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Energie die bewegt


4. Schweizer Kongress Elektromobilität


Posted on 13.02.2013 , by Oliver Zechlin in Kongress . 1 Comment

4. Schweizer Kongress Elektromobilität

Am 29. und 30. Januar 2013 veranstaltete das Schweizer Forum Elektromobilität (1) im Verkehrshaus Luzern den sehr gut besuchten 4. Kongress Elektromobilität (2).

Mein Fazit: Elektromobilität kommt. Langsam aber beständig. Von heute-auf-morgen, wie es sich viele Befürworter der Elektromobilität wünschen, kann und wird es nicht passieren. Es geht eben nicht nur darum ein attraktives, elektrisch betriebenes Fahrzeug auf die Strasse zu bekommen, sondern viele davon. Dies ist eine Erweiterung eines komplexen Systems. Es gibt noch viele Detailfragen zu beantworten, von Stromnetzkommunikationsnormen bis hin zur länderübergreifenden Signalisierung (z.B. Verkehrsschilder). Die meisten der Vorträge sind online verfügbar (3, 4), und definitiv einen Blick wert.

Meine persönlichen Top 3 Beiträge / Fakten / Erkenntnisse:

Projekt ELMO aus Estland. Ein finanziell überschaubares Elektromobilitäts-Gesamtpaket von dem Land, Leute und Wissenschaft etwas haben. SO muss ein „Schaufenster“ aussehen. Das kleine Land führt Deutschland vor.

Die EV-Adaptionsrate in Norwegen. Die niedrigere Lebensdauer-Vollkostenrechnung eines Elektrofahrzeuges lockt Käufer. Diese sind zufrieden mit ihren EVs und evangelisieren in ihrem sozialen Umfeld –> Dominoeffekt. Die Norweger ignorieren wohlwissend EU-Energiekommissar Oettinger: dieser behauptet Elektromobilität käme im ländlichen Raum nicht an. Fakt ist: die EV-Adaptions-Wachstumsraten in Norwegen sind prozentual im ländlichen Raum höher als in der Stadt.

Fakten zm Schnellladen. Dieses schadet dafür ausgelegten System (Batterie, Kühlung, BMS) nicht. TESLA ausgenommen, die derzeitig schnellladefähigen Fahrzeuge laden nur kurzzeitig mit 50 kW. Danach fällt die Ladeleistung ab, und pendelt sich über die gesamte Ladezeit bei um die 2x kW ein –> man kan sich den höheren Aufwand und Kosten sparen und auf auf 22 kW Ladedauerleistung setzen.


Tag 1:

Dr. Jörg Beckmann, Mobilitätsakadmie
4 Jahre Forum Elektromobilität: Rückblick und Ausblick

Rudolf Dieterle, Bundesamt für Strassen (ASTRA)
Die Zukunft der Strasse: Elektromobilität aus Sicht des ASTRA

Urban Achermann, Groupe E
E-Mobilität: Am Anfang war die Wüste…

Volker Brink, RWE Effizienz AG
Elektromobilität heute – So begegnet RWE den europäischen Marktanforderungen an Ladeinfrastruktur

Laurent Burgat, Renault Suisse SA
Von der Vision zum Erfolg

Jens Christian Lodberg Hoi, Insero E-Mobility
Dänemark – das Land der Elektromobilität?

Ole Henrik Hannisdahl, Gronn Bil („Green Car“)
Why are thousands of Norwegians buying EVs? What can be learned from the Norwegian EV marketplace

Steven Dorresteijn, ABB Holland
Integrierte Ladeinfrastrukturlösungen: Projekt ELMO in Estland

Prof. Dr. Gernot Spiegelberg, Siemens AG
Nachhaltige Mobilität für die Stadt der Zukunft

Lukas Küng, ewz
Elektrifizierte Parkplätze – Zürichs Vision 2020

Andreas Fuchs, EKZ
Elektromobilität: Anleitung zum Geldsparen

Peter Arnet, Alpiq E-Mobility
Wie viel Intelligenz benötien Ladestationen?

