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Energie die bewegt


Hannover Messe 2014


Posted on 10.04.2014 , by Oliver Zechlin in Messe & Ausstellung . No Comments

Hannover Messe 2014

Auch die diesjährige Hannover Messe zeigte Elektromobilitätslösungen u.a. im Rahmen der Sonderschau „MobiliTec“. Ebenfalls mit von Partie: der beliebte Test Track. Neben den bekannten batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen gab es eine Neuheit zum Probefahren: den offiziell im Mai 2014 lancierten Nissan e-NV200. Weiterhin konnten Prototypenfahrzeuge mit exotischem Brennstoffzellenantrieb über den Parcours gesteuert werden.

Meine Elektromobilitäts-Messe-Highlights fand ich nicht auf der MobiliTec-Sonderschau, sondern auf der regulären Hannover Messe.

Highlight #1: „iProcell“ der IBG / Goeke Technology Group
Dabei handelt es sich um eine flexible, vollautomatische Montagezelle für Elektrofahrzeuge. iProcell gewährleistet dabei die vollständige Prozesskette – vom Entladen aus dem Container bis hin zur fertigen Montage. iProcell bedingt dabei einen grundsätzlich veränderten Fahrzeugaufbau. Das Fahrzeug wird aus möglichst wenigen vorgefertigten Modulen zusammengesteckt. Dies geschieht mit der Hilfe von Industrierobotern. Das auf der Messe zusammengesetzte Demofahrzeug war 70% der Orginalgrösse, aber aufgemerkt: eine Fertigung des (100%) Fahrzeuges ist geplant! Mit Hilfe von Zulieferern hat iProcell Disruptionspotential innerhalb der Automobilindustrie. So zeigt z.B. ZF eine komplette Antriebsachse mit Radnabenmotoren welche für ein solches „Lego Technics“-Fahrzeug nutzbar wäre. Die deutsche Bundeskanzlerin Merkel besuchte den Stand von IBG / Goeke Technology Group und liess sich iProcell zeigen – was wohl „Wolfsburg“ davon hielt?

Highlight #2: HEIDELBERG Electronics Wallbox mit Harting Trennstecker
Die Firma HEIDELBERG Electronics entwickelte die Ladelösung (Wallbox und ICCPD (Ladeleitung)) für Porsche und deren Panamera Plug-In Hybrid. Das erste Highlight: Das Ladegerät der Wallbox kann entnommen und mobil mitgeführt  werden. Das zweite Highlight: die von der Firma Harting selbstentwickelte Trennstelle für länderspezifische Adapterlösungen. Die Fa. Harting stellt diese auch anderen Herstellern von ICCBs/Wallboxen zur Verfügung.

Highlight #3: ThermHex Wabenkerne
Eine inkrementelle Innovation aus dem Bereich Werkstoffe fand ich bei der Firma ThermHex interessant: Mit deren Wabenkernen steht den Herstellern von Sandwichelementen eine neue Generation des bewährten Kernmaterials zur Verfügung. Wabenkerne werden in den verschiedensten Anwendungsbereichen im industriellen Leichtbau eingesetzt – z.B. für besonders leichte und gedämmte Hutablagen.

Volkswagen mit mit einem (sehr grossen) Stand vertreten. Dieser wurde bereits zur diesjährigen CeBIT genutzt. Nach Aussage von Volkswagen ist Elektromobilität für den Konzern eine Schlüsseltechnologie, um 2018 ökonomisch und ökologisch führender Automobilhersteller der Welt zu sein. VW zeigte u.a. das Schnittmodell des e-Golf, den e-Golf selbst, e-up!, und Plug-In Hybrid GTE. Weiterhin wurde als Neuheit die Studie e-load up! präsentiert. Im Vergleich zum Serienmodell vergrößert sich das Ladevolumen von 951 auf über 1400 Liter. Die Studie „Follow me“ ist wie ein Lotsenfahrzeug aufgebaut und wäre für den umweltfreundlichen Verkehr am Flughafen denkbar. Eine offizielle Aussage zum e-Golf gibt es zu vermelden: Der e-Golf ist leider nicht für eine Anhängerkupplung zugelassen.

Als Werbevehikel für die dieses Jahr enttäuschende Sonderausstellung „Metropolitan Solutions“ in Halle 16 waren Dutzende von Elektroautos (C-Zero, Smart ED v1/v2/v3, ZOE & Fluence, Fiat 500 Krabag, Volvo C30, e-up!) als Shuttles unterwegs. Die Tagesfahrleistung betrug um die 80 Kilometer pro Fahrzeug. Geladen wurden diese über Nacht in der dann komplett vollparkierten jedoch nicht öffentlich zugänglichen Halle 18.

Auf der Messe entdeckte ich drei Tesla S (es waren eigentlich alle marktverfügbaren Elektrofahrzeuge irgendwo mit ausgestellt). Einen davon in der MobiliTec Sonderschau, einen weiteren, inkl. des von den Tesla Stores oder Messen bekannten Fahrgestells, beim diesjährigen Hannover Messe Partnerland Holland. Der sehr viele Besucher anlockende Tesla S in Multicoat Red diente als Regionenwerbevehikel: in Brabant wird Tesla Model S für europäische Kunden endmontiert. Der dritte Tesla S kam in der Farbe Taxi Beige. Dieses Fahrzeug, das sogenannte Umwelt-Taxi-München war als Metropolitan Solution vom Taxi Center Ostbahnhof in München ausgestellt. Das Münchner Unternehmen setzt auch sonst auf umweltfreundlichere Fahrzeuge, und betreibt eine grössere Toyota Prius Flotte. Auch Opel Ampera gehört zum Taxi-Fuhrpark. Das Partnerland Holland präsentierte neben Tesla auch Solarfahrzeuge, u.a. das Modell Stella des Solar Team Eindhoven. Stella wird als „World’s First Solar Powered Family Car“ bezeichnet, und hat eine niederländische Strassenzulassung. Das Fahrzeug soll mit 35 Wh/Km auskommen.

