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Energie die bewegt


Reichweitenangst im Leaf Jet


Posted on 31.08.2013 , by Oliver Zechlin in Allgemein, Test . No Comments

Reichweitenangst im Leaf Jet

Gastbeitrag

Erfahrungsbericht von zwei Tagen Arbeitsweg mit dem Nissan Leaf. Diesen lege ich normalerweise mit einem gleichwertig grossen Hyundai i30 Benziner mit Automat zurück. Die zwei Tage waren nicht meine ersten Kilometer in einem elektrisch-betriebenen Fahrzeug: bislang hatte ich allerdings nur kurze Kennenlernfahrten mit denen bei AQQU getesteten Fahrzeugen. Ich habe auch noch nie ein Elektroauto geladen oder mich technisch damit auseinandergesetzt.

Mein Weg in die Arbeit, vom Wohnort in der Nähe von Sins nach Zürich-Altstetten beträgt 46 Kilometer. Die Fahrt geht zunächst 10 km über Land und Dörfer. Darauf folgt eine Autobahn-Etappe von 34 km (davon 10 km mit 120 km/h, 20 km mit 100 km/h und 4 km mit 80 km/h). Nach Abfahrt geht es noch 2 km innerstädtisch zum Arbeitsort.

Donnerstagmorgen

Die Anzeige für das Laden ist gelöscht, ich kann den Stecker ziehen und das Ladegerät im Kofferraum verstauen. Ich lege es nur lose hinein, und spare mir das Aufwickeln und das Verstauen in der dafür vorgesehenen Ladekabeltasche.

Ich fahre mit einer angezeigten Restweite von 177 km los. Zunächst geht es ca. 4,5 km bergab bis Sins. Die Restweite wird nun mit 191 km angegeben. Danach relativ eben bis Autobahn Einfahrt Cham, Restweite 184 km. Nach bisher 10 km Fahrt. Auf der Autobahn ist ein kurzes Stück auf 100 km/h begrenzt. Danach sind 120 erlaubt. Ich fahre wie üblich mit dem Benziner nach Tacho 128 km/h. Nach 10 Kilometern kommt die 100 km/h Begrenzung. Die angezeigte Reichweite beträgt nun nur noch 80 km. 128 km/h geht also an die Reserven, sogar ziemlich stark.

Danach kommt ein 20 km langes 100 km/h Stück, welches ich wie gewohnt mit 108 km/h fahre: die Restweite erholt sich auf 110 km. Nun folgen 4 Kilometer, 80 km/h sind erlaubt,  welches mit Tacho 88 km/h gefahren wird. Danach noch 2 km durch die Stadt. Um 5:30 h früh hat es allerdings keinen Verkehr. Nach 46 km bin ich in der Tiefgarage und habe noch eine angezeigte Reichweite von 113 Kilometern.

Auffälligkeiten

Ab 100 km/h macht das Auto Windgeräusche am Aussenspiegel, allerdings sind diese nur zu hören wenn man mit offenem Fenster auf der Autobahn fährt – und das macht man ja nicht jeden Tag. Bei mir aufgetreten, weil ich bewusst ohne Klimaanlage gefahren bin und die Scheiben angefangen haben anzulaufen: die Frischluftzufuhr hat dem ein Ende gesetzt.

Nach dem Parken in der Tiefgarage wollte ich noch einmal den Bildschirm einschalten um den Verbrauch anzeigen zu lassen. Allerdings nach dem Stoppen (Ausschalten) war das zu spät:  nur —– und keine Zahlen mehr. Gibt es eine Verbrauchshistorie? Ich hatte mir gemerkt, dass ich einen Tannenbaum ganz und bei einem zweiten nur die Wurzeln erarbeitet hatte.

Achtung: Das Ladekabel ist schmutzig und hat auf meinem leuchtend gelben Polo-Shirt hässliche schwarze Streifen hinterlassen.

Donnerstag Nachmittag – Heimfahrt mit Ladepause

Meine Heimfahrt unterbrach ich umwegfrei durch einen Ladehalt in Urdorf. Dort hat Nissan Schweiz seinen Firmensitz. Und dort gibt es eine Schnelllademöglichkeit. Die passende Elektrotankstelle steht direkt vor dem Eingang des Bürogebäudes. Muss man wissen. Es hat nämlich auf dem Parkplatz Ladesäulen für Renault-Fahrzeuge. Dort konnte ich mit meinem Ladekabel nicht laden. Ich hatte Glück: der zur Nissan-Ladesäule gehörende Parkplatz war frei. Also rückwärts einparkiert, die Ladeklappe geöffnet, und wieder Glück: das fest an der Säule angebrachte Ladekabel passte. Das gefällt mir viel besser als selbst ein Kabel zu legen. Ganz so einfach war es dann aber doch nicht. Das Anzeige- und Bediendisplay der Ladesäule war wegen der sehr hellen darauf scheinenden Sonne kaum lesbar. Das Auto hatte noch knapp 60% Batteriekapazität. Das bedeutet 40% laden. Zu Beginn wurden 60 Ampere Ladeleistung angezeigt, danach immer weniger, und am Schluss schon fast haushaltstaugliche 15 Ampere. Bis 97% ging die Sache recht flott. Aber dann von Minute 25 bis zur Minute 31 machte die Anzeige keine Anstalt sich zu bewegen. Ok, „Stopp“ und Zapfhahn weg: wird ja wohl reichen.