Anne Wolf, Die Schweizerische Post
Praxisbeispiel Post – Nutzen der Elektromobilität

Marco Romano, Carlo Croci, Dr. Mirco Moser, Ing. Roberto Morandi
Das Tessin, DIE elektromobile Modellregion der Schweiz: Plan und Ziele 2013-2020


Tag 2:

Peter de Haan, EBP & Rainer Zah, EMPA
TA-Swiss-Studie: Chancen und Risiken der Elektromobilität

Volker Fröse, Bundesamt für Strassen (ASTRA)
Das E-Auto in der ASTRA-Flotte

Marco Piffaretti, InfoVEL
Schnellladung für Elektroautos: in welche Richtung bewegt sich Europa – und warum?

Karin Schulte, m-way
Mehr als E-Cars: Lösungen aus der Praxis


Einige zusammenfassende Worte zu den Vorträgen:

Mobilitätsakademie: Privatfinanziertes Schnellladenetz EVite: agnostisch hinsichtlich Standardisierung, wie Benzin und Diesel; open source; 2013: 150-250 Schnelladesäulen (das Stück für ca. CHF 60’000) entlang Autobahnkorridore.

groupe e: Ladenetz MOVE (5): Seit Anfang Februar 2013 lanciertes Ladenetz in der Westschweiz. Der Preis für eine Jahresmitgliedschaft beträgt CHF 96 (im ersten Jahr gratis). Kunden ohne RFID-Karte können sich via SMS freischalten lassen, dann betragen die Kosten CHF 5 pro Ladevorgang.

RWE: Betreiben mit über 2’100 Ladepunkten (das Gros öffentlich zugänglich, der Rest für Unternehmen) das grösste intelligente Ladeinfrastrukturnetz in Europa. Absatz von 2’000 RWE Wallboxen in 2012. Investieren ca. € 15 Mio/Jahr in Elektromobilitätsinfrastruktur; Beispiel Amsterdam („Amsterdam electric“): Ziel 10’000 eCars bis 2015 wegen Luftqualität, nachhaltigem Verkehrskonzept und Standortattraktivität, Antrag bei Stadt auf Ladestation im Quartier möglich wenn eCar gekauft wird und keine Lademöglichkeit existiert; Erfasste Ladevorgänge im RWE Stationsnetz Amsterdam: Januar 2012: 90, Dezember 2012: 3’753. 98% Verfügbarkeit pro Ladepunkt bei RWE; vor 2020 wird kein Standard für Induktionsladung erwartet.

Insero E-Mobility Dänemark: keine Steuer auf eCars bis 2016 (sonst 180%!); zielen auf 50% Anteil der Stromversorgung durch erneuerbare Quellen (primär Wind) bis 2020 (derzeit 20%), haben dadurch auch eher dezentrales Stromnetz. Dänemark hat gute Ausgangsgrundlagen für Elektromobiltät: geringer Abstand zwischen den Städten, flache Geographie. Top 3 eCars in 2012: Renault Fluence (198), Renault Kangoo (120), Peugeot Ion (90). In Summe 620 Stück.

Gronn Bil Norwegen: 500 Mio Förderungsumme bis 2018; Ziel: 200’000 Elektrofahrzeuge bis 2020. Fördermassnahmen: Steuerbefreiung, gratis Parken, Nutzung von Busspuren, keine Maut. Prozentual derzeit stärkste Zunahme an EVs ist im ländlichen Raum, absolut im urbanen Raum (Oslo); ein Schlüssel öffnet alle Ladepunkte, keine Ladekosten; keine Schnellladung („killed business“ mit gratis Strom; keine Kommunikation mit Netz; wenn CHAdeMO: nur halbe Ladeleistung bei Kälte möglich); EV Erfolg muss politisch gewollt und finanziell unterstützt werden. Der Kunde muss im Mittelpunkt stehen und das Angebot attraktiv finden. Setzen auf „+1“ Effekt, sprich EV Fahrer schwärmen im Regelfall von ihren Fahrzeugen und überzeugen so ihre Umgebung.

