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Energie die bewegt


Auto-Salon Genf 2015


Posted on 04.03.2015 , by Oliver Zechlin in Messe & Ausstellung . No Comments

Auto-Salon Genf 2015

Der Auto Salon 2015 in Genf enttäuschte mich. Elektromobilität ist in Genf dieses Jahr kein Thema.

Cadillac zeigt mit dem ELR die edle Version des Chevrolet Volts. Wer sich getraute die Finger in den Türöffnungsschlund zu stecken um sich das Innenraumambiente anzusehen: es gibt keinen klassischen Türöffner sondern einen kleinen Druckknopf. Chevrolet selbst zeigt nur Spritschlucker, aber für den hiesigen Markt keinerlei Elektrofahrzeuge (z.B. Spark EV) oder Plug-in Hybrids (noch aktueller oder neuer Volt).

Beim Standnachbarn Hyundai gibt es neben dem bekannten Brennstoffzellen-ix35 den neuen SUV Tuscon zu sehen – und diesen ebenfalls als 48 Volt Hybrid, und Diesel-Plug-in Hybrid. Leider derzeit nur Prototypen ohne Markteinführungstermin.

Porsche zeigt neben dem 918 Sypder die grünen Feigenblätter Plug-in Panamera und Cayenne. Ein Plug-in mit vier dicken Auspuffrohren? Einfach nur peinlich. Audi zeigt neben dem A3 e-tron neu den Stadtpanzer Q7 als Plug-in e-tron Variante. Verkleideter Unterboden(schutz)? Schnickschnack. Der Audi R8 e-tron wird in seiner zweiten Auflage nun auch auf speziellen Kundenwunsch hin (…) mit einem elektrischen Antriebsstrang ausgestattet, inklusive mächtiger T-förmiger 92 kWh Batterie. Der proklamierte Tesla-Killer ist er aber doch nicht. Viel teurer, viel weniger Platz, langsamer beschleunigend: die 456 PS des R8 e-tron beschleunigen die Flunder von 0-100 km/h in 3.9 Sekunden. Die verbaute Batterie hat eine Dichte von 154 Wh/k und erlaubt eine Reichweite von 450 Kilometer. Geladen wird der R8 e-tron ebenfalls langsamer als der Tesla, via CCS. Der handgefertigte Sportwagen dient wohl primär als Versuchträger für eine zukünftige elektrische Sportlimousine. Volkswagen zeigt eine ganze Flotte weisse Westen in Form von Erdgas / Elektro / Plug-in Benzin Antrieben bis hin zur Brennstoffzelle. Das Auto des Jahres, der VW Passat  steht u.a. als Plug-in GTE Version auf dem grossen Stand. Die 130 kg schwere Samsung Batterie des Passat hat 9.9 kWh und befindet sich unter der Rücksitzbank. Der 50-Liter Benzintank wanderte in den Kofferraumunterboden. Der GTE hat eine interessante Einstelloption für die Fernvorklimatisierung abseits einer Steckdose: im Menü kann ein SOC (state-of-charge) Wert festgelegt werden welcher bei der Vorklimatisierung nicht unterschritten werden darf. Im Innenraum des Passat findet sich designsprachlich der dominante Kühlergrill in Form von durchgehenden verchromten Lüftungslamellen wieder: ich frage mich wie stark diese bei Sonne reflektieren und die Insassen stören. Überflüssiger Cockpitinnenraumzierrat findet sich auch bei vielen anderen Herstellern wieder. Interessant fand ich auch das optionale digitale Tachodisplay beim Passat – dieses kippt zum Fahrer hin. Im Passat würde ich die klassischen Zeigerinstrumente bevorzugen – stimmig fand ich die Displayanzeige bisher nur im Tesla und im Kia Soul. Stolz zeigt VW das Sport Coupé Contept GTE. Der Volkswagen-Entwicklungsvorstand spricht von einem atemraubend dynamischen Coupé. Auf mich wirkt das Design eher emotionsarm und technokratisch-controllergetrieben, heckseitig mit einem Hauch Audi A7 und VW Beetle. Müssen Monsterkühlergrilldesigner (wahrscheinlich auch Bestandteil des Modularen Querbaukasten, siehe Audi) in Weiterbildungskurse wenn es darum geht zukünftig eigenständige Elektrofahrzeuge zu zeichnen? Elektroautos benötigen keinen Kühlergrill mehr. Eine Sache begeistert mich auf dem VW Stand dann aber auch: der bereits bekannte XL-1. Zumindest dessen Design. Werft den Traktordiesel raus, schraubt einen Elektroantrieb hinein und voilà: VW hätte ein eigenständig aussehendes und aeroeffizientes Elektrofahrzeug. Quasi das Wolfburger BMW i Pendant. Eines muss man Volkswagen bei aller Kritik zugestehen: die Anzahl der weissen (emissionsreinen) Fahrzeuge am Stand ist beeindruckend. Zu Seat und Skoda wurden Elektro- oder Plug-in MBQ-Komponenten aus Niedersachsen noch nicht durchgereicht.