Zurück auf die Autobahn und auf direktem Weg nach Hause. Der Verschleiss an Kilometern mit der Klimaanlage, im Gegensatz zum Morgen wo um 5 Uhr keine Klimaanlage nötig war, war frappant. Zu Hause angekommen ist die Restreichweite noch 66 Kilometer. Das letzte Stück von Sins bergauf, wo ich am Morgen noch 14 km gewonnen hatte, schluckte heim- und aufwärts nach Anzeige 24 Kilometer Reichweite. Ich stecke den Nissan Leaf zuhause über Nacht wieder an die Haushaltssteckdose.

So, morgen werde ich im ECO Modus starten und mit 100 respektive 90 km/h nach Zürich rösseln. Dann habe ich einen guten Vergleich.

Freitagmorgen

Start mit Restweite 144 Kilometer. Vermutlich war ich gestern bei der Heimreise etwas übermütig. 4,5 km bergab bis Sins: Restweite 177 km. Danach wieder bis zur Autobahn Einfahrt Cham, Restweite 138 km nach 10 Kilometern Fahrtstrecke. Ich habe erst jetzt gemerkt das die Klima noch an ist, weg damit!

Autobahn: kurzes Stück auf 100 km/h begrenzt, danach 120. Fahre diesmal mit angezeigten 102 km/h. Nach 10 km kommt die 100 km/h Begrenzung: Reichweite 106 km – somit deutlich besser als gestern. Danach kommt ein 20 km langes Tempo 100 Stück, welches ich heute mit nur 90 km/h fahre: die Restweite erholt sich auf 120 km. Auf dem folgenden 4 km Tempo 80 Stück fahre ich heute mit 82 km/h, dann noch 2 km Stadt und ich bin nach 46 km zurückgelegter Strecke wieder in der Firmentiefgarage. Angezeigte Restreichweite: 119 Kilometer.

Auffälligkeiten

Ich habe mich schon gestern gefragt, warum keine Rückgewinnung (die Punkteanzeige geht nicht nach links) zwischen Abfahrt zu Hause und Sins zustande kommt. Heute das gleiche Phänomen. Aber ich bin der Sache auf der Spur: es ist schlicht nicht möglich, da die Batterien noch vollgeladen sind. Apropos, das dauert ziemlich lange bis die Rückgewinnung nach Vollladung funktioniert. Auf der Autobahn hat es zwischendurch ein paarmal Gefälle, aber erst ab Urdorf macht er eine Rückgewinnung. Da sind dann schon 4 Striche der Tankanzeige weg. Heute nur einen Tannenbaum und keinen mehr angefangen, trotz der verhaltenen Fahrweise.

Freitag Nachmittag – Heimfahrt ohne Ladezwischenhalt

Start in Zürich, ungetankt. Mit Restweite 108 km über die Autobahn und dann in Urdorf-Süd wegen 10 km Stau abgefahren. Im Schritttempo bis zur Lichtsignalanlage nach Birmensdorf. Danach über Lunkhofen nach Hause. Ankunft nach fast eineinhalb Stunden. Restweite 28 Kilometer, aber 3 Tannenbäume erhalten.

FAZIT

Die Volatilität in der Distanzanzeige rauf und runter lässt ein sorgenloses Fahren nicht zu. Ich wusste nie ob ich nun die ca. 90 Kilometer Arbeitsweg, hin und zurück, wirklich schaffe. Das ist ein Nervenkitzel den ich nach der Arbeit beim besten Willen nicht brauche. Meistens bewegt man sich in Kilometer-Reichweite-Bereichen, welche bei meinem Benziner schon den Gedanken zum Tanken hervorrufen. Ist vermutlich eine Gewohnheitssache, aber für mich war es ein Gefühl von immer „auf Nadeln“. Reicht es, oder eben nicht – zumal wenn es denn nicht reicht das Abschleppen auch etwas umständlicher ist als bei einem Verbrennungsmotor der ohne Sprit stehenbleibt. Beim Benziner kann ich mir mit einem Reservekanister zur Not selbst behelfen.

Von all den bislang, wenn auch nur kurz, gefahrenen elektrischen oder teilelektrischen Fahrzeugen würde ich heute noch immer für den Ampera stimmen. Neben dessen Fahrdynamik passt er einfach besser zu meinem Fahrprofil. Ich kann ohne Reichweitenangst das längere Autobahnstück schnell fahren, kann sorgenfrei Klima oder Heizung dazuschalten – und kann auch Umwege fahren um noch etwas zu erledigen oder eines der Kinder einzusammeln. Für meine moderate Autobahn-Geschwindigkeit (im Vergleich zu Deutschland) ist mir die Reichweite des Leaf zu ungenügend. Bei einem rein elektrischen Auto wünsche ich mir eine sichere Reichweite von 150, besser 200 Kilometern, mit im Winter warmen und im Sommer kühlen Innenraum.

Alles in allem jedoch eine gute Erfahrung! Der Leaf bereitete mir auf Landstrasse und im Stadtverkehr viel Freude!





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