SIEMENS: Auswirkungen der Megatrends (Klimawandel, Urbanisierung, Demografischer Wandel) auf Mobilitätkonzepte–> Zero Emission EV / Intelligent mobility / Zero accidents. Das Elektroauto ermöglicht neue Geschäftsmodelle, so könnten z.B. Firmenflottenfahrzeuge virtuell zusammengeschalten werden – mit einem Megawatt Leistung kann ich an der Strompreisbörse teilnehmen. Damit liessen sich Batteriekosten refinanzieren. Weiterhin ist es so möglich firmenintern Lastspitzen abzufedern die dadurch nicht teuer eingekauft werden müssen. Dies wurde im Rahmen eines Versuches bei Siemens Berlin bereits erprobt (Einschaltspitzen beim Hochfahren von Werkzeugmaschinen wurden durch Firmenfahrzeuge gedeckt). 400’000 eCars mit je 22 kwh reichen um das deutsche Stromnetz zu stabilisieren.

ABB: 500 installierte Schnelllader weltweit: bislang kein Vandalismus; haben Smartphone app zur Authentifizierung: QR-code abfotografieren falls RFID-Karte vergessen. Sind Partner im beeindruckenden estländischen Projekt ELMO (6). Bei diesem nutzen vorwiegend Behördenmitarbeiter EVs für dienstliche Fahrten (Hauptnutzer: Sozialarbeiter), eine weitere grosse Nutzergruppe: Taxiunternehmen; weiterhin gibt es Fördermassnahmen zum Erwerb für private Kunden und den Aufbau eines landesweitern Schnellladenetzes (alle 50 km ein Ladepunkt). Im November 2012 wurden 2’900 Ladevorgänge durchgeführt, mit einer durchschnittlichen Ladung von nur 6 kWh. Das Projekt ist systemisch, d.h. es geht nicht nur darum Ladesäulen zu platzieren, sondern auch die dazugehörigen Dienste attraktiv zu implementieren. Dazu gehört z.B. dass der Ladenetzbetreiber ein Kundenfahrzeug zur nächsten Ladesäule transportiert, sollte die angesteuerte einen Defekt aufweisen. In einer Google Map kann als overlay der Status der Ladesäulen (z.B. ‚gerade belegt‘) abgerufen werden. Die Präsentation enthält beeindruckende Fotos von EVs im harten Winter und zeigte auf, dass es mit einer Schnellladesäule nicht getan ist. Die eCar-Insassen sollten die Wartezeit in einer warmen attraktiven Umgebung (Café etc.) verbringen können.

ewz: Erfahrungen mit der eigenen Flotte (mehr als 10% EVs): Aufladen während der Nacht reicht für den Alltagsgebrauch; haben Tiefgaragen mit 20 Ladeplätzen nebeneinander –> laden alle gleichzeitig stösst man die Grenzen, intelligente Ladesäulen sind daher künftig notwendig. Die Elektrizitätswerke Zürich werden die Ladeinfrastruktur bedarfsgerecht nach Zulassungszahlen ausbauen. Geladen wird vorwiegend am Arbeitsplatz, zu Hause oder in Parkhäusern. Die öffentliche Ladeinfrastruktur, vorwiegend Schnelllader, hat einen psychologischen Effekt und ist für Pendler wichtig.

EKZ: In der Schweiz gibt es ca. 1 Mio. Firmenfahrzeuge, mit einer durchschnittlichen Flottengrösse von 12-15 Autos. 70% davon fahren Distanzen unter 20 Kilometer. 20-30% der Firmenfahrten könnten ohne Nachteile elektrisch erfolgen. Elektrifizierungspotential für Firmenflotten in der Schweiz: 200’000 bis 300’000 Fahrzeuge. SmartGrid ist nicht notwendig für smartes Laden: haben Pilotprojekt zusammen mit IBM und nutzen Telematics Services auf Mobilfunkbasis um IT-technisch ein virtuelles SmartGrid zu nutzen. Intelligenz ist bereits im Fahrzeug, warum auch noch mal in der Ladesäule und Netz? Die Hardware für das Normalladen kann sehr einfach und preiswert sein.

