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Energie die bewegt


mobility car-sharing


Posted on 22.11.2012 , by Oliver Zechlin in Test . No Comments

mobility car-sharing

Ein Bestandteil des Schweizer Mobilitätsmixes ist seit 1997 die (meist rote) Fahrzeug-Flotte von mobility car sharing (1a, 1b). Das Zusammenwirken der zuverlässigen Schweizer Bahn SBB und mobility ermöglicht vielen Schweizern ein autobesitzfreies Leben. Seit September 2011 bietet mobility an ausgewählten Standorten auch mietbare Elektrofahrzeuge (Think City) an.

Ursprünglich war es Kunden nur möglich die Elektrofahrzeuge ganztägig zu mieten (aus dem Gedächtnis um die 75 CHF). Mittlerweile wurde das Verleihmodell dem der „normalen“ Fahrzeuge angepasst, nun ist eine Miete ebenfalls auf Stundenbasis möglich. Die Stunden- und Kilometerkosten sind leider sehr hoch. Die Kosten des Thinks (4.40 CHF pro Stunde, plus 0.96 CHF pro Kilometer) liegen auf Augenhöhe mit den größten Fahrzeugen der mobility Flotte, dem Ford S-MAX Diesel und dem Mercedes Vito Diesel (4.40 CHF pro Stunde, plus 0.98 CHF pro Kilometer). Mit den vom Kunden zu zahlenden Kosten pro Kilometer sind Benzin-, bzw. Stromkosten abgedeckt. Mietet der mobility Kunde ein konventionelles Verbrennerfahrzeug kann der Kunde das Mietfahrzeug ohne weitere Kosten mittels Tankkarte treibstofffüttern. Die Elektrofahrzeuge tanken entweder an eigenen mobility-Ladesäulen, oder unterwegs bei längeren Fahrten an Park & Charge Stromtankstellen.

Warum würde ich als mobility Kunde nun einen Elektro-Joghurtbecher mieten? Als günstigstes Fahrzeug bietet mobility einen Citroen C-1 an. Dieser kostet 2.80 CHF pro Stunde und 0.54 CHF pro Kilometer. Es sprechen eigentlich nur zwei Gründe für das sehr teure Elektroauto: das grüne Gewissen, sowie die Möglichkeit eventuell zielnah gratis auf einem Park & Charge parkieren zu können. Drei Stunden Miete, inklusive 25 gefahrener Kilometer, kosteten mich 37.20 CHF.

Wie läuft der Ausleihvorgang nun ab? Um dies selbst austesten zu können, erhielt ich von mobility eine zeitlich befristete Mitgliedschaft. Zu dieser gehört eine Smartcard und PIN Nummer. Damit konnte ich online die Reservierung des Fahrzeuges vornehmen. Auch eine app für Android (2) und iOS (3) sind verfügbar. Das wie-funktioniert-es stellt mobility auch gut auf deren Webseite dar (4).

Das reservierte Fahrzeug musste ich zunächst von der Ladesäule abnabeln. Dazu ist die Smartcard auf das Display der Säule zu halten, und den nach der Authentifizierung angezeigten Anweisungen Folge zu leisten: die Ladesäulenklappe wird entriegelt, und der Ladestecker kann gezogen werden. Danach das Ladekabel aufrollen und unter der Kofferraumabdeckung verstauen. Um den Kofferraum öffnen zu können, muss das Fahrzeug entriegelt sein. Auf der Fahrerseite der Windschutzscheibe befindet sich ein “smart sticker”. Auf diesen halte ich meine Mitglieds-Smartcard. Nach Erkennung leuchtet eine grüne LED im Aufkleber, und das Fahrzeug ist freigegeben.

Im Innenraum des Fahrzeuges befindet sich für Elektrofahrzeugneulinge auch noch einmal eine kurze sehr gute Bedienungsanleitung, inkl. der Beschreibung des Ladevorganges (5). Weiterhin befindet sich ein mobility Bordcomputer im Fahrzeug. Dieser bietet unter anderem Funktionen wie Verlängerung der Reservierung, Rückgabe des Fahrzeuges, etc.

