AQQU

Energie die bewegt


N-ERGIE (DE), Q&A


Posted on 27.01.2013 , by Oliver Zechlin in Interview . No Comments

N-ERGIE (DE), Q&A

In unserer Heimatstadt Zug, Schweiz, ist der hiesige Energieversorger die WWZ Energie AG. Dort fragte ich bezüglich deren Aktivitäten zur Förderung von Elektromobilität nach. Erdgasfahrzeuge werden z.B. bereits bei Neukauf mit einer „Gas-Gutschrift“ unterstützt.

Die Antwort der WWZ:
Der Bundesrat befindet sich gegenwärtig in der Ausarbeitung einer längerfristigen Energiestrategie, die mitunter auch die Elektromobilität und deren Förderung miteinbezieht. Die WWZ möchten noch keine voreiligen Entscheidungen treffen und abwarten, wie und in welcher Form die Elektromobilität priorisiert wird. Ist dies definiert, werden die WWZ die Sachlage beurteilen und entsprechende Massnahmen einleiten. Dies könnte unter anderem die Förderung von Elektrofahrzeugen im Versorgungsgebiet sein.

In der Stadt Zug befinden sich, WWZ-unabhängig, immerhin zwei Park & Charge Lademöglichkeiten. Wie sehen Elektromobilitätsaktivitäten bei anderen Energieversorgern aus?, ich fragte exemplarisch bei der N-ERGIE in Nürnberg, Deutschland, nach.

Interview mit Ingo Sigert (siehe Foto), Strategische Unternehmensentwicklung der N-ERGIE Aktiengesellschaft

Q: Wie viele Ladesäulen hat N-ERGIE derzeit funktionsfähig installiert? Wie sind die Pläne für 2013?
A: Die Die N-ERGIE Aktiengesellschaft betreibt insgesamt 8 Ladesäulen im Nürnberger Stadtgebiet. Die ersten beiden Ladesäulen wurden am 3. Mai 2010 in der Sandreuthstraße und in der Hainstraße offiziell in Betrieb genommen. Daraufhin folgten im Jahr 2010: Ladesäulen in der Südlichen Fürther Straße und Königstorgraben (4.10.), Langwasser-Süd in Kooperation mit der VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg (14.10.) und an der AVIA-Tankstelle in der Brückenstraße (18.11.). Zudem wurden seit 2011 in Betrieb genommen: die Ladesäule am Tiergarten, dabei handelt es sich um einen Solarcarport, und eine Ladesäule gegenüber vom Kesslerplatz. Lageplan und weitere Informationen unter www.n-ergie.de/elektromobilitaet Die N-ERGIE arbeitet weiter am Thema Elektromobilität und arbeitet gerade an einem neuen Strategiekonzept.

Q: Von welchem Hersteller sind die Ladesäulen? Welche Anschlüsse gibt es? Mit wie viel Ampere kann geladen werden? (m.W. nur Schuko-Stecker, oder?, wenn ja: warum?)
A: Die Ladesäulen in Nürnberg sind von der Firma EBG und sind mit je zwei Schukosteckdosen ausgestattet. An jedem Anschluss kann mit je 3,7 kW (230 V, 16 Ampere) geladen werden.

Q: Werden die dazugehörigen Parkplätze von der Stadt angemietet? Wem gehören diese? Besteht die Möglichkeit, rechtlich verbindliche Halteverbotsschilder für nicht-Elektrofahrzeuge aufzustellen (und sind Bußgelder, Abschleppen durchsetzbar)?
A: Wir als Energieversorger haben mit unseren acht Pilotladesäulen eine Grundinfrastruktur errichtet. Das Besondere ist, dass die Ladesäulen auf öffentlichen Plätzen in Nürnberg stehen und damit uneingeschränkt genutzt werden können. Dies ist in Deutschland nicht selbstverständlich. Die Parkplätze sind für Elektrofahrzeuge reserviert. Widerrechtlich geparkte Fahrzeuge können abgeschleppt werden.