ALPIQ: Wir können mehr Strom produzieren als wir verbrauchen –> speichern. Sie glauben an die dezentrale Intelligenz beim Kunden. Die dortigen Installationskosten sind sehr niedrig, und für weitere Verbraucher anwendbar (Wärmpepumpe, Boiler, …). Ladestationen passen sich dann der Netzbelastung an. Win-Win-Situation für Netzbetreiber und Hausbesitzer.

Schweizerische Post: CO2=zweite Währung der Post; 25% Flotte bereits elektrifiziert (das Gros davon Zustell-Roller). Die über 4’000 dreirädrigen Schweizer Elektrozustellroller begeistern Kunden und Briefzusteller, sie überzeugen aus wirtschaftlicher und Umweltsicht.

Schweizer EV-Modellregion Tessin: ab 2014: Einführung cash-Bonus, abhängig von Schadstoffwert und Sitzplätze (nicht nur eCars), max. CHF 10’000 bei Limousine, Smart ed = CHF 4’000 / Citroen C-Zero = CHF 8’000 / Ampera = CHF 4’000.

TA-Swiss: CO2 Werte immer besser als bei Verbrennungsmotor; Effizienzmöglichkeit: Batterierecycling; Hybrid dauerte 16 Jahre bis Mainstream, bei eCars wohl ähnlich –> 2012+16. 2025 wird etwa jedes zehnte verkaufte Auto ein Batterie- oder Plug-In-Hybrid sein. Etwa 2035 werden (in der Schweiz) gleichviel Elektrofahrzeuge wie Autos mit Verbrennungsmotor verkauft. Vorstellung der Studie zur Schweizer Elektromobilität (7).

Hochschule Luzern: zentral –> dezentral; unidirektional –> bidirektional; planbar –> stochastisch; haben mit Partner carport-package entwickelt – dieser nutzt second life eCar/Hybrid Batterien für Speicher zu Hause, Nullserie im März, Serie in 2 Jahren, Besonderheit: berücksichtigt Wechselwirkung mit Netz.

ASTRA: Es gibt in der Schweiz noch keine Definition eines Elektroautos (hinsichtlich Gesetzgebung); es gibt noch keine Signalisierungsvorgaben; UN-seitig gibt es Empfehlungen (diese hat aber geschlafen, mittlerweile gibt es schon vier Empfehlungsvorschläge für Signalisierung von Ladesäulen an Raststättenschildern).

infoVEL: Schnellladung mit mehr als 100 kW kein Problem wenn Auto dafür ausgestattet ist. Heutige und zukünftige Autogenerationen laden jedoch nur die ersten paar Minuten mit 50 kW. Danach wird auf weniger als 20 kW heruntergeregelt (wg. steigender Batterietemperatur). Netzanschlüsse bis 32 Ampere / 3-phasig (22 kW) sind in D-A-CH gängig und günstig. 50 kW Anschlüsse kosten wesentlich mehr als das Doppelte. Messungen zeigten dass selbst 50 kW Schnelllader im Schnitt über die Ladedauer nur ca. 20 kW luden, d.h. Mehrkosten sind eigentlich einsparbar.

m-way: Offerieren eigene Mobilitäts-Sharing-Plattform („Sharoo“). Partner des Pilotprojektes eMotion-Zürich (8). In diesem Projekt sollen sich private Haushalte und Unternehmen eCars inkl. Schnellladeinfrastruktur teilen.

 

Quellenangaben
  1. Schweizer Forum Elektromobilität
  2. 4. Kongress Elektromobilität
  3. Kongress-Präsentationen, 29.1.2013
  4. Kongress-Präsentationen, 30.1.2013
  5. Ladenetz MOVE
  6. Projekt ELMO
  7. Chancen und Risiken der Elektromobilität in der Schweiz
  8. Projekt emotion




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