Die Bedienung des Fahrzeuges war mir durch die Leihgabe des SIEMENS Fahrzeuges bereits bekannt. Der mobility Think City unterschied sich von Ausstattung etwas vom kürzlich gefahrenen SIEMENS Wagen. Das Mietfahrzeug hatte kein Faltschiebedach, dafür jedoch eine Klimaanlage. Etwas weiteres war anders, bzw. fühlte sich anders an: dieser Think City hatte scheinbar keine Servolenkung – zumindest war das “Heulen” des vorherigen Testfahrzeug absent. Das Lenkgefühl vermittelte ebenfalls keine servounterstützende Wirkung.

Die schon beim kürzlich gefahrenen Think City bemängelte Sitzkonsole war im Mietfahrzeug noch nachteiliger. Durch die hohe Sitzkonsole, damit auch hohen Sitzposition, befand sich der mobility Bordcomputer immer etwas im Sichtfeld. Um den Durchblick wahren zu können, musste ich eine leicht gekrümmte Haltung einnehmen. Nichts für längere Strecken. Dabei bin ich mit meinen schlanken 1.81 m Körpergrösse wahrlich kein Sitzriese.

Nach Beendigung der Fahrt, diese führte mich übrigens zu einer Smart electric drive Veranstaltung im hiesigen Smart Center, schloss ich den Think wieder an seiner Ladesäule an, und meldete mich am mobility Bordcomputer ab. Der Fahrzeugschlüssel verbleibt im Wagen, welcher sich nach einer Abmeldegedenkzeit eigenständig verriegelt. Die Ladesäulenverbindung hat nicht nur den naheliegenden Grund des Batterieladens. Beim Think City kommt noch etwas anderes hinzu: die in ihm eingesetzte ZEBRA-Batterie (6) möchte schön kuschelig warm gehalten werden. Diese Wärme wird mittels Strom erzeugt.

Mobility car sharing als solches habe ich als sehr gute Lösung erlebt, und kann nun auch die grosse Verbreitung in der Schweiz verstehen. Ein eigenautofreies Leben ist unter Einbeziehung von einem professionell betriebenen car sharing Angebot gut möglich. Das sehe ich als langjähriger Autofahrer so, und noch viel mehr die nun heranwachsende Generation die zu Autos weit weniger Bezug haben. Auch aus diesem Grund bieten einige grosse Automobilhersteller selbst car sharing Dienste an, so z.B. Daimler mit Car2go (7).

Wünschen würde ich mir zukünftig ein noch grösseres Elektrofahrzeugangebot vorzufinden, wie z.B. derzeit einen Renault Kangoo Z.E., oder einen mia Transporter? Dies könnte auch in zeitlich begrenzten Promotions-Aktionen stattfinden (bei denen die Hersteller die Umrüstkosten (Bordcomputer etc.) übernehmen). Elektromobilität muss selbst erfahren werden. Die graue Theorie des gedruckten Wortes reicht nicht aus.

Quellenangaben

(1a) http://www.mobility.ch/de/pub/index.cfm
(1b) http://de.wikipedia.org/wiki/Mobility_CarSharing
(2) https://play.google.com/store/apps/details?id=ch.mobility.mobidroid.main&feature=search_result#?t=W251bGwsMSwxLDEsImNoLm1vYmlsaXR5Lm1vYmlkcm9pZC5tYWluIl0.
(3) http://itunes.apple.com/ch/app/mobility-car/id362028864?mt=8
(4) http://www.mobility.ch/de/pub/so_funktionierts/so_funktioniert_mobility.htm#i1826
(5) http://www.mobility.ch/files/pdf2/Checkliste_Think_Beifahrersitz1.pdf
(6) http://de.wikipedia.org/wiki/Zebra-Batterie
(7) http://de.wikipedia.org/wiki/Car2go





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