Q: Wer derzeit in Deutschland elektrisch auch außerhalb seiner „Komfortzone“ unterwegs ist, ist auf funktionierende Lademöglichkeiten angewiesen. Leider ist es so, dass es keine flächendeckende Infrastruktur, und im Ladefleckerlteppich keine einheitliche Autorisierungs-/Abrechnungssystem gibt. Neben einem Kofferraum voller Ladekabeln und Adaptersteckern, benötigt der Langstreckenelektromobilist auch noch einen Berg RFID-Ladesäulen-Kundenkarten, um Lademöglichkeiten wahrnehmen zu können. Dies ist fern jeglichem systemischen Ansatz, und langfristig nicht akzeptabel. Was muss ich tun, um N-ERGIE Ladesäulen nutzen zu können?
A: Für das Laden an Ladesäulen der N-ERGIE wird eine Ladekarte (RFID-Karte) benötigt. Diese kann man beantragen unter elektromobilitaet@n-ergie.de. Für Stromkunden der N-ERGIE sind das Laden und die Ladekarte kostenlos. Auch wenn man kein Kunde ist, kann eine Ladekarte beantragt werden. Dafür entstehen Kosten in Höhe von 78 € pro Jahr. Für die einzelne Kilowattstunde entstehen dann keine weiteren Kosten. An den Ladesäulen der N-ERGIE wird das Ökostromprodukt STROM PURNATUR geladen, der zu 100 Prozent aus Wasserkraftwerken entsteht (Hammer (Pegnitz), Rothsee (Heuberg), Brombachsee (Allmannsdorf) und Melk (Donau)). Mit dem Ökostromprodukt der N-ERGIE fließen pro verbrauchter Kilowattstunde ein Cent (netto) in wegweisende Projekte zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien oder in innovative Umweltprojekte in der Region.

Q: Arbeiten Sie mit anderen Energieversorgern an einem einheitlichen Ladeinfrastruktursystem?
A: Zusammen mit drei weiteren mittelfränkischen Energieversorgern (infra fürth gmbh, Stadtwerke Ansbach GmbH und Stadtwerke Schwabach GmbH) hat sich die N-ERGIE Aktiengesellschaft im Februar 2012 zum Ladeverbund Franken+ zusammengeschlossen. Besitzer von Elektrofahrzeugen können mit nur einer Ladekarte, die beim jeweiligen Energieversorger beantragt wird, insgesamt 16 Ladesäulen in Ansbach, Fürth, Nürnberg und Schwabach nutzen. Der Aktionsradius für Elektrofahrzeugbesitzer kann durch diese Kooperation in der Metropolregion Nürnberg deutlich erweitert werden. Die Elektromobilität wäre somit nutzerfreundlich und komfortabel gestaltet. Die EAM, EnergieAgentur Mittelfranken e.V., mit Sitz in Nürnberg hat die Umsetzung des Ladeverbunds Franken+ auf den Weg gebracht. Ab 2013 sollen alle Ladesäulen, die sich bereits im Betrieb befinden, mit den ausgegebenen Ladekarten nutzbar sein. Die Übersicht anbei gibt Auskunft über die Ladesäulenstandorte und deren Betreiber. Ladekarten sowie weitere Informationen erhalten Sie bei Ihrem Energieversorger. Mehr unter www.eamfr.de. Zudem ist die N-ERGIE auch national in Organisationen vertreten. Ein Beispiel ist die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) der Bundesregierung.

Q: Fördert N-ERGIE die Anschaffung von Elektrofahrzeugen, wenn ja wie? Auch noch 2013?
A: Die N-ERGIE unterstützt mit ihrem CO2-Minderungsprogramm den Erwerb von Elektrofahrzeugen

Q: Gibt es einen speziellen Elektrofahrzeugstromtarif, inkl. Zähler – ähnlich wie bei Wärmepumpen?
A: Nein, aktuell nicht.