Auch bei Opel gibt es weder Bewährtes aber Eingestelltes (Ampera), noch neue Konzepte und Ankündigungen. Beim Messestandnachbarn Subaru sieht es genauso düster aus. Fiat und Ford haben ebenfalls nichts mit zwei Batterien zu zeigen.

Citroen und Peugeot? Nichts Elektrisches auf dem Stand. Die Luft scheint auch aus dem Citroen´schen Hybrid Air Druckluftspeicher heraus zu sein. Immerhin verkauft Peugeot weiterhin den Partner Electrique. Bei Renault spielt Z.E. (Zero Emission) auch keine Geige mehr. Kein Kangoo Z.E., kein Twizy, keine sonstigen Informationen zum Konzept und Technologie. Aber immerhin: zwei ZOEs stehen auf der Hauptaustellungsfläche, jetzt mit neuem effizienteren Antrieb und dadurch höherer Norm-Reichweite.

Honda und Toyota reihen sich ebenfalls in die Verweigerer von batteriebestückten Elektrofahrzeugen ein. Toyota zeigt nicht einmal mehr den noch aktuellen Prius. Ein Nachfolger (Prius V) ist schon lange überfällig. Beide Hersteller sind Verfechter der wasserstoffangetriebenen Fahrzeuge. Bei Honda ist deren bekanntes Concept zu sehen, bei Toyota der Mirai. Letzterer wird mittlerweile in kleinen Stückzahlen produziert. Für die drei europäischen Länder Deutschland, Dänemark und Grossbritannien reserviert Toyota für 2015 / 2016 gerade einmal 50-100 Fahrzeuge zu einem Preis von kanpp unter 80.000 Euro. Die Infotainment-Einheit findet sich ürbigens auch im frisch gelifteten Auris Hybrid wider. Bei Mazda? Eines meiner Highlights, wenn auch, Kohlenstoff auf mein Haupt, benzinbetrieben. Nichts elektrisches, nichts das geladen werden kann – aber auch kein Fahrzeug das überladen daherkommt – ja fast schon ein ’naked car‘: die vierte Generation des Roadsters MX-5. Ein Auto von Gestern für Heute, zum aktiven Fahren im klassischen Sinn, nicht zum sich-fortbewegen auf dem Weg in die mediale und autonome Zukunft.

Schön das Kia die Fahne hoch hält! Der beim letzten Auto Salon in 2014 präsentierte Soul EV ist mittlerweile bewährt und im normalen line-up angekommen. Schön auch das Mitsubishi sich treu bleibt. In der Schweiz gibt es weiterhin den iMiEV (der hiesig weiterhin so, und nicht MEV, heisst), neu nun auch mit LED-Scheinwerfern. Ansonsten bleibt er ganz der Alte. Der Outlander PHEV (Plug-in) kommt neu mit leichtem facelift, wirkt gerundeter und auf mich einen Tick weniger gross. Der neue Outlander PHEV wird voraussichtlich noch dieses Jahr lanciert, und ab 2016 verfügbar sein. Als Konzeptfahrzeug wird dieses Jahr in Genf der Nachfolger des kleinen Bruder des Outlanders, der ASX gezeigt. Ich bin gespannt was davon übrig bleibt, und wann dieser verfügbar sein wird. Ich vermute 2017. Hoffentlich erblickt dann auch ein neuer iMiEV das Licht der Welt. Auch von diesem war schon eine vielversprechende Studie in Genf z sehen. Ich vermute auch hier: 2017 wird das Jahr der interessanten elektrisch angetriebenen Fahrzeugneuigkeiten. Neben Kia hält auch Nissan die Elektroantriebsflagge hoch: neben einer Sonderedition des Bestsellers Nissan Leaf wird erstmalig der e-NV200 in siebensitziger Variante gezeigt. Nissan zeigt und erklärt weiterhin das Konzept von V2G (Vehicle-to-Grid). Der japanische Ladestandard CHAdeMO erlaubt auch das kontrollierte Entnehmen der in der Antriebsbatterie gespeicherten Energie. Ausgestellt sind die FASTO V2G von endesa/Enel welche in den Formfaktoren Wallbox oder Standsäule mit 10kW laden und entladen können. Die von Nissan gezeigte Studie SWAY macht Appetit auf den Leaf 2.0 – bis dahin steht einstweilen ein Sondermodell des erfolgreichsten Elektrofahrzeuges beim Händler.

