App finden, dort den Wagen abstellen und laden lassen. Da der Smart ed der zweiten Generation keine Schnellladung zulässt, wäre es ein stundenlanges Unterfangen gewesen. Kein Vergnügen.

In einer solchen Situation einen Range-Extender Motor à la Opel Ampera an Bord zu haben beruhigt dann doch wohl ungemein. Selbst ein reiner Notbehelfs-Range-Extender für das gute Gefühl wäre Gold wert. Alternativ würde auch eine Schnellladeoption helfen die benötigten Restkilometer in überschaubarer Zeit zu erhalten. Dazu muss jedoch nicht nur das Fahrzeug ausgelegt sein (beim Smart der dritten Generation eine teure Option), es bedingt auch eine passende leistungsstarke Stromtankstelle in der Nähe. Diese Ladesäule darf dann auch nicht belegt sein, und funktionieren muss sie dazu. Bei kommerziellen Ladestationen ist oftmals weiterhin eine Vorabregistrierung Pflicht, worauf es vom Anbieter eine Zugangssmartcard gibt. Und jeder kocht da wieder sein eigenes Süppchen. Ein gut geladenes Smartphone mit online-Verbindung sollte der sich auf unbekannten Terrain bewegende Elektrofahrer auch an Bord haben um Lademöglichkeiten aufzuspüren zu können.

Sonntag morgen fuhr ich den Smart frischgeladen gutgelaunt mit offenem Verdeck zu seinem Stammstellplatz nach Zürich. Bislang gibt es meines Wissens nur zwei offene Serien-Elektroautos – den Smart ed, sowie den Tesla Roadster. Offen leise durch die Landschaft gleiten bringt gute Laune!

Während der Zeit mit dem Smart ed hatte ich einige mehr ecoCar-Begegnungen, als erwartet. Neben einem Renault Twizy, unzähligen Toyota Priis kreuzten auch vier Opel Ampera / Chevy Volt sowie ein Nissan Leaf unseren Weg.

 

Quellenangaben

 

  1. Speedbikes: Liegevelomanufaktur von Jürg Birkenstock




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