Q: Bietet N-ERGIE den eigenen Mitarbeitern die Möglichkeit Elektromobilität zu erleben (z.B. ausleihbar im Fuhrpark)?
A: Seit 2009 investiert die N-ERGIE in die Anschaffung von Elektrofahrzeugen für ihren Fuhrpark. Die ersten Fahrzeuge waren Elektrofahrräder, die ganz normal in den Fuhrpark integriert waren und von Mitarbeitern für Geschäftsfahrten in der Stadt genutzt werden konnten. Momentan stehen den Mitarbeitern zwei Elektroautos im Fuhrpark zur Verfügung.

Q: Wir machten kürzlich einen Ausflug über die Grenze nach Radolfzell. Das dortige Umweltamt betreibt eine eigene Solarstromtankstelle – gratis parkieren und aufladen ohne der Notwendigkeit eine Kundenkarte besitzen zu müssen. Hätte es dort keine Lademöglichkeit gegeben, hätten wir ein anderes Ziel angesteuert (und dort einige hundert Euro ausgegeben). Arbeiten Sie mit dem Tourismusbüro der Stadt Nürnberg zusammen? Da eine Kundenkarte Voraussetzung ist N-ERGIE Ladesäulen zu nutzen, wäre es für auswärtige Besucher willkommen im Tourismusbüro eine Ladesäulenkarte leihen zu können (mit Lademöglichkeit nahebei).
A: Im Moment arbeitet die N-ERGIE mit der Stadt Nürnberg eng zusammen was die Ladeinfrastruktur anbetrifft.
Derzeit nutzt die Congress- und Tourismus-Zentrale Nürnberg eines unserer Elektrofahrräder. Eine Zusammenarbeit darüber hinaus existiert derzeit (noch) nicht.

Ladestationen
· Nürnberg: Sandreuthstraße 21, Hainstraße 34, gegenüber Südl. Fürther Straße 14, Königstorgraben 1, P+R-Parkplatz an der Julius-Leber-Straße, AVIA Tankstelle Brückenstraße 2, Solar-Carport am Tiergarten , gegenüber Kesslerplatz 19
· Fürth: Leyher Straße 69, Fürther Freiheit (gegenüber Friedrichstraße 14), gegenüber Königsplatz 8
· Ansbach: gegenüber Montgelasplatz 1, gegenüber Bad Aquella (Am Stadion 2)
· Schwabach: Ansbacher Straße 14, Bahnhofstraße 38, gegenüber Martin-Luther-Platz

Ingo Sigert, N-ERGIE
Merci, Herr Sigert!

Während die Aktivitäten per se löblich sind, N-ERGIE bietet auch bereits für Elektromobilisten etwas, zeigt sich jedoch auch hier der bestehende Inselwildwuchs: jeder Versorger, bzw. jedes Versorgungsgebiet kochen ihr eigenes Elektronensüppchen. Das Angebot in Nürnberg dürfte in erster Linie für Pedelec- und Elektrorollerfahrer interessant sein. Diese (verbreitetere) Art von Fahrzeugen sind mit der Ladeleistung einer Schuko-Steckdose zufrieden, und bewegen sich meist in einem überschaubaren Reichweitenrahmen. Für Elektroautofahrer hingegen dürfte es mehr sein. Wer als Kunde von N-ERGIE ein Elektroauto fährt, lädt sicherlich zu Hause und sieht das Ladesäulenangebot eher als kostenfreie Parkiermöglichkeit. Die derzeitgen Bedürfnisse auswärtiger Elektromobilisten, und gerade diese würden eine entsprechende Ladeofferte benötigen, werden nur teilweise gedeckt, z.B. Zugänglichkeit auch ohne teure vorab-Registrierung nebst weiterer RFID-Zugangskarte im Geldbeutel. Da die Zahl an Fahrzeugen derzeit noch überschaubar ist, könnte auch einstweilen auf eine Abrechnung verzichtet werden und der abgegebene Strom intern als Marketingausgabe verbucht werden. Alternativ gäbe es noch den guten alten Münzeinwurf.

Quellenangaben
  1. N-ERGIE – Elektromobilität
  2. N-ERGIE CO2-Minderungsprogramm (PDF)




Schreibe einen Kommentar