Neu bei Volvo: der bekannte V60 Plug-in Diesel-Hybrid Kombi ist nun auch mit dem kleineren D5 Diesel (230 statt 283 PS des D6) verfügbar. Der Kofferraum wird dadurch allerdings nicht grösser. Geblieben ist die 11.2 kWh grosse Batterie. Geheizt wird der Volvo weiterhin entweder mit elektrischer oder fossiler Heizung. Im Mittelpunkt steht auf dem Volvo Stand der ‘schwedische Q7’, der Premium SUV XC90 T8 TwinEngine. Das von Beginn an auf Plug-in-Technik und Elektrifizierung ausgelegte 2.4 Tonnen schwere Dickschiff nutzt den Platz im Mitteltunnel um eine 9.2 kWh Batterie unterzubringen. Mit dieser überschaubaren Grösse dürften die auf Papier genannten 40 Kilometer elektrische Reichweite schwer zu erzielen sein. 9.2 kWh in einem neuentwickelten riesigen SUV dessen Käufer eher weniger kostensensitiv sind? Zum Vergleich: die im VW Golf GTE verbaute Batterie ist mit ihren 8.7 kWh nur ein paar Mignon-Zellen kleiner. Der Elektromotor entwickelt eine Leistung von 80 PS und ein Drehmoment von 240 Nm. Er treibt die Hinterräder an. Vorne produziert der mit Kompressor und Turbolader aufgeladene Verbrennungsmotor eine Leistung von 320 PS und ein Drehmoment von 400 Nm. Das Kühlsystem besteht aus zwei Kreisläufen: Der erste kühlt den Kurbelwellen-Startergenerator und den grossen Elektromotor an der Hinterachse, der zweite kühlt die Batterie auf zwei verschiedene Arten – entweder passiv über den Kühler oder aktiv durch die Integration in das Klimasystem.

Neben dem reinelektrischen B-Klasse Electric Drive zeigte Mercedes den C 350 Plug-in Hybrid mit Vierzylinder, nach dem Sechszylinder im ebenfalls ausgestellen S 500 Plug-in Hybrid, leistet 211 PS. Ihm steht ein 82 PS Elektromotor zur Seite. Von 0-100 km/h stehen 5.9 Sekunden auf dem Papier, bei 250 km/h Spitze. Die elektrische Reichweite beträgt theoretische und überschaubare 31 Kilometer. Desweiteren ist die Studie Concept V-ision zu sehen. Wie das V v-ermuten lässt basiert die Studie auf der neuen V-Klasse die den Antrieb des C 350 Plug-in implantiert bekam. Die eingebaute 13.5 kWh Batterie erlaubt eine Reichweite von maximal 50 Kilometer – so die Studie und deren Antrieb jemals Strassenbelag unter die Schuhe bekommen.

Nebenan bei Smart gibt es diesmal keinerlei elektrisch angetriebenes vierrädriges Krabbelgetier. Weder ist der noch erhältliche alte Smart ForTwo ED zu sehen, noch ein Ausblick auf einen elektrischen Nachfolger. Dieser wird wohl wie die Cabrio-Version des neuen ForTwo im September auf der IAA das Licht der Welt erblicken. Ich hoffe auch auf einen ForFour mit Elektroantrieb. Dieser würde einen hervorragenden Kurzstrecken-Hundetransporter abgeben: Die Sitzpolster der Rücksitze klappen schön flach nach vorne und ermöglichen so eine Einsprunghöhe knapp über Türschwellenniveau. Dazu öffnen die hinteren Türen sehr weit, nahezu 90°. Perfekt.