Die Schweizer Firma crOhm stellte mit der Messe Hannover elektrisch anreisenden Messegästen Lademöglichkeiten bereit. Es wurde sogar, chapeau, ein Anfahrtsplan für Elektromobilisten veröffentlicht. Apropos crOhm: die schon länger angekündigte ICCB wurde leider noch nicht präsentiert.

Für die Fahrer der Drillinge, Renault Kangoo (Z.E.), TWIZY, ZOE, Smart ED oder TESLA Roadster die etwas „BMW i3 ConnectedDrive feeling“ in ihren Fahrzeugen haben möchten, mag sich ein Blick auf die Android tablet app mapZero lohnen. Diese kommunizert via OBD-II-Schnittstelle mit dem CAN-Bus des Fahrzeuges und stellt die Reichweite des Elektrofahrzeugs als Polygonzug auf einer Umgebungskarte dar. Das Polygon wird in regelmäßigen Abständen neu berechnet und zeigt die Reichweite in alle Richtungen (360°) unter z.B. Berücksichtigung der geographischen Gegebenheiten an.

Die MobiliTec Sonderschau wird mir persönlich etwas von den dort präsentierten Deutschen Schaufenstern der Elektromobilität vergällt. Als besonders rotes Tuch gilt für mich das Projekt von Porsche und Hotels in Baden-Württemberg und Sachsen. Das Projekt wird seiten des Steuerzahlers mit max. 850.000 Euro unterstützt. „Erstmals wird der tägliche Einsatz eines Plug-in-Fahrzeugs der Premiumklasse wissenschaftlich begleitet. Zu diesem Zweck stellt das Unternehmen zwölf Partnern, davon elf Hotels sowie dem Flughafen Stuttgart für zwei Jahre jeweils einen Panamera S E-Hybrid für den Fahrdienst zur Verfügung. Es gibt mit Sicherheit auch Projekte mit mehr Nutzen, und ich tue diesen Unrecht – aber wenn ich das erwähnte Schaufensterprojekt ausgestellt sehe habe ich schon keine Lust mehr mich mit den anderen Projekten auseinanderzusetzen. Das Partnerland Holland zeigte im Gegensatz was dort schon alles in der und für die Praxis realisiert wurde und wird.

Siemens spendierte dem Bereich Elektromobilität einen eigenen kleinen Stand am Eingang Süd. Weiterhin waren vier mit Siemens Antriebstechnik versehene zweite Generation des Volvo C30 Electric als Shuttles im Einsatz. Am Stand wurde neben dem bekannten ICCB auch eine in den USA entwickelte sehr gewerblich anmutende Wallbox zu sehen. Das Innenleben aussen vor gelassen: einen Red Dot Award lässt sich damit nicht gewinnen. Der Siemens-Schwerpunkt bei Elektromobilität liegt bei den Antrieben für Elektrofahrzeuge und Hybride. Weiterhin wird derzeit an induktiven Ladeverfahren geforscht. Das wird das nächste grosse, und wohl i.Vgl. zum „banalen Ladestecker“ komplexere Standardisierungsthema.

Bei Lapp Kabel waren u.a. deren Helix und Doppelhelixladekabel ausgestellt. Ob einfache oder Doppelhelix ist abhängig von der ausgelegten Stromstärke des Kabels: je mehr Ampere desto weniger Helix. Helix bedeutet dass sich das Kabel anwenderfreundlich in die Transportringform bringen lässt. Mennekes zeigte die formschöne und durchdachte neue Ladesystemserie AMTRON. Diese zeichnet sich auch durch Merkmale wie Charge APP, zeitgesteuertes Laden, netzgesteuertes Laden und Home Energy Management aus. Natürlich waren noch weitere Ladehardwarehersteller vertreten. Auch CHAdeMO zeigte Flagge. Es wird spannend wie sich die asiatischen Hersteller verhalten werden um deren DC-Ladesystem weiter auszubauen und in Europa am Leben zu halten. Mitsubishi zeigte die 2014er Modelle des i-Miev und Outlander PHEV. Die Besonderheit bei diesen beiden Fahrzeugen: es wurde die in Japan rd. 1000 USD kostende Wechselrichterlösung gezeigt welche es erlaubt Strom aus den Hochvoltakkus zu entnehmen. Eine europäische Zulassung steht noch aus.

Zurück zum Anfang, und zum Nissan e-NV200. Folgend ein paar Daten aus der vorläufigen Nissan Transporter „Cargo VAN“ Broschüre. Weiterhin sind die Modelle COMBI (eine oder zwei Schiebetüren, Hecktür asymetrisch oder Heckklappe mit Fenster) und LUDO (zwwei Schiebetüren und Heckklappe mit Fenster) genannt.
– Laderaumlänge: 2040 mm
– Laderaumvolumen: 4.2 Kubikmeter
– Ladekantenhöhe: 520 mm
– Wendekreis: 11.2 m
– Beladen von Gütern von 1200 mm Höhe auf einer 1016×1219 mm Palette
– Asymetrisch grosse Hecktüren 40%/60%
– Umklappbarer Beifahrersitz mit Arbeitsfläche
– Wiederaufladung möglich in nur 30 min
– Über Nacht in vier Stunden (Sternchen: abhängig von Ladeinfrastruktur) wieder vollständig über die normale AC-Ladestation aufladen
– Mit einer einzigen Ladung 170 km (dahinter kein Sternchen und Verweis auf NEFZ…)

Video: iProcell (mp4)





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