Bewährtes und bekanntes bei BMW: i3 & i8. Im Rahmen des 360° ELECTRIC Programmes rollt BMW i Zusatzdienstleistungen rund um die beiden Fahrzeuge aus. Der i8 wird nun mit erweiterter Ausstattung ausgeliefert. Den auf der letzten IAA gezeigten X5 Plug-in konnte ich nicht erspähen.

Die Schweizer Firma Rinspeed zeigte auf dem 2014er Salon eine Neudefinition des autonomen Business Reisens auf Basis eines Tesla Model S, den ‘XchangE’. Dieses Jahr zeigen sie ihr neues Konzeptfahrzeug auf Basis des BMW i3, den ‘Buddii’. Der ‘Freund auf Rädern’ lernt dazu, berücksichtigt Umweltinformationen und die gemachten Erfahrungen von anderen Fahrzeugen auf der Zielroute. Möchte der Mitfahrer zum Fahrer werden übergibt ein Roboterarm das Lenkrad und damit das Kommando. Ich vermute auf dem nächsten Auto Salon wird Rinspeed ein Fahrspassfahrzeug zeigen, weg vom autonom-fahrenden und multimedial übersättigtem Transportmittel hin zu den Wurzeln des Fahrens, vielleicht sogar mit Schmiermittel und Anlassschwungscheibe.

Mit vergrösserter Standfläche am Start: Tesla. Gezeigt werden drei komplette Fahrzeuge in unterschiedlicher Ausstattung (von Stoffsitzen bis hin zu den Executive Rücksitzen, mit Panoramadach und darüber montierten Skiträger, S60-P85D), sowie das Chassis der neuen Allradversion welche ein paar Tage vor dem Salon in Interlaken Europapremiere feierte. Die Beschleunigung des vollbesetzten Fahrzeuges, selbst auf regennassem Untergrund, ist sehr sehr eindrücklich.

Christian Borgward, Enkel des Gründers der Fahrzeugmarke Borgward vor fast 100 Jahren, möchte die Marke wieder zum Leben erwecken. Da Borgward damals für modernste Antriebslösungen stand, z.B. dem ersten Benzin-Direkteinspritzer, stehen bei der Rückkehr effiziente Antriebstechnologien und E-Mobilität den den zukünftigen Modellen ganz oben auf der Agenda. Noch wird nichts zum neuen Fahrzeug line-up verraten. 2016 soll es soweit sein. Während die Firmenzentrale ihren Sitz in Stuttgart hat, sitzt der Investor Foton in China.

Während auf dem letztjährigen Salon Quant auf kleinster Fläche ihr Debüt gab, wird dieses Jahr geklotzt. Der Stand ist grösser als der von Tesla. Es scheinen reichlich Investorengelder zu fliessen. Ich frage mich: warum dieser grosse, teure Auftritt? Ich bevorzuge mehr Sein als Schein. Der Stand neben Mitsubishi wurde übrigens erst sehr spät aufgebaut, die dieses Jahr belegte Fläche blieb lange brach. Neben den auf dem Stand befindlichen Fahrzeugen, mir gefällt deren Design nicht, läuft im Hintergrund eine Videosequenz in welcher ein Quant mit deutschen Kennzeichen durch die Strassen fährt. Einen Blick auf den Antrieb unter die Haube gibt es (natürlich) nicht.

Bei Tata gibt es ganz bescheiden das elektrisch-angetriebene und ‚connected‘ Concept Hexa zu sehen. Die nun ebenfalls unter indischer Besitzerflagge stehende koreanische Marke SsangYong zeigt das schmucke Plug-in Hybrid Konzept des Tivoli.

In Sachen Ladeinfrastruktur ein Heimspiel-Highlight: Die Multistandard Ladestation espresso&charge des Schweizer Herstellers EVTEC auf dem Stand des Verbandes e’mobile leistet bis 120 kW DC + 60 kW AC und unterstützt die Schnellladestandards aller europäischen, asiatischen und amerikanischen Autohersteller. Der Lader bietet diverse Zahlungs- und Zugangssysteme – und sieht auch noch schick aus.

Ich bin gespannt was uns auf der IAA im September erwartet.

 





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